14.04.2022

Skepsis nach Tiroler WK-Vorstoß zu Tourismus-Arbeitskräften

Die Forderung der Tourismusvertreter in der Tiroler Wirtschaftskammer ob des Fachkräftemangels das Kontingent aus Drittstaaten um "tausende" zusätzliche Stellen aufzustocken, hat Kritik auf den Plan gerufen.

Die Grünen, die mit der ÖVP in Tirol koalieren, mahnten, dass eine solche Aufstockung keine längerfristige Lösung sei. Stattdessen bedürfe es einer Reformierung der Rot-Weiß-Rot Karte. Die Liste Fritz stellte die Arbeitsbedingungen per se in Frage.

Die grüne Tourismussprecherin im Nationalrat, die Tirolerin Barbara Neßler, verwies in einer Aussendung auf die Attraktivierung der Rot-Weiß-Rot Karte, an der mit dem Koalitionspartner ÖVP auf Bundesebene derzeit "intensiv" gearbeitet werde. Diese soll Arbeitnehmer:innen eine "langfristige und sichere Aufenthaltsperspektive" bieten. Vor allem Ganzjahresbetriebe würden profitieren. Auch der grüne Tourismussprecher im Landtag, Georg Kaltschmid, mahnte zu "echten Veränderungen statt Imagepolitur". Eine "echte Beschäftigungsstrategie" habe "alle Bereiche im Blick". Großes Potenzial ortete Kaltschmid bei den Frauen.

Für Liste Fritz-Klubobmann Markus Sint war indes klar, dass sich "die Branche endlich einmal hinterfragen muss", sagte er bei einer Pressekonferenz. "Wenn Arbeitnehmer nicht mehr bei uns arbeiten wollen, muss ich mich fragen: Warum?", hielt er fest. Sollte die Sechs-Tage-Woche nicht mehr gewollt sein, dann müsse man diese eben beenden - "das ist doch das normalste Geschäft der Welt", verdeutlichte er. "Stellt euch vor, die Tiroler Industrie würde sagen, bei uns will keiner mehr arbeiten. Wir brauchen jetzt jedes Jahr 5.000 Inder. Da würden alle sagen, ihr seid ja irre!", nannte er ein Beispiel.

„Ohne Drittstaatenangehörige wird es nicht gehen“

Landtagsabgeordneter Mario Gerber (ÖVP), WK-Fachgruppenobmann der Sparte Hotellerie, war am Mittwoch im Rahmen einer Winterbilanz-Pressekonferenz bemüht, die Tourismusbranche als attraktiven Arbeitsmarkt "ins rechte Licht" zu rücken. Der Arbeitskräftemangel sei nicht auf unattraktive Arbeitsbedingungen zurückzuführen und auch kein Problem der Tourismusbranche. Im Gegenteil - die Nachfrage nach Tourismusjobs steige, aber nicht schnell genug. Hinzu kämen der demografische Wandel und die Vollbeschäftigung im Bundesland.

"Ohne Drittstaatenangehörige wird es nicht gehen", schloss Gerber daraus. Er forderte "tausende" Kontingente für Drittstaatenangehörige. Genau beziffern könne er den Bedarf noch nicht. Derzeit seien rund 55.000 Personen in Tirol im Tourismus tätig, davon verfügten 55 Prozent über eine österreichische Staatsbürgerschaft.

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