08.07.2022

Salzburger Millionenspiele

Während die Erweiterung der Mönchsberggarage abgewählt wurde, regen wesentlich teurere Investitionen in den Kulturbetrieb niemanden auf. Ein Kommentar von Axel Schimmel.

So schön hätte sich Bürgermeister Harald Preuner vor dem Premierenstress der diesjährigen Festspiele noch schnell in einen Kurzurlaub verabschieden können. Doch die Bürgerbefragung zur Erweiterung der Mönchsberggarage machte einen Strich durch die Rechnung. Mehr noch: Es setzte eine schallende Ohrfeige. An einem heißen Sonntag vor vierzehn Tage stimmten sage und schreibe 21.000 Bürgerinnen und Bürger gegen dieses Garagenprojekt. Das sind sensationelle 84 Prozent all jener, die zur Abstimmung gingen. Sogar die heftigsten Gegner dieses (eigentlich sinnvollen) Projektes rieben sich bei diesem Ergebnis die Augen, weil sie mit nicht einmal der Hälfte der Stimmen rechneten.

Was war geschehen? Seit Jahrzehnten liebäugelt eine Grundgesamtheit, die sich zum Teil bürgerlich und zum Teil aus der Kulturschickeria zusammensetzt, mit der Erweiterung der Parkgarage im Mönchsberg. Die Aushöhlung des Berges würde 645 neue Parkplätze bringen, die Investition 40 Millionen Euro kosten. Nachdem die Kredite der misslungenen, weil viel zu kleinen Parkgarage am Salzburger Bahnhof abbezahlt sind, wäre die Finanzierung kein Problem und das Geld dafür da.

In einer Gemengelage aus Anrainerprotesten und einer gewissen Eisenbahnermentalität wurde jedoch eine Kontra-Maschinerie angeworfen, die schnell klar machte, sollte es je zu einer Bürgerbefragung kommen, kann nur ein „Nein“ rauskommen. Lediglich die Höhe der Ablehnung kam dann doch überraschend. Die einen fürchteten um das Naherholungsgebiet am Krauthügel im Nonntal, dorthin sollte der Bauschutt ausgefahren und danach abtransportiert werden, andere wiederum wollten „denen da oben“ eines auswischen. Die Tatsache des Fehlens eines Gesamtverkehrskonzeptes, das beispielsweise schlüssige Antworten hätte geben können, wie man künftig gedenkt mit Touristenströmen umzugehen, tat vermutlich das Übrige zur Abwahl. Wobei gerade die Mönchsberggarage in der Bequemlichkeit der Festspielbesucher ein echtes Asset darstellt. Wer in einer Stadt, in der es statistisch jeden zweiten Tag regnet, die Wahl hat, trockenen Fußes die Festspielhäuser, anstatt über eine geflutete Hofstallgasse zu erreichen, wird wohl die Parkgarage vorziehen.

Renovierung der Festspielhäuser um 100 Millionen teurer

Apropos Festspielhäuser: Vor gut einem Jahr schrieb ich an dieser Stelle über die sagenhafte Summe von 265 Millionen Euro, die die Renovierung dergleichen verschlingen würde und regte mich innerlich fürchterlich über diese Summe auf. Mittlerweile verharren die Kalkulationen für die Generalsanierung von Felsenreitschule, Haus für Mozart und Großem Festspielhaus bei sagenhaften 355 Millionen Euro. Legen wir nochmal 15 Prozent drauf, denn dazu wird es verlässlich kommen, dann nähern wir uns bereits den Dimensionen einer Parlaments-Renovierung. Die Notwendigkeit steht außer Frage, aber ich gestehe, bei diesen Summen wird mir schummrig.

Da sind die budgetierten 31 Millionen Euro, die in den Bau einer Expositur des Wiener Belvedere fließen sollen, ja geradezu lächerlich. In der Neuen Residenz, die das Salzburg Museum beherbergt, soll der Innenhof so umgebaut werden, dass auf darunterliegenden 1000 Quadratmetern Leihgaben des Wiener Prinz Eugen-Sitzes dauerhaft gezeigt werden können. Hierzu soll aus dem Innenhof ein „Lichtbrunnen“ werden, der die Ausstellungsflächen mit Tageslicht flutet. Klingt nicht nur spannend, sondern über die Maßen erschwinglich.

Kürzeste und teuerste U-Bahn der Welt

Womit wir beim letzten und mit Abstand teuersten Projekt der Stadt wären: dem geplanten S-Link. Eine zum Teil unter- und oberirdisch verlaufende Schnellbahn, die in den Süden Salzburgs und weiter bis in die zweitgrößte Stadt des Bundeslandes, nach Hallein führen soll. So lauten die Pläne der Politiker. Alleine für das kürzeste Teilstück, jenes vom Bahnhof bis zum Mirabellplatz liegen die Berechnungen jetzt schon bei über einer halben Milliarde, und das für nicht einmal 500 Meter. In einer 145.000 Einwohner-Stadt, deren Zentrum in zwanzig Minuten gemütlichen Schrittes durchquert ist, dürfte somit eine weitere Sehenswürdigkeit entstehen: die kürzeste und teuerste U-Bahn der Welt.

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