20.11.2021

Suwi, Suwi, noch einmal, es war …

… so wunderschön. Im Finale des Wettbewerbes zum „Besten Sommelier Europas & Afrikas“ wurde der Österreicher Suvad Zlatic ausgezeichneter Dritter.

Österreichs Sommelier-Gilde darf feiern. Der Landecker Suvad Zlatic hielt in Zypern die heimischen Fahnen hoch und belegte bei der Sommelier Europameisterschaft (inklusive Afrikas) den hervorragenden dritten Rang. In einem atemberaubenden und an Dramatik kaum zu überbietenden Finale musste sich Zlatic schlussendlich dem späteren Sieger, der Italiener Salvatore Castano, und der zweitplatzierten Dänin Nina Jensen, geschlagen geben.

Der Festsaal im Four Seasons in Limassol bebte als die drei unter tosendem Applaus wie Rockstars gefeiert wurden. Es glich einer eruptiven Explosion, weil es zuvor, während der Ausscheidung muxmäuschenstill war.

Supernase läuft zur Hochform auf

Wie sehr Zlatic ein Wettkampfsommelier ist, zeigte sich im Finale – dessen Erreichen schon eine Sensation ist – der letzte Drei. In einer an Dramatik kaum zu überbietenden Blindverkostungsorgie lief Zlatics Supernase, man kann es nicht anders sagen, zur Hochform auf. Als einziger vermochte er einen Wein (Nebbiolo, Piemont) nicht nur lückenlos zu identifizieren, sondern traf auch bei der Jahrgangszuordnung ins Schwarze. Für die Prüfungen im Finale wurden verschiedene Restaurantsituationen gebaut und mit hochkarätigen Gästen – ehemaligen Gewinnern internationaler Sommelierwettbewerben – besetzt. Gefordert wurde etwa das Kreieren und Servieren eines Cocktails für drei Personen, der auf einer Barkarte angeführt war, wobei man mit den vorhandenen Zutaten zurechtkommen musste und die dafür nötige Flasche Champagner nicht sofort sichtbar war. Weiters galt es für sechs Personen ein Rotweinservice zu absolvieren und dabei aus den vorbereiteten Weinen den passenden zu einem Fischgericht auszusuchen. Ebenso waren fünf verschiedene Weine blind zu erkennen, sie nach Süßegrad zu ordnen und im Anschluss mit Vieren davon die perfekte Speisenfolge zu kreieren. Die nächste Blindverkostung bestand aus drei Getränken – drei verschiedene Varianten von Chartreuse. Hier konnte Suwi Zlatic seine Verkostungsfähigkeit mit exakter Treffsicherheit veranschaulichen. Es schien perfekt zu laufen für den Österreicher. Doch hie und da schlichen sich minimale Flüchtigkeitsfehler ein, die ein Gast vermutlich gar nicht erst bemerkt, den Argusaugen der Juroren aber nicht verborgen blieben. Ein einziges, offensichtliches Manko bot Zlatic, als er bei einer eher nebensächlichen Frage rhetorisch ins Schlingern geriet, die Situation zwar rettete, aber halt doch keinen perfekten Eindruck hinterließ. Chefjuror (und früherer Weltmeister) Olivier Poussier forderte nicht nur höchste Aufmerksamkeit, sondern gutes Auftreten und jene Souveränität, die man sich auch in einem Restaurant von einer Sommelière oder einem Sommelier erwartet. Hier geht es allenfalls um Nuancen, die den Unterschied ausmachen, die eventuell auch von der Tagesform (des Juroren) abhängen.

Nichts für schwache Nerven

Wie sehr dieses Wettbewerbsformat imstande ist, am Nervenkostüm eines Teilnehmers zu zerren, zeigte sich an der Vorstellung der Finalisten. Einzeln, fast schon wie Delinquenten, wurden sie auf die Bühne gebeten, um zu erfahren, ob sie ins Finale gekommen sind oder eben nicht. Die Teilnahme an einem internationalen Sommelier-Wettbewerb ist mit Spitzensport zu vergleichen, wofür es entsprechendes Training und die nötige mentale Stärke braucht.

Die Freude über das historische Abschneiden eines Österreichers ist natürlich riesig. Annemarie Foidl, Präsidentin der Sommelier Union Austria, im Gespräch mit HGV PRAXIS: „Die harte Arbeit von über zehn Jahren wurde heute belohnt! Suwi Zlatic hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen und sich an die Spitze Europas gekämpft. Das harte Training, die vielen Entbehrungen und der enorme Einsatz haben heute zum Erfolg geführt. Er ist damit der zweite Tiroler, der es international an die Spitze geschafft hat. Norbert Waldnig, der nunmehrige Mentor von Suwi Zlatic, hat zuletzt 1998 bei der Weltmeisterschaft in Wien als Drittplatzierter gezeigt, was man erreichen kann.“

Zlatic selbst war von einer großen Erleichterung getragen, vergaß aber nicht, selbstkritisch zu reflektieren: „Es waren harte Wochen, in denen mich meine Trainerin Carole Stein auf den Prüfstand stellte. Ich hatte einen klaren Tagesrhythmus ohne Handy, der auch trotz der Pandemie eisern eingehalten wurde. Allen voran war es aber die mentale Arbeit, die gnadenlose Ehrlichkeit zu mir selbst und den eigenen Schwächen, die mir mehr innere Ruhe verliehen. “ „Aber“, und da blitzt wieder ganz der alte Suwi Zlatic durch, „jetzt habe ich Blut geleckt.“ Im Februar 2023 vertritt er Österreich bei der Sommelier WM in Paris.

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