14.04.2021

Spitzenleistungen in die Auslage stellen

Das erfolgreichste Bundesland der Wintersaison war - Niederösterreich. Michael Duscher, Geschäftsführer der Niederösterreich Werbung, im Interview über die Aussagekraft von Zahlen, die Weiterentwicklung der Sommerfrische und Spitzenleistungen.

Zwar auf niedrigerem Niveau als gewohnt, aber Niederösterreich verbuchte zwischen November und Februar im Österreich-Vergleich die mit Abstand meisten Ankünfte und Nächtigungen. Welche Aussagekraft hat dieses Ergebnis? 
Michael Duscher: Wir haben die Zahlen genau analysiert und erwartungsgemäß gab es gute Ergebnisse in Gemeinden mit Gesundheitsbetrieben, Kur- und Erholungsheimen sowie in Gemeinden um Wien und größeren Städten mit Geschäftstourismus. Es bestätigt sich einmal mehr, dass der Gesundheits- und Geschäftstourismus in Niederösterreich eine wichtige Rolle spielen. 

Wie ist das Feedback aus der Branche nach dieser – euphemistisch gesagt – schwierigen Wintersaison? 
Es wird weitergekämpft. Was es endlich braucht, ist Planungssicherheit – und eine Öffnungsperspektive für den Mai wäre wichtig. 

Um Betriebe hochzufahren braucht es Vorbereitungszeit, gleichzeitig gibt es bei vielen Gäste noch Unsicherheit. Was wäre Ihr Wunschdatum für den Restart?
Ich will keine Voraussagen machen, das kann momentan niemand, alles hängt von den Infektionszahlen ab. Eine Perspektive, die den Titel Mai trägt – ähnlich wie im Vorjahr –, wäre eine gute. Wir harren der Dinge. Niederösterreichs Tourismusbetrieb sind jedenfalls bereit und wir alle wollen unbedingt aufsperren. Die Niederösterreich-Werbung unterstützt die Branche mit verschiedenen Maßnahmen, zuletzt haben wir eine neue E-Learning- und Wissensplattform exklusiv für den Tourismus lanciert (Anm.: wir haben berichtet), mit der sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der ruhigen Zeit vor dem Wiederaufsperren weiterbilden können.

Die Niederösterreich-Card ist ein wichtiges Werkzeug für den Ausflugstourismus und die Gästebindung. Welche Rolle werden die Card und der Ausflugstourismus in diesem zweiten Corona-Jahr spielen?
Das ist ein ganz wesentliches Tool. Bei der Niederösterreich-Card 2021 gibt es 18 spannende neue Partner, vom Trailcenter Hohe Wand Wiese in Wien über das Modellbahnmuseum Mariazellerbahn im Mostviertel bis zu den Wexl Trails oder das Sconarium in den Wiener Alpen (Anm.: mehr zu den Angeboten hier). Wir arbeiten gerade daran, immer mehr Betriebe online buchbar zu machen. Die Anzeige von Verfügbarkeiten hilft uns bei einer gewissen Besucherlenkung. Eine weitere Maßnahme für den Ausflugstourismus ist gezieltes Marketing für Hidden Places. Also Ausflugsziele, die noch nicht so stark frequentiert sind, aber entdeckenswert sind. Zudem werden die Fair-Play-Regeln, wie man sie zum Beispiel für das Mountainbiken kennt, um die Bereiche Outdoor und Wandern erweitert. 

Wie groß ist die Lust der Gäste, in dieser unsicheren Zeit die Niederösterreich-Card zu verlängern oder zu erwerben?
Wir verzeichnen sehr gute Zahlen, wenn man die Verkäufe vergleicht. Das Interesse ist da und das zeigt das Vertrauen, dass die Ausflugssaison heuer, leider verzögert, gut starten wird. 

Für die Gästebindung ebenfalls ein gutes Werkzeug sind Aktionen wie zuletzt „Mein Wirtshaus – Erfrischend privat“ (Anm.: wir haben berichtet). Sind solche kreativen Aktionen gekommen, um auch nach der Krise zu bleiben?
Auf jeden Fall. Beim ersten Lockdown im Vorjahr gab es den Startschuss mit der Aktion #WirSchaffenDasKüche. Dabei haben Köche der Wirtshauskultur online Rezepte präsentiert und Gerichte vorgekocht, was sehr angekommen ist. Zu Weihnachten gab es eine Gutscheinaktion. Damit halten wir die Wirtshauskultur weiter im Gespräch und es trägt dazu bei, dass diese starke Marke immer wieder neu und sympathisch erzählt wird. Die Betriebe und Wirte selbst sind immer mit großem Engagement dabei.

Wenn man zuletzt morgens die Fenster öffnete, schwappte einem statt Sommerfrische nur Frische ins Gesicht. Das Thema Sommerfrische steht seit dem Vorjahr im Mittelpunkt der Aktivitäten, wie wird es in der kommenden Saison weiterentwickelt?
In der Tourismusstrategie ist das bereichsübergreifende Arbeiten verankert. Die Sommerfrische ist in Niederösterreich ein stark mit der Kultur verbundenes Thema, weshalb wir gut und eng mit der Kulturabteilung des Landes zusammenarbeiten, um das Besondere an der Sommerfrische auszuformen. Außerdem ist Sommerfrische historisch eng mit der Anreise per Bahn verknüpft. Wir werden also noch mehr Packages, die alle Ingredienzien einer Sommerfrische – in einem modernen Gewand – enthalten, kreieren. Niederösterreich ist „die“ Sommerfrische-Destination, so selbstbewusst sind wir.
 
Der Wettbewerb um den heimischen Gast wird im Sommer wieder ein großer. Besteht die Gefahr, dass man sich untereinander aufreibt? Wiens Tourismusdirektor Norbert Kettner sprach bezüglich der Inlandsgäste von Selbsthypnose.
Das muss ich relativieren, denn Niederösterreich hatte schon vor der Pandemie einen hohen Inlandsanteil von rund zwei Drittel der Gesamtnächtigungen. Unser Verhalten ist somit nicht viel anders, unser Hauptfokus bleibt weiterhin auf den Gästen in Österreich. Natürlich haben aufgrund der aktuellen Situation alle Bundesländer mehr Präsenz am Heimmarkt. Umso wichtiger wird es für Niederösterreich, dass wir unsere Spitzenleistungen klar in die Auslage stellen. 

Welche sind das?
Wir haben bereits über die neue Sommerfrische gesprochen. Dann ist unser Ziel, „die“ Raddestination im Herzen Europas zu werden. Bereits jetzt bieten wir Top-Radrouten, grenzüberschreitende Radwege, Radeln für Kids, radfreundlichen Betrieben – das sind Werte, die für uns sprechen und mit denen wir uns genau positionieren können. Eine weitere Differenzierungsmöglichkeit sind die die Gastfreundschaft und die gastronomischen Vorzüge unseres Landes. Die Niederösterreichische Wirtshauskultur ist eine Qualitätsmarke. Stark und gut sind wir im kulturellen Angebot. Die Spitzenleistungen – das ist mein Credo aus der Tourismusstrategie – werden in bester Art und Weise miteinander kombiniert. Zum Beispiel findet von Juli bis September bei rund 40 Winzern wieder die Aktion „Kultur beim Winzer“ statt. Es ist ausschlaggebend, dass wir unsere Stärken klar kommunizieren und auf den Punkt bringen. Das gelingt uns bisher schon gut.    

Die Sehnsucht der Menschen nach Meer und Sonne steigt, internationale Destinationen, Reiseanbieter und Airlines werden diesen Wunsch befeuern, wenn es wieder erlaubt ist. Wie kann Niederösterreich ebenfalls Sehnsucht wecken?
Die nachfrageseitigen Voraussetzungen für Urlaub in Österreich sind sehr gut. Was thematisch nachgefragt ist, sind Bewegung und Outdoor, da haben wir sehr gute Voraussetzungen. Die Zusammenarbeit mit der Österreich Werbung ist eng, um die Vorzüge Österreichs gegenüber dem Mitbewerb bestens zu positionieren. Wichtig ist, dass wir strategisch gut abgestimmt vorgehen. Aktuell ist eine Radkampagne in Deutschland und Tschechien geplant. 

Die Österreich Werbung bekommt ab Juni eine neue Leitung. Welche Richtung und Schwerpunktsetzung wünschen Sie sich zukünftig?
Es ist ein ständiger Entwicklungsprozess. Es ist wichtig, dass die neun Landestourismusorganisationen mit der ÖW gut abgestimmt sind, was die Strategie und Positionierung betrifft. Wir müssen strategische Themen identifizieren und gemeinsam bearbeiten. Petra Stolba hat 15 Jahre lang mit vollem Einsatz die Österreich Werbung geleitet – das muss man noch einmal hervorheben. Sieben meiner zehn Jahre bei der Österreich Werbung durfte ich mit ihr zusammenarbeiten. Ich bedanke mich sehr für ihr großes Engagement. Mit Lisa Weddig übernimmt eine überaus versierte internationale Tourismusmanagerin die Geschäftsführung der Österreich Werbung. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit, vor allem hinsichtlich der strategischen Abstimmung gemeinsam mit den anderen Bundesländern in der „Allianz der 10“, sowie der weiteren klaren Positionierung Österreichs als internationales Urlaubsland. Vor uns liegen noch viele Herausforderungen, aber ich bin überzeugt, dass es gemeinsam gelingen wird, gestärkt aus der Krise zu kommen.

Danke für das Gespräch.

tourismus.niederoesterreich.at/

 

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