13.10.2021

Stützpfeiler für ein stabiles Fundament

Beim 60. Kongress des Österreichischen ReiseVerbandes (ÖRV) in den Kasematten von Wr. Neustadt gaben sich neben nahezu allen Branchengrößen die hohe Politik wie auch die EU ein wertschätzendes Stelldichein. 

Corona, was sonst, dominierte das Kongressgeschehen – mit Verzögerung von 18 Monaten und mehrmaligen Verschiebungen –, zu dem sich mehr als 120 Teilnehmer aus allen Reisesparten nach harten und herausfordernden Monaten nun endlich wieder ganz in echt, doppelt geimpft und mit sichtbar großer Freude zusammenfanden und die dicken Zwingermauern der einstigen Stadtbefestigung von Wiener Neustadt dafür den passenden Rahmen bildeten. Denn was im 16. Jhdt. den Kanonaden der Türken auf ihrem Eroberungsfeldzug standhielt, hat gerade für die von der Coronakrise als eine der am härtesten betroffenen Branche Symbolwirkung. 

Wie im Falle der Wr. Neustädter Stadtbefestigung, die dereinst den kriegerischen Mannen aus dem Orient auf ihr unaufgefordertes und ziemlich heftiges „Anklopfen“ die lange Nase zeigte, steht auch die Reisebranche nach nunmehr fast schon zwei Jahren „Coronabeschuss“ uneinnehmbar wie eine dicke alte Steinmauer da. Die nur dann fällt, wenn das Fundament schlecht ist bzw. wenn nicht rechtzeitig und an den richtigen Stellen stabile Stützpfeiler aufgezogen werden. Eben solche Tragsäulen sichern der Reisebranche den Fortbestand, für den Erhalt des Fundaments ist man mehr oder weniger selbst verantwortlich. 

Was für diese an Widerstandskraft kaum zu überbietende Branche zwar kein Spaziergang wird, aber gemäß dem schönen Spruch „Travelling is  the only thing you can buy that makes you happy“ die Richtung klar definiert: Die Reise der schönsten Branche der Welt kann nur dort weitergehen, wo sie im März 2020 abrupt gestoppt wurde. 

So ist Österreich! 

Wofür es neben einer weiterhin kräftigen Unterstützung der öffentlichen Hand Mut, Zuversicht und Vertrauen braucht – so das Motto des diesjährigen Frühjahrskongresses, weil „Mut, Zuversicht und Vertrauen brauchen wir jetzt alle“, betonte Eva Buzzi in ihrer ersten Eröffnungsansprache als neue Präsidentin, die sichtbar von großer Freude getragen war, live und nicht virtuell auf der großen ÖRV-Bühne zu stehen. Dieser Kongress war aber nicht nur deshalb ein besonderer, er wird vor allem als Signal für das Gemeinsame und Verbindende einen Eintrag in den Verbandsannalen des ÖRV und des ÖVT finden, nahm doch erstmals auch die Präsidentin des Österreichischen Vereins für Touristik am Kongress teil.

Phillies Ramberger war und ist eine der drei Triebfedern, die den zuständigen Ministerien bis in lichte politische Höhen über Wochen ordentlich auf die Nerven ging, um der Reisebranche das Überleben zu sichern. Mit Erfolg, wie die Kollegen aus der Reisebüro- und Veranstalterszene nach Monaten des Hoffens und Wartens auf monetäre Hilfsmaßnahmen mittlerweile wissen. Denn ohne diesen unermüdlichen Einsatz, den die ÖVT-Frontfrau mit wenig Schlaf und Null Privatleben, dafür mit grenzenloser Ausdauer gemeinsam mit dem vormaligen ÖRV Präsidenten, Josef Peterleithner und dem Fachverbandsobmann der Reisebüros in der WKO, Gregor Kadanka, aufwanden, hätte das stabile Branchenfundament wohl große Risse bekommen. Dafür kann man „diesem Triumvirat, diesen drei Menschen, die über diese Zeit zu einer Stimme wurden,“ wie es Buzzi ausdrückte, nicht laut genug danken, was im Rahmen der zwei Kongresstage auch erfolgte.

Übrigens, auch die Präsidenten des Deutschen Reiseverbands, Norbert Fiebig, und des Schweizer Reiseverbands, Max E. Katz, sowie der DRV-Hauptgeschäftsführer Dirk Inger und SRV-Geschäftsführer Walter Kunz waren in den Kasematten zu Gast und zeigten sich ob dieses Ziehens an einem Strang ziemlich beeindruckt. Ja, so ist Österreich, fällt einem dazu spontan ein!

Danke, Mr. ÖRV!

Damit, sagte Buzzi, noch mit einem Dankeschön an die vielen Sponsoren, die den Kongress in diesem tollen Rahmen mit ermöglichten, „können wir jetzt endlich wieder das tun, was wir am besten können: Reisen machen und verkaufen.“

Und dann übernahm „Joschi“ das Mikrofon, um nicht zu sagen das gewohnte Ruder, und führte in bewährt launiger Moderation durch den Kongress. Er begrüßte Franz Piribauer, der als Vertreter der niederösterreichischen Landesregierung die besten Grüße und Wünsche von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und des Wr. Neustädter Bürgermeisters, Klaus Schneeberger, übermittelte sowie den Geschäftsführer der Niederösterreich Werbung, Michael Duscher, dem die internationale Touristik aus Lauda Air Tagen noch bestens vertraut ist. 

Souverän und humorvoll und wie immer mit vielen Mannerschnitten im Talon führte Joschi durch (s)einen Kongress, der vor allem emotional noch lange in Erinnerung bleiben wird. Denn die Standing Ovations, die der nunmehrige Altpräsident – Josef „Joschi“ Peterleithner gab im Mai dieses Jahres die Präsidentschaft an Eva Buzzi ab – ausnahmslos von allen Teilnehmern beim abendlichen Dinner für seine mehr als neunjährige Präsidentschaft aber vor allem für seinen schon erwähnten unermüdlichen Einsatz im Dreiergespann während der heißen Coronaphase erhielt, war eine absolut verdiente Ehrerweisung für den „Mr. ÖRV“. Und der wird er wohl für immer bleiben.

Die Welt endlich besser machen

Inhaltlich stellte der Kongress ganz dem Motto entsprechend die vielen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft in den Fokus. Allen voran natürlich die Auswirkungen durch die Coronakrise auf die Reisebranche, die Weltwirtschaft und die Gesellschaft und die damit verbundenen Maßnahmen, die es in allen Branchen- und Unternehmensbereichen rasch und klug zu setzen gilt. Das fängt beim Menschen an und endet dort, wo der Mensch glaubt, seit Jahrhunderten „verbessernd“ einwirken zu müssen. In die Natur, nur wohin diese „humanoide Besserwisserei“ führt, zeigt sich leider längst in den echten Bildern und düsteren Prognosen.

Nehmen wir nicht endlich das Thema Nachhaltigkeit als das wahr und ernst, was es für die Zukunft unseres Planeten bedeutet, brauchen wir uns über ein stabiles Fundament der schönsten Branche der Welt den Kopf gar nicht mehr zerbrechen. Denn dann fällt uns, um mit Majestix zu enden, der Himmel endgültig auf den Kopf. „Erholung ist ohne intakte Umwelt nicht vorstellbar, wir sind uns bewusst, dass der Tourismus Teil des Problems, aber auch Teil der Lösung ist,“ so die einleitenden Worte im Programm zum 60. ÖRV Frühjahrskongress. Papier ist bekanntlich geduldig, die Welt hat jedoch keine Zeit mehr für wohlklingende aber inhaltsleere Worte.

„Wenn jeder an einer Schraube dreht, können wir die Welt besser machen – auch und gerade im Thema Nachhaltigkeit“, sagte Peterleithner dann auch in seinen Dankesworten an Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, die trotz der innenpolitischen Turbulenzen am zweiten Kongresstag den Weg in die Kasematten fand, um persönlich dankende wie erklärende Worte an die Reisebranche zu richten: 

„Corona hat uns alle in Mark und Bein erschüttert und uns persönlich sehr viel abverlangt. Die Reisebranche ist am härtesten ge- und betroffen und es ist noch nicht zu Ende, weil es noch keine vollständige Reisefreiheit gibt. Aber ich kann versichern, dass ich als Tourismusministerin mit meinem Team weiterhin alles dafür tun werde, um diese Krise gemeinsam mit Ihnen zu bewältigen und stärker daraus hervorzugehen. Denn die gute Nachricht ist, dass der Wunsch zu reisen noch nie so groß war wie jetzt. Das Ringen um Unterstützungen und Hilfsleistungen waren eine sehr schwierige Übung, weil die Reisebranche in der Abwicklung anders ist als andere klassische Tourismussparten, als Hotellerie oder Gastronomie. Daher galt auch, ein komplett anderes Modell zu entwickeln, was mit den frustrierten Aufwendungen denke ich gut gelungen ist. Der Verlustersatz läuft bis Dezember, wir wissen aber, dass wir weiter darüber hinaus denken müssen. Auch der Ausstieg und Rückzug der HDI hat die Reisebranche nicht nur in Österreich in voller Härte getroffen. Aber auch hier ist in kurzer Zeit mit der staatlichen Insolvenzabsicherung eine Interimslösung gelungen, die Planungssicherheit gibt. Und es wird evaluiert, dieses Modell bis Ende 2022 zu verlängern. Die Reisebranche musste bereits viel Geduld aufbringen, und wird bis zur vollständigen Rückkehr der Reisefreiheit weiter gefordert sein. Auch wenn dort und da noch an vielen Schrauben gedreht werden muss, wir werden alle wieder zu alter Stärke zurückkommen. Mit großen Chancen für die Zukunft.“ 

Eben diese Zukunft hängt aber noch stark von einem bzw. zwei kleinen Stichen – von der Impfung – ab, wie das auch Prof. Dr. Martin Selmayr als Vertreter der Europäischen Kommission in Österreich in seiner Zwischenbilanz über Europa und die Reisebranche in der Corona-Pandemie ausführte. „Die EU ist die Apotheke der Welt, weil im wohlverstandenen Eigeninteresse geht es darum, dass die ganze Welt geimpft ist, um wieder sicher reisen zu können. Und gerade Touristiker können hier als Botschafter für ein starkes und gemeinsames Europa und die ganze Welt fungieren.“ 

Die Vorträge von Dr. Oliver Fritz (WIFO), Philipp Marxgut (Complexity Science Hub Vienna), Edwin Prelog (Prelog Coaching), Lukas Charwat (Nothing Like Austria), Robert Chlebec (holiday 365), Wybcke Meier (TUI Cruises), Günter Exel (#impulse4travel) und Lisa Nussmüller (Weltweitwandern) sind auf der Homepage des ÖRV unter www.oerv.at abrufbar.
           
Die Twitter-Live-Reportage von Günter Exel zu beiden Kongresstagen kann unter nachstehenden Links nachgelesen werden:                                                 
www.oerv.at/de/index.php?page=twitter-live-reportage-2021
www.oerv.at/de/index.php?page=berichterstattung-tag1-2021
www.oerv.at/de/index.php?page=berichterstattung-tag2-2021

(Von Brigitte Charwat)

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