31.12.2020

Regeln, die niemand versteht

Seilbahnen und Skigebiete wurden oft gescholten in den letzten Tagen. Stammgast.Online begab sich zum Lokalaugenschein auf die Schmittenhöhe und fand vorbildliches Covid-Management vor.

Schneefahrbahn ab Bischofshofen – es ist Winter. Die Bergstraße zur Talstation der Schmittenhöhe-Bahn, die vom Ortszentrum Zell am Sees aus anzusteuern ist, präsentiert sich vorbildlich geräumt. Das Parkleitsystem der Schmittenhöhe-Bahn-AG gibt bekannt: die Parkplätze 1 bis 5 sind bereits ausgelastet. Lediglich Parkplatz 6 leuchtet grün. Wenige Schritte sind es zur Talstation der Sonnenalmbahn. Gastronomiechef Stefan Putz wartet bereits. Links vom Eingang steht ein Partyzelt, wo bei minus fünf Grad heißer Leberkäse geschnitten wird. Es ist elf Uhr, mehrere Skifahrer stellen sich um einen Snack an. Es gibt ausschließlich alkoholfreie Getränke (obwohl man Alkohol ausschenken dürfte): Tee, Fruchtsäfte, Limo sind gefragt, auch Kaffee. Zum Verzehr von Speis und Trank müssen die Gäste 50 Meter Abstand vom Zelt halten. Manche sitzen auf Schneebergen, manche lehnen an Absperrgittern, die meisten öffnen die Heckklappe ihres Autos und setzen sich auf die Laderampe, um ihre Jause zu sich zu nehmen.

Kein nennenswerter Umsatz

Für Schmittenhöhe-Bahn-Gastro-Chef Stefan Putz ist das natürlich ein Trauerspiel. Normalerweise stehen in der Hochsaison 120 Mitarbeiter auf seiner Lohnliste, um die insgesamt sieben Berg- und Tal-Restaurants schwungvoll und auf hochqualitativem Level zu betreiben. Jetzt sind es fünf, die in der Kälte Leberkässemmeln machen. Zwei davon sind auf der Bergstation tätig, nur um einen geregelten (und sauberen) Toilettenbetrieb zu gewährleisten. Von einem ernstzunehmenden Umsatz kann und will hier niemand reden. Es beläuft sich auf die Basiskonsumation von rund 300 bis 400 Gästen. Stefan Putz gibt zu verstehen: „Wir sehen das als Serviceleistung für unsere Gäste.“

20 Prozent Gästeaufkommen – je nach Wetter

Schmittenhöhe-Bahn-Marketingleiter Markus Papai hat schon erste Zahlen parat. „Bei Schönwetter haben wir bis zu 4500 Gäste auf dem Berg, 80 Prozent davon sind Einheimische. Tagesgäste nützen die Skikarte schon aus, Einheimische mit Saisonkarten kommen und gehen früher oder umgekehrt. Im Vergleich zu einer vollwertigen Saison ist das natürlich nichts. Dann tummeln sich über 17.000 Skifahrer auf dem Berg.

Doch Putz besteht darauf, auch raufzufahren, um die Situation auf der Bergstation in Augenschein zu nehmen. Der Ablauf beim Seilbahnzutritt verläuft vollkommen geregelt ab. Absperrgitter teilen die Besucherströme in drei Schlangen auf, in denen sich die Gäste allerdings verlieren. Sollte der Andrang steigen, stehen dutzende zusätzliche Gitter bereit. Vor dem Besteigen der Gondel wird peinlich genau auf Abstand geachtet. Wo normalerweise ein Mitarbeiter die Situation überwacht, stehen jetzt sieben Kollegen. Vier Personen dürfen in eine Gondel, die für acht ausgelegt ist, ein neues Freiheitsgefühl macht sich breit. Acht Minuten dauert die Bergfahrt – hinaus aus dem Nebel, der den Zellersee wie Watte verhüllt, hinein in ein kitschiges, sonnenüberflutetes Alpinblau.

Schneeverwehte Terrassen – alles zu

Oben erinnert alles an einen schwach besuchten Skitag, was er auch ist. Fast schon familiär mutet die Szenerie an. Es ist erstaunlich ruhig, man hört das Knirschen des Schnees und das Knarzen der Skischuhe, kaum ein Wort. Vermutlich weil alle die dichten FFP2-Masken tragen. Bis auf die Toiletten ist alles zu. „Die wurden von uns geöffnet, um den Gästen auf dem Berg ein Mindestmaß an Qualität zu bieten“, erklärt Stefan Putz. Geschickt zwängt er die elektronische Schiebetür ins Bergrestaurant „Franzl“ auf. Hier ist es totenstill, fast schon gespenstisch. Die Tür auf die Terrasse lässt sich nur einen Spalt öffnen. Durch hüfthohe Schneemassen bahnt man sich einen Weg auf die Terrasse, wo man jetzt normalerweise in einem Sonnenstuhl liegt und das Panorama genießt. „Hier könnten locker hundert Gäste verweilen mit mehr als zwei Metern Abstand, wegen meiner auch ohne Konsumation. Dürfen wir aber nicht. Der Zu- und Abgang von außen wäre möglich und natürlich auch eine strikte Begrenzung der Gästezahl, aber auch das ist nicht erlaubt.“ Putz deutet mit der Hand den Berg hinauf. In Sichtweite befindet sich die „Schnapshansalm“ eines Kollegen. „Die ist komplett zu. Es gibt die Regelung, dass nur Skihütten öffnen dürfen, die mit dem Auto erreichbar sind. Die Verhältnismäßigkeit dieser Regeln soll mir mal einer erklären.“

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