04.10.2021

Schnitzel mit Tunke

Willys Gastro-Wochenrückblick diesmal über: Wer als gelernter Restösterreicher des öfteren im heiligen Land Tirol weilt, egal ob als Tourist oder als Geschäftsreisender, der hat sich sicher schon daran gewöhnt. Wenn du nur ab und an zwischen die hohen Berge rund um den Inn gerätst, dann stößt es dir schon sehr auf.

Die Rede ist vom immer größer werdenden Anbiederungsspektrum der Tiroler Gastronomie an die – zugegeben –wichtigste Urlauberrasse, nämlich die aus deutschen Landen. Da wird nicht einfach der Name der heimischen Spezialität auf die Tafel vorm Restaurant oder in die Speisekarte geschrieben und klein darunter – quasi in Untertiteln und wie in den mediterranen Urlaubsländern üblich – die deutschdeutsche Übersetzung. Aber nein, die Tiroler preisen nur die allemannischen Begriffe an. Und zwar in einer dermaßen penetranten Heftigkeit, dass man als Restösterreicher – Vorarlberger vielleicht ausgenommen – für einen kulinarischen Ausflug ein eigenes Übersetzunsprogramm bräuchte, einen Gastroduden to go sozusagen.

Ich weiß jetzt nicht, wie es Ihnen geht, aber mich stößt es schon nach wie vor auf, wenn die Tunke zum Wiener Schnitzel von Haus aus mitangeboten wird, wenn unsere Stelze Eisbein genannt wird, der Kren Meerrettich, Fleischlaberl Frikadellen, die Knödel Klosse oder Klöpse, Krapfen Berliner, die Paradeiser Tomaten und die Marillenmarmelade-Palatschinken mit Schlagobers Aprikosenjam-Pfannkuchen mit steifer Sahne. Zu den Austern wird automatisch Ketchup gereicht – okay, so gesehen ist Richard Lugner auch ein Bundesdeutscher – und der Niedergang der Esskultur, die Currywurst, bereits automatisch ins Speisenprogramm aufgenommen. Auch von Sternerestaurants.

Über Maultaschen könnte man diskutieren, da kommt es für mich definitiv akzeptanzmäßig auf die Füllung an, aber das ist wie so oft eine rein subjektive Geschichte. Außerdem würde ich sie italienisch angehaucht Fotzelini nennen. Vielmehr prangere ich an, dass krampfhaft versucht wird, den urlaubenden Gästen aus Deutschland ihre eben aus Erholungsgründen verlassene Heimat bei uns 1:1 widerzuspiegeln. Viele wollen das gar nicht, aber einige setzen das voraus und kommen nur deshalb. Sicher auch wegen des lustigen Artikeltauschs – die Cola, der Joghurt, der Ketchup, um nur ein paar zu nennen.

Ich befürchte halt, dass alle Nichtdeutschen, die als Touristen zu uns kommen und in Tirol landen, glauben, dass wir wirklich so reden und unsere herrlichen Speisen so nennen, dass dann die Mär entsteht, Österreich ist zwar kleiner, aber kulinarisch deutschlandgleich. Und das haben wir uns wirklich nicht verdient.

redaktion(at)hotelundtouristik.at
 

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