10.02.2021

Schanktechnik rechtzeitig vor Öffnung warten

Was beim Hochfahren der Betriebe beachtet werden muss, ist vor allem die Schanktechnik. Stammgast.Online fragte beim Experten Hansjörg Wechselberger von Gruber Schanktechnik nach.

Wenn eine Öffnung der Betriebe zwar noch nicht beschlossen aber in Reichweite ist, spätestens dann muss sich jeder Wirt oder Hotelier fragen, ist mein Betrieb fit zum Aufsperren? Und dieser Zeitpunkt ist genau jetzt. Es gibt zwar noch kein konkretes Datum, aber eine Perspektive. Das heißt für den Unternehmer sich schleunigst Gedanken darüber zu machen, was an Gerätschaften einer – rechtzeitigen – Wartung bedarf. Während eine Kaffeemaschine schnell serviciert ist, ist der Aufwand einer professionellen Wartung der Schankanlage beträchtlich höher. Nicht selten handelt es sich mehrere verschiedene Schankköpfe und Abgabestellen, die mit kilometerlangen Pythonschläuchen verbunden sind. Und nachdem die Betriebe nun doch monatelang geschlossen waren, sollte man sich genau darüber den Kopf zerbrechen, wie man hier eine intakte und hygienisch saubere Schanktechnik gewährleisten kann.

Stammgast.Online befragte dazu Hansjörg Wechselberg, Gesamtverkaufsleiter bei Gruber Schanktechnik in Brixlegg in Tirol.

Herr Wechselberger, was passiert in den Schankanlagen bei so langen Phasen einer Betriebsschließung? 
Wechselberger: Durch die ungewöhnlich langen Stehzeiten kann es in stillgelegten Schanksystemen zu massiven hygienischen Problemen kommen. Diese können alle Getränkeleitungen für Sirupe, Biere, Weine, Spirituosen, Stillwasser und Sodawasser betreffen. Viele Betriebe haben die Schankanlage komplett stillgelegt, die Kühlung ist ausgeschaltet und es wird auch kein Wasser oder Sodawasser gezapft. Sogar in gereinigten Leitungen kann es durch die lange Stillstands-Zeit zu hohen Verkeimungen und zur Entstehung von Biofilmen kommen. Einige dieser Mikroorganismen in den Biofilmen bilden Fehlgeschmack und Fehlaromen, diese können in die Kunststoffschläuche diffundieren und sind aus diesen fast nicht mehr zu entfernen. Im schlimmsten Fall sind die Pythonschlauchleitungen dann auszutauschen.

Wie ließe sich das verhindern?
Wechselberger: Indem der Wirt die Schankanlage nicht stilllegt, sondern immer wieder Sodawasser oder stilles Wasser entnimmt. Diese Testzapfungen sollte er dann überprüfen, ob es Fehlgerüche gibt. Falls ja, sollte unbedingt eine Zwischenreinigung der Getränkeleitungen inklusive der Zapfköpfe erfolgen.

Schankanlagen sind ja hygienisch sensibel und Gastronomen stehen dem Gesetz gegenüber in der Pflicht. Was muss der Wirt diesbezüglich beachten?
Wechselberger: Gemäß Lebensmittelbuch A 2 Hygiene / 2. Schankanlage / 2.2 Verantwortung sind Gastronomen als Betreiber von Schankanlagen in der vollen Verantwortung, dass die Schankanlage in einem hygienisch einwandfreien Zustand betrieben wird. Weiters ist in Punkt 4. Reinigungsintervalle für Getränkeschankanlagen / 4.2 Besondere Reinigungsintervalle festgelegt, dass bei jedem längeren Stillstand der Anlage/Kühlung eine Grundreinigung zu erfolgen hat.

Was ist, wenn Betriebe überhaupt schon bis zum nächsten Winter geschlossen bleiben?
Wechselberger: Wichtig wäre jetzt eine zusätzliche Reinigung der Getränkeleitung (inkl. Stillwasser und Sodawasser). Bleiben die Anlagen bis zur nächsten Wintersaison außer Betrieb, so sollten alle Leitungen nach sorgfältiger Reinigung mit einer Standdesinfektion befüllt werden. Sind die Getränkeleitungen älter als zehn Jahre, wäre gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, diese aus Qualitätsgründen zu erneuern.

Herr Wechselberger, vielen Dank für das Gespräch.

Mehr unter: www.schanksysteme.com bzw. www.montes.at 

 

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