10.10.2019

Rogner gibt sich radikal regional

Zu einem echten Highlight beim IMH Forum „Food & Nutrition“ gestalteten sich die Ausführungen von Melanie Franke, Geschäftsführerin der Rogner Therme in Bad Blumau.

Die Rogner Therme in Bad Blumau (von Friedensreich Hundertwasser gestaltet) zählt zu den Erfolgsgeschichten der heimischen Wellness-Hotellerie. Melanie Franke ist seit zwanzig Jahren in dem Betrieb beschäftigt. Sie begann als Kellnerin und verantwortet sein zehn Jahren den Betrieb mit 380 Mitarbeitern und über 300.000 Nächtigungen als Geschäftsführerin.

Ihr Auftritt beim IMH-Forum „Food & Nutrition“ sorgte für den heftigsten Beifall unter den zahlreichen Referenten. Franke stellte das Rogner-Konzept vor, wie regionale Landwirte und Anbieter rund um die Therme in das Angebot des Wellnesshotels eingebunden.

3000 Essen pro Tag

Das Hotel, das pro Tag immerhin 3000 Essen zubereitet, verfolgt hier einen ganzheitlichen und radikalen Ansatz. Es gibt (außer Zitronen) keine Zitrusfrüchte, Bananen, Kiwis, Ananas oder sonst welche exotischen Gewächse. Moniert ein Gast das Fehlen genau dieser Produkte, wird er mit Engelszungen so lange auf adäquate heimische Gewächse und Produkte aufmerksam gemacht, dass ihm die Banane dann gar nicht mehr fehlt.

Um aber beim heimischen Angebot top aufgestellt zu sein, ging Franke mit den Bauern aus der Umgebung klar definierte Kontrakte ein. Sie sollen genau das herstellen, wozu sie am besten in der Lage sind. Rogner garantiert nicht nur die Abnahme der gesamten Ernte, sondern geht noch einen Schritt weiter. Damit ein Bauer seine Produktion auf Jahre hinaus sichern kann, gewährt das Hotel dem Landwirt einen Kredit, um die Felder mit dem richtigen Saatgut und den dazugehörigen Werkzeugen und Maschinen auch bestellen kann. Die Rückzahlung erfolgt dann anhand top hergestellter Produkte wie rote Rüben, Salate, Gurken, Tomaten, Kürbisse und was sonst alles noch auf unseren Feldern wächst und gedeiht.

Zwischen Abnahmagarantie und Liefertreue

Das Gleiche gilt auch bei Überproduktion oder Ernteausfällen. Die Türen bei Rogner sind für die Vertragspartner jederzeit offen, sei es um ein Zuviel an den Mann zu bringen oder das Problem, dass Hagel die Ernte vernichtet hat.

„Man muss halt flexibel sein und bei Anlieferung größerer Mengen es verstehen, die Produkte weiterzuverdeln. Wir machen Marmeladen, Chutneys oder Gelees, backen Brot selbst oder bieten auch Selchwürste in unserem Shop an, der im Übrigen sehr gut läuft.“ „Das Wichtigste an allem“, so Melanie Franke im Gespräch mit HGV PRAXIS, „ist die Kommunikation. Und zwar nicht nur mit den Bauern, sondern mit unseren Mitarbeitern genauso. Wenn so ein Konzept nicht gelebt wird, kannst du es gleich vergessen.“ Hierzu hat die Managerin ihre Führungskräfte verpflichtet Patenschaften mit einzelnen Produzenten einzugehen. Jeder Mitarbeiter muss ein Konzept präsentieren wie er gedenkt diese Partnerschaft für ein Jahr mit Leben, Ideen und kreativen Handlungen zu füllen.

Gäste akzeptieren nichts Konventionelles mehr

Die Kehrseite der Medaille ist laut Franke die gesteigerte Erwartungshaltung der Gäste: „Wir haben sie so lange auf heimische Produkte eingeschworen, dass sie jetzt nichts Konventionelles mehr akzeptieren. Aber damit können wir gut leben.“ Fazit: radikaler geht’s nicht.

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