10.07.2018

Sharing Economy: Amsterdamer Modell als Vorbild für Wien

Wie wird Sharing Economy wirklich fair? Die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) sucht Lösungen in dieser Frage und schlägt Registrierungsmodelle vor, das in manchen europäischen Städten angewendet wird.


Der ÖHV warnt schon lange vor rechtsfreien Zonen in der Sharing Economy. Gleicher Rahmen für alle müsse die Devise sein. Deshalb wird zum Beispiel die Registrierungspflicht für Vermieter in Berlin auch von allen deutschsprachigen Hotellerie- und Gastronomieverbänden, die das Thema beim im Juni abgehaltenen Jahresmeeting auf der Agenda hatten, begrüßt: "Berlin hat hier einen wichtigen und richtigen Schritt gemacht. Während sich die Hotellerie mit teilweise überbordenden und praxisfernen Regelungen herumschlagen muss, nutzt die Sharing Economy gezielt rechtliche Graubereiche aus. Das geht nicht", fordert ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer mehr Nachdruck im Umgang mit Airbnb und Co. 

Wie es die Anderen machen

Ein Beispiel, wie es funktionieren kann, zeigt die niederländische Metropole Amsterdam. Die Stadt reagiert auf Missbrauch des Wohnraums streng: Werden Wohnungen ohne Lizenz an Touristen vermietet, drohen Strafen bis zu 20.500 Euro. Und weil die Stadt die Hosts selbst verpflichtet, die Daten bekanntzugeben, beißen sich die Plattformen mit dem Scheinargument des Datenschutzes die Zähne aus: "Weil sich das nur zwischen Stadt und Host abspielt. Amsterdam will gar keine Daten von der Plattform", so Reitterer. Der Aufwand für private Anbieter bliebe überschaubar: "Eine Online-Registrierung müsste machbar sein." Sie will diesen Standard auch in Österreich gesetzlich verankert sehen – auf Landes- und auf Bundesebene: "Weil eine Ebene für Ortstaxen zuständig ist, die andere für die Steuern."

Der Fleckerlteppich aus Bundes-, Länder- und Gemeindevorschriften ist übrigens ein weiterer Kritikpunkt.
"Die Sharing Economy funktioniert auf der ganzen Welt gleich. Das kleine Österreich beschließt dafür neun Gesetze und die mit Luft nach oben. Wir müssen da umdenken, aber in Start-up-Geschwindigkeit", so die ÖHV-Präsidentin.

Registrierungspflicht Beispiel Nr. 2: Japan

Auch der Vergleich von Österreich und seinen Städten mit Japan zeigt Nachholbedarf auf: Dort zog Airbnb 80 % der peer-to-peer-Angebote aus dem Geschäft. Die Begründung: Sie können die neuerdings erforderliche Registrierungsnummer, bestehend aus dem "M" für Minpaku (das Sharen privater Wohnsitze) und einer neunstelligen Ziffer, nicht vorweisen.

Registrierungspflicht Beispiel Nr. 3: Barcelona

In Katalonien zeigt Booking.com vor, wie es funktioniert und weist für legale Gästeunterkünfte die verpflichtenden Lizenznummern aus. Illegaler Vermietung begegnet Barcelona mit einem 40-köpfigen Team von Sonderermittlern, das auf 100 aufgestockt werden soll, und Strafen von 600.000 Euro: Darauf reagierten die Plattformen.

Nette Omi oder Immobilien-Spekulant?

Die Registrierungspflicht würde auch Licht ins Dunkel der Angebotsstruktur bringen, betont man seitens der ÖHV. "Viele Accounts auf Sharing Economy-Portalen haben nicht Omas und Studenten angelegt, um mit der Untervermietung ihrer karg möblierten Wohnung etwas dazuzuverdienen. Hinter vielen Angeboten stecken größere Strukturen", kritisiert Michaela Reitterer Fake-Accounts, denen das Engagement der Plattformbetreiber für den Datenschutz sehr gelegen kommt.

www.oehv.at/sharingeconomy

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