14.08.2020

Sommertourismus nun etwas in Schwung gekommen

Nach einer vernichtend schlechten Vorsaison ist laut Wirtschaftskammer zumindest die Ferienhotellerie seit dem Juli ganz gut gebucht. Die Krisensituation wird uns aber noch lange beschäftigen.

In der Ferienhotellerie hätten derzeit etwa 85 Prozent der Betriebe offen, berichtete der neue Obmann der WKÖ-Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. Es sei zwar jetzt "eine Ausnahmesituation, wie es sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat", doch die Stimmung unter den Unternehmern sei insgesamt "nicht so schlecht", so Robert Seeber. Die genauen Nächtigungszahlen der Statistik Austria für den Juli liegen noch nicht vor.

Im Mai hatten die Beherbergungsbetriebe infolge des behördlich verfügten Lockdowns und der Grenzschließungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie einen Nächtigungsrückgang von rund 90 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat erlitten. Im Juni betrug das Minus immer noch fast 60 Prozent. Ab Juli sei eine gewisse Normalisierung eingetreten, hieß es nun aus der Wirtschaftskammer. 

Seilbahnwirtschaft erwartet relativ gute Sommersaison

Neben den Seen zieht es die Gäste auf die Berge. Insgesamt verzeichneten die österreichischen Seilbahnen im Betriebszeitraum 29. Mai bis 19. Juli um 34 Prozent weniger Ersteintritte als im Sommer 2019. Während die Eintritte im Juni noch um 54 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgingen, seien es in der ersten Julihälfte nur noch minus 14 Prozent gewesen. Diese Entwicklung stimme zuversichtlich, dass die Sommersaison insgesamt zufriedenstellend wird.

Auch die Vorbereitungen auf die Wintersaison laufen bereits. Hörl geht von Restriktionen insbesondere im Bereich Gastronomie inklusive Aprés Ski aus. "Zu diesem Thema sowie zu den Regeln für den sicheren Seilbahnbetrieb arbeiten wir derzeit an einer Strategie, die Gesundheit und Urlaubsstimmung bestmöglich in Einklang bringt", sagte Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der österreichischen Seilbahnen in der WKO. Die Regeln der Branche sollen in den kommenden Wochen finalisiert werden.

Die Stadthotellerie lahmt nach wie vor

Mangels Flugverbindungen fehlen in den Städten die Buchungen der Amerikaner, der Asiaten und der Briten. In Wien lebte das Segment in der Vergangenheit zu 80 Prozent von ausländischen Urlaubern. Zum Start der Hochsaison war in vielen Städten rund die Hälfte der Hotels geschlossen, hatte der Hotelberater MRP hotels erhoben. Als weitere "Problemfelder" strich Seeber die Nachtgastronomie, den Kongresstourismus und den gesamten Veranstalterbereich hervor. "Ich sehe da auch in nächster Zeit keine Erholung, dass das leichter wird."

Reduzierten Steuersatz verlängern

Von der Bundesregierung werde es noch Unterstützungsmaßnahmen geben müssen, je länger die Krise dauere. "Und sie wird noch länger dauern", erwartet Seeber. Fixkostenzuschuss, Stundungen, Mehrwertsteuersenkung und Kurzarbeit - die Politik hat in den vergangenen Monaten bereits an vielen Schrauben gedreht, um die harten Folgen des Lockdowns für die Unternehmen etwas abzufedern. "Bei allen wird es nicht gelingen, ausreichend zu helfen - vor allem bei jenen, denen es vorher schon schlecht gegangen ist", sagte der Branchensprecher.

Die Wirtschaftskammer wünscht sich nun, dass der von 10 auf 5 Prozent reduzierte Steuersatz auf Logis, Speisen und Getränke nicht wie derzeit geregelt am 31. Dezember ausläuft, sondern um drei Monate verlängert wird. "Das ist echt was, das was bringt", erklärte der Gastronom, dem in Linz mehrere Betriebe mit insgesamt über 100 Mitarbeitern gehören.

Es sollte mehr getestet werden

Vorfälle wie jüngst die Häufung von Coronavirus-Infektionen in St. Wolfgang am Wolfgangsee halten die Branche in Atem. Der WKÖ-Obmann appelliert an die Betriebe mehr Corona-Tests durchzuführen. "Seit Juli gibt es diese freiwilligen, flächendeckenden, kostenlosen Testungen - dass es dieses Programm gibt, befürworte ich sehr", bekräftigte Seeber gegenüber der APA. "Je mehr getestet wird, umso besser. Es darf zu keinem weiteren Lockdown kommen, das wird die Wirtschaft nicht verkraften."

Derzeit erfolgt das Testen aber nur zögerlich, denn die Hoteliers haben Angst, die gesamte Küchenmannschaft in Quarantäne schicken zu müssen, sobald ein K1-Fall festgestellt wird. K1 steht hier für Kontaktpersonen der Kategorie I mit engem Kontakt (hohes Infektionsrisiko).

Blindflug in die Zukunft

Wie es für die Tourismus- und Gastrobranche insgesamt weitergeht, bleibt ungewiss. "Es ist eine psychisch extrem herausfordernde Zeit", betonte Seeber. "Es wird auch den einen oder anderen geben, der das nicht überleben wird." Die Unternehmer seien verunsichert, sie könnten jetzt nicht planen und steuern.

"Momentan sind wir im Blindflug unterwegs und ein bisschen auf Sicht - wir sind jetzt Passagiere, nicht mehr Kapitäne", beschrieb der Branchensprecher die derzeitige Lage. "In Wahrheit werden wir uns so dahinwurschteln müssen, bis es eine Impfung oder ein Medikament gibt."

(APA/Red)

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