04.03.2021

So sehr vermissen wir die Gastronomie

Was die Österreicher an ihren Lokalen am meisten vermissen und wie sich die Branche in der Krise geschlagen hat, zeigt eine aktuelle Umfrage des Online Research Instituts Marketagent.

1.000 Österreicher bewerteten in der Umfrage die Sinnhaftigkeit der Gastro-Schließung, begleitende Maßnahmen zur Öffnung, das wahrgenommene Infektionsrisiko im Lokal und viele weitere Fragen rund um die aktuelle Situation. 

Ob Kaffeehaus, Restaurant oder Heurigen: Die Österreicher lieben ihre Gastronomiebetriebe. „Knapp jede und jeder Zweite war hierzulande vor der Corona-Pandemie zumindest einmal pro Woche in einem Lokal anzutreffen, ein weiteres Drittel ein- bis zweimal im Monat“, so Marketagent-Geschäftsführer Thomas Schwabl. 

Daher überrascht es wenig, dass die Schließung seit vielen Monaten den Menschen zunehmend zu schaffen macht. Schwabl: „Gut drei Viertel (77 Prozent) vermissen es, die Gastronomie zu besuchen und sich einen Kaffee, eine gute Mahlzeit oder einen Drink zu genehmigen. 43 Prozent geht diese Möglichkeit sogar sehr stark ab.“

Auf was sich die Österreicher freuen

Knapp zwei Drittel der Befragten vermissen heimische Spezialitäten ganz besonders. Kaffee und Mehlspeisen in den traditionellen Kaffeehäusern gehen 46 Prozent stark ab, 44 Prozent sehnen sich vor allem nach Lokalen mit ausländischen Spezialitäten, um wieder einmal Pizza, Sushi und Co. inklusive des passenden Ambientes genießen zu können.

Den Besuch von Gastro-Betrieben mit Gastgärten, der schon Ende März Realität werden könnte, sowie von Heurigen und Buschenschanken können je 4 von 10 kaum erwarten. Speziell Männer vermissen ihren Biergarten bzw. ihr Beisl, indes sehnen sich deutlich mehr Frauen danach, bald wieder gemütlich im Café zu sitzen. Dieser Wunsch steigt auch mit zunehmendem Alter. Die jüngeren Generationen zwischen 14 und 29 Jahren trauern hingegen vor allem dem Partyleben nach. Wieder einmal eine Nacht in Clubbing-Locations bzw. Diskotheken durchzutanzen oder sich in einer Bar einen Cocktail zu genehmigen, fehlt ihnen im Vergleich mit den älteren Befragten ganz besonders.

„Es ist in erster Linie der soziale Aspekt, der den Österreicher*innen in Hinblick auf die geschlossene Gastronomie zu schaffen macht: Das Treffen von Freunden im Lokal geht knapp 6 von 10 stark ab, besonders die weibliche Bevölkerung wünscht sich dies sehnsüchtig zurück (65 Prozent). Gut jeder Zweite möchte zudem einfach wieder unter Leute kommen und vermisst die Geselligkeit“, erläutert Marketagent-Marketingleiterin Lisa Patek

Top 5 Aspekte, die an der Gastronomie vermisst werden

  • Freunde zu treffen: 58,9%
  • Geselligkeit/unter Leute zu kommen: 52,9%
  • Gutes Essen: 49,3%
  • Abwechslung vom Alltag: 45,8%
  • Mich verwöhnen zu lassen (z. B. Service im Restaurant): 38,8%

Sinnhaftigkeit der Schließung, Vorsichtsmaßnahmen und Ausblick

Ob die Schließung der Gastronomie grundsätzlich eine adäquate Maßnahme zur Eindämmung des Coronavirus darstellt, darüber herrscht in der Bevölkerung Uneinigkeit: Das Vorgehen wird je zur Hälfte als sinnvoll oder nicht sinnvoll erachtet. Interessanterweise stehen Männer (52%) der Gastro-Schließung etwas positiver gegenüber als Frauen (45%).

Zudem kann in Hinblick auf das Infektionsrisiko je nach Art des Lokals differenziert werden. So verorten die Befragten vor allem in Tanzbars bzw. Diskotheken und Clubbing-Locations, aber auch in Cocktail-Bars und im Beisl ein durchaus hohes Ansteckungsrisiko. Indes halten je knapp 6 von 10 eine Infektion im traditionellen Kaffeehaus oder Lokal mit heimischen Spezialitäten für ziemlich unwahrscheinlich. Speziell an der frischen Luft fühlen sich die Befragten sicher, so gilt das Risiko im Lokal mit Gastgarten für 62 Prozent als äußerst gering.

Um in jedem Fall einen sicheren Restaurantbesuch zu gewährleisten und die Gastro-Öffnung zu ermöglichen, gelten in erster Linie altbewährte Konzepte als geeignet: 8 von 10 schwören auf die Einhaltung von Mindestabständen, für 7 von 10 gehört das Tragen einer FFP2-Maske dazu, sobald man den eigenen Platz verlässt. Auch Corona-Tests als schriftlicher Beweis für die eigene Gesundheit werden als sinnvoll erachtet. 63 Prozent würden einen Schnelltest direkt beim Eingang gutheißen, knapp 6 von 10 das verpflichtende Vorweisen eines höchstens 48 Stunden alten Testergebnisses. Ein Einbahnsystem an den Ein- und Ausgängen, um Begegnungen unter den Gästen zu reduzieren, gilt ebenfalls als adäquate Maßnahme. Immerhin 37 Prozent halten eine bereits erfolgte Corona-Impfung als Eintrittskarte in die Lokale für sinnvoll.

Die 5 sinnvollsten Maßnahmen für die Öffnung der Gastronomie

  • Verpflichtende Einhaltung von Mindestabständen in den Betrieben: 80,3%
  • Tragen von FFP2-Masken, wenn man nicht am Platz sitzt: 69,8%
  • Corona-Schnelltest beim Eingang des Betriebs: 63,0%
  • Eintritt nur möglich mit einem max. 48h alten, negativen Corona-Test: 57,0%
  • Einbahnsystem in den Betrieben: 55,7%

Die Unterstützung der Betriebe

Im Schnitt rechnen die Österreicher damit, dass ein Drittel der Betriebe die Pandemie nicht übersteht. Auch die Unterstützung der Gastronomie-Branche durch den österreichischen Staat ist aus der Sicht von mehr als jedem zweiten Befragten nicht ausreichend, um die monatelangen Corona-bedingten Schließungen und finanziellen Einbußen zu überbrücken. Die Förderungen für Gastronomie-Besitzer sind immerhin noch für 47 Prozent in genügendem Maße vorhanden. Dass Kellner, Köche und anderes Personal mit den staatlichen Hilfen auskommen, glauben jedoch lediglich 4 von 10.

Take-away und Lieferservice als Alternativen

Als Alternative zum Lokalbesuch boten diverse Gastronomiebetriebe während des Lockdowns vermehrt Zustell- und Abholservices an. Die Ergebnisse zeigen: Während vor Corona nur 38 Prozent mindestens einmal monatlich einen Liefer- oder Abholservice nutzten, nahm während der Pandemie gut jeder Zweite das Angebot gerne ein- oder mehrmals im Monat an. Verlockend war dabei vor allem der praktische Aspekt: 46 Prozent gaben Bestellungen auf, um nicht selbst den Kochlöffel schwingen zu müssen, 4 von 10 aus Bequemlichkeit. Aber auch der Wunsch, die heimische Gastronomie in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen, stellte für 43 Prozent ein starkes Motiv dar. 

Basierend auf ihren aktuellen Erfahrungen mit Zustell- bzw. Abholservices wird den Lokalen ein gutes Zeugnis ausgestellt. Gelobt wurde einerseits das vorbildliche Verhalten des Personals: 92 Prozent hielten sich an die Corona-Schutzmaßnahmen wie das Tragen einer Maske, 96 Prozent punkteten mit Freundlichkeit. Auch die Speisekarte sowie die gelieferten Mahlzeiten selbst stimmten die Kunden weitestgehend zufrieden: Je mehr als 9 von 10 hatten an Geschmack, Qualität, Auswahl und Aussehen kaum etwas auszusetzen, 88% empfanden die Temperatur als angenehm. Die Zubereitungs- und Lieferzeit war für gut 9 von 10 absolut im Rahmen und das Preis-Leistungsverhältnis stimmte ebenfalls. Auch Zahlmöglichkeiten standen den Befragten in ausreichender Anzahl zur Auswahl. 

(Red)

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