07.05.2021

spusu Life Resort kommt doch nicht

Das 4-Sterne-Superior-Resort in Mistelbach im niederösterreichischen Weinviertel wurde erst vor Kurzem präsentiert, jetzt ist das frühe Ende beschlossen.

Angedacht war bei dem Projekt (stammgast.online hat berichtet) ein Eigenkapital von 10 Mio. Euro und 2 Mio. Euro Investitionsförderung vom AWS. Der Rest von rund 8 Mio. Euro sollte mit Darlehen finanziert werden, aber dazu wäre ein positives Gutachten der ÖHT notwendig gewesen. „Unser Return on Investment war nach zwölf Jahren geplant“, erklärt Geschäftsführerin Andrea Pichler. Erstellt wurden das Hotelkonzept und der dazugehörige Businessplan vom Consulting-Unternehmen Diana Consulting & Friends. „Diese Unterlagen dokumentieren die Wirtschaftlichkeit eindeutig“, erklärt Andrea Pichler.

Abgelehnt wurde das Projekt „bereits nach kurzer Zeit, ohne dass die detaillierten Projektunterlagen, bestehend aus Hotelkonzept und Businessplan, von der ÖHT überhaupt gesichtet worden war“, behauptet die Familie Pichler, die das Wellnessresort umsetzen wollte, in einer Presseaussendung.

Die Absage kommt für die Initiatoren des Projekts daher überraschend. Andrea und Franz Pichler zeigen sich enttäuscht: „Es war alles unter Dach und Fach, Pläne und Konzepte ausgearbeitet. Dass hier die ÖHT in Person von Generaldirektor Wolfgang Kleemann keine Zusage erteilt, obwohl sie keine genaue Einsicht in die Projektunterlagen genommen hat, ist mehr als irritierend.“ Andrea Pichler: „Anscheinend ist man nicht an der Weiterentwicklung unserer Heimat interessiert. Wir haben uns nun schweren Herzens entschieden, auf unser spusu Hotelprojekt im Weinviertel zu verzichten.“

Was die ÖHT dazu sagt

Zu den Vorwürfen, dass die Tourismusbank ein Hotelprojekt in Mistelbach verhindere, hat stammgast.online bei der ÖHT nachgefragt. Deren Generaldirektor KommR Mag. Wolfgang Kleemann hat dazu auch sofort Stellung genommen, da er selbst in die Projektgeschichte von Anfang an involviert war. „Bitte verstehen Sie, dass ÖHT – die österreichische Hotel- und Tourismusbank – wie der Name schon sagt, eine Bank ist und wir daher dem Bankgeheimnis unterliegen. Ich kann aufgrund dessen nicht auf einzelne Details der Vorwürfe von Familie Pichler eingehen, aber ein paar Dinge klarzustellen, das darf ich mir schon erlauben“, so Kleemann: 
 
„Die Behauptung, die ÖHT bzw. ich hätten uns mit dem Vorhaben nicht in entsprechendem Detail auseinandergesetzt, ist nicht zutreffend. Es gab bereits beginnend mit 1.7.2020 einen regen Schriftverkehr und diverse Telefonate mit den Förderstellen des Landes Niederösterreich und am 16.7.2020 auf meine Initiative hin eine gemeinsame Besprechung aller Förderpartner mit Familie Pichler. Nach dieser Besprechung haben meine zuständigen Kolleginnen und Kollegen das Projekt analysiert und – wie wir es immer machen – mit Benchmarks aus ähnlich gelagerten Vorhaben verglichen. Wir haben dazu gute Möglichkeiten, weil wir in der ÖHT die mit Abstand größte Datenbank von Hotel-Jahresabschlüssen haben – wir können daher nach Betriebsgröße, Kategorie, Ausstattungsgrad etc. sehr genau selektieren und so Echtzahlen für einen Betriebsvergleich heranziehen.  
 
Diese Zahlen habe ich – obwohl wir das sonst nicht machen – am 5.8. (übrigens aus meinem Urlaub) an die Finanzchefin von Spusu übermittelt; Rückmeldung habe ich seither keine bekommen. Ich war daher schon eher überrascht, dass dann am 15.4.2021 von einer Kärntner Unternehmensberaterin, die sonst eher kleine Vorhaben betreut und meines Wissens nach in Niederösterreich noch nie aktiv war, kommentarlos ein Förderantrag bei uns eingereicht wurde. Den haben wir umgehend abgelehnt, – das Projekt hatten wir ja bereits ausführlich diskutiert. Außerdem war der Antrag unvollständig – insbesondere hat der Finanzierungsplan gefehlt. 
 
Auf ausdrücklichen Wunsch von Landesrat Danninger haben wir dann unser Beurteilung nochmals ausführlich schriftlich zusammengefasst, dabei aber auch betont, dass wir „… verstehen, dass durch die Investition – eine nachhaltig lebensfähige Struktur vorausgesetzt – eine Attraktivierung der gegenständlichen Region erfolgen kann …“. 
Hingewiesen haben wir aber ausdrücklich auf einige betriebswirtschaftliche Ungereimtheiten – da bitte ich nochmals um Verständnis, dass wegen des Bankgeheimnisses, die ich nur mit Zustimmung von Familie Pichler zitieren dürfte –  eine erfolgreiche Projektumsetzung in Frage stellen könnten. Gleichzeitig haben wir aber dem Herrn Landesrat angeboten bzw. zugesagt , dass wir natürlich zur Verfügung stehen, unsere Vorbehalte neuerlich – auch im Beisein von Beratern der Familie Pichler – zu diskutieren und klarzulegen.“ 
 

Wolfgang Kleemann freue sich grundsätzlich „über die Presseaussendung von spusu, denn sie zeigt, dass die über die ÖHT abgewickelte betriebliche Tourismusförderung des Bundes weitab von einem immer wieder von der Wissenschaft behaupteten Mitnahmeeffekt steht. Familie Pichler sagt selbst, dass das Projekt ohne ÖHT nicht realisierbar ist – das heißt also, dass auch regionale Banken so sehr auf unsere Expertise und die Bundesförderungen aufbauen, dass sie ohne diese nicht finanzieren wollen.“ Der ÖHT-Generaldirektor gab abschließend gegenüber stammgast.online noch der Hoffnung Ausdruck, dass sich vielleicht doch noch eine Lösung finden könnte.

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