06.11.2020

Schulen könnten, sollten, müssten offen sein

Warum auch die Hotelfachschulen geschlossen sind, erschließt sich niemandem. Zumindest Praxisunterricht wäre möglich. Ein Kommentar von Axel Schimmel.

Ein Rechercheanruf in einer Höheren Lehranstalt für Tourismus stimmte mich nachdenklich. Es meldete sich eine freundliche Tonbandstimme mit der Aussage, dass die Schule geschlossen sei. Nun gut, Shutdown, Distance-Learning und Home-Schooling hin oder her, alles recht und schön, aber zumindest ein praktischer Unterricht müsste doch möglich sein – auch unter strengen Schutzmaßnahmen.

Die Lehrküchen in Österreichs Hotelfachschulen ähneln sich alle und niemand kann argumentieren, hier sei zu wenig Platz für sicheren Unterricht. Im Gegenteil: Jeder Schüler, jede Schülerin, verfügt über eine eigene Kochstelle, Abstand kann somit ausreichend gewahrt werden. Dasselbe gilt für Schulrestaurants, einmal mehr deshalb, weil sowieso keine Gäste zu bedienen sind. Was also gegen einen Praxisunterricht spricht, kann niemand plausibel erklären.

Berufsschulen zeigen, was in den Höheren nicht funktioniert

Einmal mehr deshalb nicht, weil dieser in den Berufsschulen reibungslos funktioniert. Anruf in einer Berufsschule in Kärnten: „Selbstverständlich gibt es praktischen Unterricht, aber keinen theoretischen.“ Es geht auch bei den berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) anders, wie ein Beispiel der HTL in Hallein zeigt. Dort wurde die Zeit des ersten Shutdowns genutzt, um digital aufzurüsten und Schüler wie Lehrer mit Laptops auszurüsten und auf das Kommunikationsformat „Teams“ von Microsoft einzuschulen. Jetzt, wo alle BHS eigentlich zu haben, haben die Tennengauer ihre Lehrwerkstätten aufgesperrt und halten ganz normalen Unterricht. Und die Schüler zeigen sich regelrecht begeistert über die Tatsache, nicht stumpfsinnig vor dem Bildschirm zuhause sitzen zu müssen.

Freiräume für Theoriefächer schaffen

Das wäre doch auch für Tourismusschulen nachahmenswert. Einerseits könnte der Praxisunterricht vertiefend abgehalten werden und vielleicht so einen stundenmäßigen Freiraum für die Theoriefächer schaffen, wenn dieser Unterricht wieder möglich werden sollte. Andererseits könnte man – sollten die Kochprogramme schon fertig sein – auch gleich entsprechende Hygieneschulungen nachschieben und einen Covid-19-Beauftragten machen. Alles Themen, die in den Betrieben momentan dringend gebraucht werden. Aber das geht nicht, weil es nicht im Lehrplan steht.

Der Hotelier, Gastronom, Haubenkoch und NEOS-Politiker Sepp Schellhorn hat in der ihm eigenen, launigen Manier einmal gesagt: Die Schulen sind für die Lehrer gemacht, nicht für die Schüler. Etwas mehr Flexibilität könnte dem Schulwesen in Zeiten wie diesen nicht schaden. Aber das steht halt auch nicht im Lehrplan.

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