07.10.2021

Sehnsucht nach Meer - die Reiselust steigt

Resümee und Ausblick von Ruefa nach der zweiten Sommersaison im „Corona-Modus“: Die Entwicklung lässt die Touristiker hoffen, doch der Weg zurück zu alter Stärke ist noch lang.

Nach den massiven coronabedingten Reisebeschränkungen in den vergangenen eineinhalb Jahren nimmt die Reiselust der Österreicher zusehends zu. "Ab heuer im Mai, wo es wieder möglich war zu buchen, sind die Zahlen massiv angesprungen – wir hatten richtig Stress", berichtete die Geschäftsführerin der Ruefa-Reisebüros und Vorständin der Verkehrsbüro Group, Helga Freund. Die Buchungen lägen aktuell aber noch um 40 Prozent hinter dem Normaljahr 2019. 

Der Beratungsaufwand ist deutlich gestiegen

Es gibt auch deutlich weniger Länder im Angebot, die man buchen kann. "Viele Destinationen sind schwer erreichbar - oder gar nicht erreichbar", sagte Freund. "Es gibt nach wie vor viele Unsicherheiten, wenn man verreisen möchte." Die Kunden in den Reisebüros fragen den Angaben zufolge vor allem, ob eine Destination sicher ist, welche Stornomöglichkeiten es gibt, ob Coronarisiken versichert sind, wer die Kosten übernimmt, wenn man am Urlaubsort erkrankt oder wie es um die Einreise- bzw. Rückreisebedingungen steht. Und der Trend zum kurzfristigen Buchen hat sich in der Pandemie nochmals verschärft.

Die Reisenden hatten jedenfalls einen super Urlaub, ist Freund überzeugt. Und beinahe alle hätten die angebotenen Flextarife und Covid-Protection-Packages gebucht. Sie geht davon aus, dass diese positiven Erfahrungen für Folgebuchungen im Winter 2021/22 sowie Vorausbuchungen für den Sommer 2022 ein richtiger Booster sein können – und auch davon, dass sich Flextarife zu geringen Mehrkosten weiter großer Beliebtheit erfreuen werden. "Flexrates sind gekommen, um zu bleiben“, so Freund. Gemeinsam mit entsprechenden Stornomöglichkeiten und Versicherungsprodukten ist Reisen absolut möglich." Der Beratungsaufwand steigt jedoch, oft kontaktieren Kunden die Reiseexperten zwei oder drei Mal für eine Buchung.

Selbstredend ist auch das Thema Impfung allgegenwärtig bei den Verkaufsgesprächen in den Reisebüros. 
„Die Corona-Impfung ist bereits jetzt in manchen Destinationen Pflicht und wird aus unserer Sicht eher früher als später zum internationalen Standard werden. Und unsere Kunden kommen damit gut zurecht“, sagt Freund. Viele Reisewillige wunderten sich auch, warum das Reisen jetzt nicht billiger sei, so die Managerin. "Es gibt einfach weniger Kapazitäten am Markt, deshalb sind die Preise stabil geblieben", erklärte Freund. "Da ist sehr viel weggefallen, es gibt einfach sehr viele Destinationen nicht mehr."

Fernreiseziele und Städte sind gefragt

In der Ferne ganz gut zu bereisen seien diesen Winter beispielsweise der Indische Ozean mit den Malediven, den Seychellen und Mauritius, Afrika mit Tansania und Sansibar, die Karibik, die Kanaren und Dubai. Probleme, vor allem bürokratischer Natur, gibt es noch in Richtung Thailand. In die USA kann man ab November wieder fliegen, wenn man gegen Corona geimpft ist. Auch eine ganze Reihe von Kreuzfahrtanbietern bestehen auf eine Covid-Impfung. Nach wie vor nicht buchbar sind Reisen nach Australien und nach Neuseeland.

Für die Wintersaison ebenso wie für kommendes Frühjahr und den Sommer sieht Helga Freund auch noch deutliches Potenzial für den europäischen Städtetourismus: "Da kommt ein guter Mix zusammen – ein Aufholbedarf in Sachen Kunst und Kultur sowie immer mehr Möglichkeiten, europäische Metropolen auch mit attraktiven Zug-/Nachtzugverbindungen zu erreichen. Davon versprechen wir uns einiges.“ 

Ab nächstem Jahr wieder schwarte Zahlen

Die Verkehrsbüro Group als größter Tourismuskonzern des Landes schreibt tiefrote Zahlen, aus denen sie auch 2021 noch nicht herauskommt. Das Reisebüronetz wurde inzwischen von 100 auf 75 Standorte gestrafft, die Online-Beratung verstärkt und die Zahl der Austria-Trend-Hotels von 25 auf 22 reduziert. Der Personalstand soll nun so bleiben, wie er ist. "Die Mitarbeiter brauchen wir", betonte Freund.

Die Branche kämpft um das Wiederbeleben des Geschäfts – und es gibt Fortschritte. "Der heurige Sommer war um einiges besser als 2020, aber natürlich noch unter 2019", blickte die Managerin auf die vergangenen Monate zurück. Bei Ruefa buchten die Österreicher mit einem Anteil von 29,4 Prozent am Gesamtumsatz hauptsächlich Griechenland, weit abgeschlagen gefolgt von Spanien (8,9 Prozent), den Malediven (8,5 Prozent), Italien (6,6 Prozent) und dem eigenen Land (6,4 Prozent).

"Die Österreicher wollen einfach wieder weg", stellte Freund fest. "Die Buchungen sind nicht abgerissen." Der Sommer sei dieses Jahr verlängert worden – "es kommen kurzfristig immer noch Buchungen nach Griechenland, Spanien und Italien herein". Das Sommerhalbjahr im Tourismus dauert von Mai bis Oktober. Das aktuelle "Sentiment" gebe Hoffnung für die Zukunft. "2022 könnten wir 60 bis 80 Prozent der früheren Umsätze erreichen", hofft die Touristikerin. Die Stadthotellerie leidet aber noch deutlich länger unter der Pandemie: Der Städtetourismus werde noch brauchen, bis er sich erhole. "Wir denken, dass wir 2024 wieder auf dem Niveau sind, wie wir es 2019 hatten", erwartet die Verkehrsbüro-Vorständin.

(APA/Red)

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