11.03.2021

Schmerzhafte Bremsspuren beim Bierabsatz

„Auf das Niveau zur Jahrtausendwende“ sieht Sigi Menz, Obmann des Brauereiverbandes, seine Branche beim Bierabsatz 2020 zurückgeworfen.

Der Gesamtausstoß der heimischen Brauereien ging um 4,2 Prozent, auf insgesamt 9,6 Millionen Hektoliter zurück. Während die Exporte um 5,7 Prozent (79.000 Hektoliter) schrumpften, belief sich das Minus auf dem Inlandsmarkt auf vier Prozent oder 342.000 Hektoliter Bier in absoluten Zahlen.

Besonders dramatisch zeigt sich – aufgrund mehrerer Shutdowns wenig verwunderlich – das Bild beim Absatzkanal Gastronomie. Insgesamt wurden 870.000 Hektoliter weniger Fassbier verkauft, was mit einem Rückgang von 48 Prozent fast die Hälfte bedeutet.

Bis zu 70 Prozent Einbußen

„Die Pandemie hat uns um gute 20 Jahre zurückgeworfen. Seit der Jahrtausendwende war der Inlandsausstoß nicht mehr so niedrig wie im vergangenen Jahr“, zieht Brauereiverbandsobmann Sigi Menz Bilanz. „Nach mehrmonatigen Shutdowns von Gastronomie und Hotellerie, verschärft durch die komplett brach liegende Veranstaltungs- und Eventszene, sind viele Brauereien nun an der Grenze des Machbaren angekommen. Während in normalen Jahren rund ein Drittel des Bieres in die Gastronomie fließt, existiert dieser äußerst wichtige Bereich seit Monaten praktisch nicht mehr. Unsere Brauereien haben mit Gesamtumsatzrückgängen von durchschnittlich 20 % zu kämpfen. Einzelne, vor allem kleine und mittelständische Brauereien, die stark im Gastronomie- und Veranstaltungssektor aktiv sind, berichten von bis zu 70 % Einbußen.“

Lager- bzw. Märzenbier bleibt mit Abstand die beliebteste Sorte

Auch im Corona-Jahr wurde im Inland „Lager-/Märzenbier“ am häufigsten getrunken:
Rd. 5,6 Mio. hl bedeuten eine leichte Zunahme von 1 % (+31.395 hl) bzw. mit rd. 68 % Marktanteil Platz 1 unter den Biersorten. Diese Stabilität war bei allen anderen Biersorten (mit Ausnahme von „Leichtbieren“, deren Marktanteil jedoch unter 1 % liegt) nicht gegeben. Rückläufig waren 2020 demnach u.a. „sonstige Vollbiere“ (-175.594 hl bzw. -14 %), „Spezial“ (-62.120 hl bzw. -17 %), „Pils“ (-60.469 hl bzw. -24 %), „Radler mit Alkohol“ (-36.374 hl bzw.   -9 %) und „Weizen“ (-28.401 hl bzw. -25 %). Bei der Wahl der Gebinde sticht vor allem der Inlands-Rückgang von Fass- und Tankbier (-839.241 hl bzw. -46 %) ins Auge – geschuldet der geschlossenen Gastronomie sowie fehlenden Festen und Großveranstaltungen.

Musste Bier weggeschüttet werden?

Die Frage, ob die Brauereien Bier wegschütten mussten, beantwortete Brauobmann Menz ausweichend: „Kein Brauer will Bier wegschütten müssen, glauben Sie mir. Tatsache ist aber auch, dass insbesondere Skihütten, Après-Ski-Lokale und Bergstationen noch vor dem ersten Schnee die Wintereindeckung ordern. Hier mussten natürlich tausende Fässer zurückgenommen werden. Das Mindesthaltbarkeitsdatum von Fassbier beträgt ein halbes Jahr. Die Retourware wird auf ihre Qualität geprüft und dann an Mitarbeiter entweder gratis oder zum Selbstkostenpreis abgegeben.“ Ob die gesamte Menge zurückgenommenen Bieres brauereiintern verbraucht wurde, darf allerdings bezweifelt werden.

Beim Ausblick, bis wann diese Absatzdelle wieder ausgebügelt sein wird, zeigte sich Menz ernüchtert: „Sicher nicht vor Mitte Ende nächsten Jahres.“

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