02.10.2020

„Schluss mit der Angstmache!“

Peter Dobcak, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in Wien, im Gespräch mit Stammgast.Online über Rückschläge, die Wirte und die Registrierungspflicht und was die Branche jetzt dringend braucht.

Stammgast.Online: Herr Dobcak, wie geht’s der Wiener Gastronomie?
Peter Dobcak: Über den Sommer gab es einen leichten Aufschwung und man hat wieder Mut gefasst. Durch die steigenden Fallzahlen kam es leider wieder zu Einschränkungen wie die maximal erlaubten zehn Personen an einem Tisch. Das zarte Pflänzchen des Aufschwungs wurde damit wieder niedergetreten. Das war ein herber Rückschlag, weil die Stimmung leider in Frustration kippt.
 
Welchen Beitrag leistet dazu die Registrierungspflicht?
Die Gästeregistrierung funktioniert im Großen und Ganzen gut. Am Anfang der Woche gab es noch Aufregung wegen einiger Unklarheiten in der Verordnung. Die Frage war, gilt das auch für Schanigärten – ja, da gilt sie – und für Würstelstände und Imbissstuben – nein, da gilt sie nicht. Take Away ist ebenfalls ausgenommen, wenn man während der Wartezeit nichts konsumiert. Das hat sich eingespielt und ich hoffe, dass sich die Menschen daran gewöhnen, weil es geht nur gemeinsam.
Es gibt natürlich immer ein paar, die das nicht wollen. Da braucht es aufklärende Gespräche mit den Gästen – oder dann halt nicht, wenn sie gar nicht wollen, ganz realistisch gesprochen. 
 
Ist der zusätzliche Aufwand für die Wirte groß?
Der größte Aufwand ist, wenn jemand nur auf einen schnellen Kaffee kommt. Das Formular ist aber ganz schnell ausgefüllt.
 
Am Papier oder elektronisch: Was ist Ihre Empfehlung?
Am leichtesten handzuhaben ist die digitale Lösung zum Beispiel mit einem QR-Code. Das ist auch meine Empfehlung, denn damit erspart man sich die Zettelwirtschaft und die Daten sind auf einem Zentralserver gesichert, worauf weder das Personal noch der Gastronom Zugriff haben. So erledigt sich die Frage des Datenschutzes.
 
In den Nachbarländern wie in der Schweiz oder in Deutschland gibt es schon länger eine Registrierungsregelung. Konnten Sie Erfahrungen von den Kollegen dort einholen, wie sich das über einen längeren Zeitraum darstellt?
Das funktioniert dort sehr gut, die Leute haben sich daran gewöhnt. Die wenigen Gäste aus dem Ausland, die derzeit bei uns sind, füllen das Formular ohne Diskussionen aus. 

Es kommt vor, dass jemand irgendwelche Juxnamen einträgt. Bei falschen Angaben stellt sich die Frage, ob und wie der Wirt zur Verantwortung gezogen werden kann. Befürchten Sie juristische Spielerein, die auf die Branche zukommen können?
Ich kann nur an alle Beteiligten, inklusive Juristen, appellieren, nicht zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen. Wir haben alle ein gemeinsames Ziel, nämlich das Coronavirus zu besiegen. Wenn wir mit Klagen anfangen, ist das kontraproduktiv. Alle müssen sich an die Regeln halten. Mir wurde ganz klar kommuniziert: Wenn das alles nicht funktioniert, wird die Sperrstunde vorverlegt und es müssen trotzdem die Daten ausgefüllt werden. 
 
Wie lautet Ihr Resümee zu den Gastrogutscheinen? Hat das Potenzial für eine Wiederholung?
Die Gastrogutscheine waren ein großer Erfolg, denn es war eine direkte Hilfe für Gast und Gastronomie. Mehr als zwei Drittel wurden eingelöst, und auch die Gastronomen haben sich rasch an das Abrechnungsprozedere gewöhnt. Meine Intention ist, dass man das Angebot verlängert beziehungsweise sogar eine Folgeaktion startet. 
 
Was braucht die Gastronomie jetzt als Unterstützung, damit man die kommenden Monate gut übersteht?
Schluss mit der Angstmache! Durch die jüngsten Maßnahmenverschärfungen sind die Menschen verunsichert, trauen sich nur mehr bedingt wegzugehen. Man muss allen klarmachen, dass es in der Gastronomie sicher ist, wenn man die Hygienemaßnahmen einhält. Es gibt in der Gastronomie keine mir bekannten Coronafälle, das spielt sich alles in privaten Partys und Clubs ab, die sich nicht an die Regeln halten. 
Die Stundungen sind fein und die Mehrwertsteuersenkung ist toll, nur, wenn ich keinen Umsatz habe, hilft mir die beste Steuerreduktion nichts. Es wird darauf hinauslaufen, dass es eine monetäre Unterstützung geben wird müssen – in „Cash“.

Danke fürs Gespräch.

Branchen-News, die Sie wirklich brauchen!

Partner

Mediadaten