09.05.2022

Rezeptfehler

Ist es ihnen auch schon aufgefallen? Mir letzte Woche wieder. Unsere Herren und Damen Küchenchefs sind ganz schön raffiniert. Ja, mit dem Kreieren von grandiosen Rezepten und dem Verfeinern von traditionellen Klassikern sowieso, aber vor allem sind sie raffiniert beim Testen ihrer Leser.

Es gibt nämlich kaum ein Kochbuch eines Hauben-, Sterne- oder sonst eines Mützerlkochs, in dem nicht mindestens ein Fehler eingebaut ist. Jetzt nicht ein Vertippsler, ein Verheber, ein vom Lektor übersehener Rechtschreibfehler, sondern in der Rezeptur, also mitten drin im Eigentlichen.

Und wenn wir Kochambitionierten dann voller Freude eines der allesamt ziemlich edel und wertvoll gestalteten Kochbücher erwerben und in unserer überschwenglichen Euphorie irgend ein Rezept so quasi aus dem Stand nachkochen wollen, kann es mitunter passieren, dass wir gerade jenes erwischt haben, in das der Herr Mehrfachhaubi einen Fehler eingebaut hat.

Dem Warum nachgehend ergaben sich ad hoc gleich mehrere Antwortmöglichkeiten. Weil er nicht will, dass wir alle seine Kreationen genau so gut nachkochen wie er und wir dann den Eindruck bekommen könnten, dass wir das daheim genau so gut könnten und nicht mehr wiederkommen. Weil er die Konkurrenz hinters Licht führen will und davon ausgeht, dass sich die anderen Multihaubis denken „Ah, der also auch. So ein Gankerl, bin ich also doch nicht allein mit dem Fehlereinbauen“. Oder aber, weil ihm ganz einfach nur ein Gedankenfehler, eventuell auch ein Lesefehler seiner fürchterlichen Handklaue passiert ist. Ich gehe jetzt nicht davon aus, dass er den Fehler aus reiner Boshaftigkeit eingebaut hat. Viel eher um uns Leser wirklich zu testen und diesbezüglich auf Feedback hoffend. Eventuell sogar mit dem Hintergedanken spielend, aus dem Kreise der aufmerksamen Leserschaft künftige Mitarbeiter lukrieren zu können. 

Nichts desto trotz mag ich diese Art von Fehlersuche sehr. Und ich geb‘s unumwunden zu, ich habe auch schon Fehler gefunden, dort wo gar keine waren. In etwas komplizierteren Rezepturen zum Beispiel, bei denen der eine oder andere Bestandteil ohnehin jederzeit durch einen anderen ersetzt werden könnte, ohne dass sich am geschmacklichen Grundcharakter der Speise viel ändert. Ich hätte halt etwas anderes reingegeben anstatt das vorgegebene.

Okay, da haben sie Recht, sowas muss noch lange kein bewußt gesetzter Fehler sein, aber wenn man bei einem Vinaigrette-Rezept den Emulgator weglässt und nur Essig, Öl und Kräuter angibt, dann muss ich mich sehr wohl ärgern. Oder wenn in einer Rezeptur steht, man möge Pasta jedweder Art im Kochwasser al dente kochen und dann mit den geschmackstragenden Elementen vermengen, detto. Und wenn der Kochbuchautorkoch meint, man möge doch bitte erst nach dem Garen würzen und abschmecken noch mehr. Wissen wir doch schon lange von unseren Großmüttern, dass sich die meisten Gewürze erst beim Mitschmurgeln so richtig entfalten und nicht erst ganz zum Schluss, wenn geschmacklich bereits ohnehin bereits alles vorbei ist.

Nein, sie werden jetzt von mir keine Namen bekommen, denen ich auf die Schliche kam, also diejenigen, die es betrifft, dürfen sich ruhig ertappt fühlen. Und wenn wir uns irgendwo treffen, reicht ein vielsagendes Lächeln. 

redaktion(at)hotelundtouristik.at

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