04.09.2020

Stadthotellerie und Wintertourismus retten

In der WKÖ nimmt die Task Force Stadthotellerie ihre Arbeit auf, die als Sprachrohr Anliegen und Forderungen direkt an die Spitzenpolitik richten wird. In zwei Wochen wird zudem ein „vollumfassendes Konzept über alle Branchenbereiche hinweg für den Wintertourismus vorgelegt“, verrät WKÖ-Präsident Harald Mahrer. Schanigärten sollen offenbleiben.

Die Stadthotellerie steht nach der bisherigen Corona-Sommersaison weiterhin vor massiven Herausforderungen und benötigt für die kommenden Monate Unterstützung. Die WKÖ gab nun den Startschuss für die Task Force Stadthotellerie, die im Rahmen eines Hintergrundgesprächs für ausgewählte Medien von WKÖ-Präsidenten Harald Mahrer und Susanne Kraus-Winkler, Obfrau der Fachgruppe Hotellerie, vorgestellt wurde.

In dieser Task Force in der Fachgruppe Hotellerie sitzen Hoteliers aus der eigentümer- und betreibergeführten Stadthotellerie aus ganz Österreich sowie weitere Experten (die Mitglieder werden noch bekanntgegeben). Sie sollen die internationalen Entwicklungen beobachten, sich austauschen und abstimmen, Stakeholder – von Reisebüros über Transporteure bis Kulturanbieter – einbinden und konzertiert dann Vorschläge direkt an die Landes- und Bundespolitik richten. Sie werden Einschätzungen geben, wo es weitere Maßnahmen, Ergänzungen oder Nachschärfungen braucht, „um das Herzstück des österreichischen Tourismus nachhaltig am Leben zu erhalten“, so Mahrer. 

Wachstumstreiber in tiefer Krise

Die Rettung der Sommersaison ist in der Ferienhotellerie in vielen Regionen Österreichs gelungen, in den Städten sind die Aussichten deutlich negativer. Die Auslastungs lag zum Beispiel in Wien im Juli bei nur 25,8 %. Im Vergleich zu anderen europäischen Destinationen ist das sogar ein relativ „gutes“ Ergebnis: Budapest verzeichnete 17,7 %, Rom 17,5 % und Lissabon sogar nur 12,5 % (Quelle: STR).

Für die Städte, die in den vergangenen Jahren die großen Tourismuswachstumstreiber waren, sind diese Zahlen eine Katastrophe. Wien, Salzburg, Innsbruck und Graz etwa verbuchten im vergangenen Jahrzehnt noch Zuwachsraten zwischen 3,3 und 5,5 %. Der Nächtigungsanteil der Städte am österreichischen Gesamtnächtigungsvolumen betrug zuletzt 17 Prozent. Seit dem Jahr 2000 gab es eine Verdoppelung der Nächtigungszahlen.

Interessant: Während in Wien, Innsbruck und Graz die Durchschnittspreise weniger stark gesunken sind, verzeichnet man in Salzburg ein sattes Minus von 30 Prozent. Der Grund ist die fehlende Frequenz gutbetuchter Gäste der Salzburger Festspiele, die heuer ja in deutlich reduzierterer Form stattfinden mussten.

Für die Ganzjahresbetriebe in der Stadt ist der anhaltende Wegfall des Umsatzes „ein betriebswirtschaftliches Drama“, wie Kraus-Winkler betont. „Bei Auslastungseinbrüchen von 50 Prozent verzeichnen wir im Schnitt Umsatzeinbrüche von 60 Prozent. Aufgrund des hohen Fixkostenanteils hat das wesentliche Auswirkungen auf das Betriebsergebnis.“ Spätestens im Frühjahr werden für die Branche die Themen Verlängerung Fixkostenzuschuss und Kurzarbeit wieder am Tableau stehen.

Der Winter soll kommen

In den kommenden 14 Tagen werde die WKÖ außerdem ein vollumfängliches, über alle Branchenteilbereiche hinweg reichendes Konzept zur Sicherstellung des Wintertourismus vorlegen, wie Mahrer verrät. Was die Seilbahnwirtschaft kürzlich vorgestellt hatte, „war sozusagen ein erster Gruß aus der Küche. Es braucht nun ein sauberes, klares Paket für den Winter, das man auch international vermarkten kann“, so der WKÖ-Präsident. Er geht davon aus, dass die Bundesregierung dem von Branchenexperten erarbeiteten Konzept, wie schon bei der Sommersaison, folgen wird.

Ein wesentlicher Teil des Konzepts ist zum Beispiel, wie in der kommenden Wintersaison mehr im Freien stattfinden könnte. „Es wäre total wiedersinnig, diesen Winter die Schanigärten zuzumachen“, argumentierte Harald Mahrer, diese sollten besser durchgehend offenbleiben. Auch brauche es konkrete Pläne, wie die wichtigen Deckungsbeitragsbringer Weihnachtsfeiern gehandhabt werden können. Für die Christkindlmärkte stellt der WKÖ-Präsident eine Maskenpflicht in den Raum. Und beim Après Ski werde man genau definieren, was man bewusst nicht mehr haben will. „Das wird nicht allen gefallen“, so Mahrer, aber man muss Verantwortung übernehmen und abwägen, wie man das gesamte Tourismusland Österreich schützt. 

Der Kammer-Präsident wünscht sich jedenfalls bundeseinheitliche Vorgaben seitens der Regierung für den Wintertourismus und „keinen Fleckerlteppich“. Generell brauche es Vorbereitung, Präzision, Mut und Geschwindigkeit in allen Maßnahmen, um die Tourismuswirtschaft zu unterstützen. 

 

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