05.05.2020

Salzburger Traditionscafé vor dem Aus

Wenn die Gastronomie Mitte Mai zaghaft wieder versucht ihren Betrieb aufzunehmen, bleibt ein Lokal geschlossen: Das Traditionscafé Wernbacher in der Salzburger Franz-Josef-Straße.

Bernhard Huemer, Gastronom und langjähriger Pächter des Café Wernbacher, will nicht mehr und hört auf. Die letzten Wochen haben (zu) sehr an seinem Nervenkostüm gezerrt. Der verordnete Shutdown zwang ihn, seine 15 Mitarbeiter zu kündigen. In einer Art Schrumpfbetrieb hätte er lediglich fünf weiterbeschäftigen können. Das eilig ins Leben gerufene Lieferservice fand kaum Anklang. „Es war einfach niemand auf der Straße unterwegs. Unser Viertel war regelrecht tot“, seufzt Huemer über mangelnde Frequenz. Die bis zu verordneten Schließung noch eingekauften Lebensmittel musste er herschenken, damit sie nicht verderben. Alles in allem hat der Gastronom die Nase voll und wird seinen Pachtvertrag nach dem Shutdown nicht mehr erfüllen. Auch deshalb, weil er fürchtet, dass eine eventuell zweite Infektionswelle das Drama verlängert und es zu einer zweiten Schließung kommt.

Damit würde Salzburg eine relativ gut erhaltene Kaffeehaus-Ikone aus den 1950er-Jahren verlieren, was ewig schade wäre. 1952 eröffnete der erfolgreiche Wiener Barkeeper Frank Wernbacher das ehemalige „Café Großglockner“ und etablierte in Salzburg so etwas wie eine moderne, internationale Gastronomie. Es gab eine Espressomaschine, italienische Gerichte, mannigfaltige Tanz- und Abendveranstaltungen und eine American Bar mit internationalen Cocktails. Wernbacher traf damals exakt den Publikumsgeschmack. Kurz darauf wurde in weiteren Räumlichkeiten an der Adresse Franz-Josef-Straße 5 der legendäre „Scotch Club“ eröffnet, der das Verlangen nach Vergnügen, Ausgehen und Tanz noch erfolgreicher stillte.

Übrig geblieben ist das Café Wernbacher, das mit seinem etwas morbid anmutenden 50-Jahre-Charme wie aus der Zeit gefallen zu sein wirkt.

Monique Wernbacher, Tochter des Gründers, glaubt nicht nur daran, sondern ist fest entschlossen, das Erbe ihres Vaters weiterzuführen. Als Hauptmieterin und Eigentümerin befindet sie sich bereits auf der Suche nach einem neuen Pächter. „Dieser sollte“, so Wernbacher in einem Gespräch mit HGV PRAXIS, „sowohl die Ursprünge des Lokals respektieren, aber auch Ideen für eine moderne, trendige Gastronomie einbringen.“

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