02.02.2021

Seitenblicke-Wirt Bocek verstorben

Er war die Seele und das Gesicht des Marchfelderhofs: Die Gastronomie und die Wiener B-Society trauern um den rührigen Wirt Gerhard Bocek, der 79-jährig in der Nacht auf Dienstag (2. 2.) verstorben ist.

Noch vergangene Woche erklärte Gerhard Bocek vor versammelter Presse sein Wirtshaus, den Marchfelderhof in Deutsch-Wagram, zur „Nichtraunzerzone“. „Bei uns wird nicht herumgemeckert, sondern agiert und reagiert! Nur so kommen wir schadlos durch den Lockdown“, erklärte der leidenschaftliche Marchfelderhof-Patron anlässlich der Vorstellung seiner Pläne für den Fasching und unterstrich damit die Hoffnung für eine Öffnung der Gastronomie-Betriebe. Ihm zur Seite standen Boceks wichtigste Führungskräfte: Co-Geschäftsführer Peter Großmann, Küchenchef Christian Langer und Serviceleiter Elvis Kocic. Immerhin wurden in Zeiten des Shutdowns 13.000 Speisen über Take away an treue Marchfelderhof-Gäste abgegeben.

Unnachahmlicher Gastgeber

Mit Gerhard Bocek verliert die Gastronomie einen unnachahmlichen Gastgeber, Festorganisator und Beichtvater der Wiener Bussi-Bussi-Gesellschaft. Aber er machte auch – ganz ohne Spaß – seinem Unmut Luft, wenn er die Missstände in seiner geliebten Branche anprangerte. Ob Bürokratismus, Steuern, Finanzschikanen – Bocek nahm sich kein Blatt vor den Mund, wenn es darum ging, „seine“ Branche ins rechte Licht zu rücken.

1942 wird Bocek in eine Wirtedynastie geboren. Der Marchfelderhof in Deutsch-Wagram steht nicht weniger als 175 Jahre im Familienbesitz und geht auf das Gründungsjahr 1843 zurück. Wie es damals noch üblich war, absolvierte der junge Bocek zuerst eine humanistische Ausbildung am Gymnasium in Gänserndorf, bevor er die Berufsausbildung an der Gastronomiefachschule am Judenplatz in Wien antrat. Gemeinsam mit seiner Schwester Hilde Faltus übernahm er 1969 den elterlichen Betrieb, Bocek war somit 52 Jahre als Gastgeber, Wirt und Unternehmer tätig. Nach dem Tod seiner Schwester im Jahr 2018 stieg Peter Großmann als Co-Geschäftsführer und Miteigentümer des Marchfelderhofes ein, die Nachfolge ist somit nicht nur geregelt, sondern auch gesichert.

Außenstelle der Seitenblicke-Redaktion

Auf unnachahmliche Weise machte Bocek seinen Betrieb zu einer Außenstelle der Seitenblicke-Redaktion. Dieser Hang zu Prominenz und Aristokratie ist lange begründet: Der Schah von Persien, Scheichs und Könige – viele Wien-Gäste ließen es sich nicht nehmen, einen Ausflug in den Marchfelderhof zu machen. Aus gutem Grund: Ein herzenslieber Gastgeber sorgte für höchste Gastfreundschaft und eine herrliche Wirtshausküche, gepaart mit Wagramer Weinen ließen einen schnell den öden Alltag vergessen. Über die Jahrzehnte sind aus den gekrönten Häuptern mehr und mehr toupierte Soubretten geworden, aber was soll’s, für eine Schlagzeile oder einen Schnappschuss war immer Zeit und falls nicht, organisierte das Bocek im Handumdrehen. So wurde der Marchfelderhof zur Drehscheibe von Geschichten und Possen – ganz egal – es dürfte keinen zweiten Gastronomiebetrieb geben, der so oft in den Medien, vorzugsweise in den Seitenblicken, war wie der Marchfelderhof, vom Sacher vielleicht einmal abgesehen.

Erschütterte Hinterbliebene

Nun ist die Stimme des Marchfelderhofs für immer verstummt. Gerhard Bocek ist 79-jährig in der Nacht auf Dienstag (2. Februar), völlig unerwartet verstorben. Marchfelderhof-Presselady Marion Finger zeigte sich im HGV PRAXIS-Gespräch tief erschüttert: „Niemand dachte auch nur im Entferntesten daran, dass so etwas passieren könnte. Alleine mit allen Planungen neuer Festivitäten, Kulinarik-Events und Society-Anlässen war ich mit Gerhard Bocek bereits im Jahr 2023. Dieser dynamische Geist wird unersetzbar für uns bleiben.“

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