10.02.2021

Tirol sind wir alle!

Das verflixte Virus macht, wie wir innerhalb des letzten Jahres vehement erfahren mussten, weder vor Staats- noch Landesgrenzen Halt und erhebt auch jetzt, da wir mit aller Maßnahmenkraft versuchen, den Beelzebuben mit selbigem auszutreiben, egal ob südafrikanisch, brasilianisch oder britisch gefärbt, keinen Anspruch auf regionale Exklusivität. Ein Kommentar von Brigitte Chatwat.

Auf die regionale Exklusivität legt – von Eisenstadt bis Bregenz – sowieso niemand gesteigerten Wert und dennoch schiebt man Tirol gerade den Schwarzen Peter zu und stellt das Andreas Hofer Land ins kollektive Büßereck. Dabei werden Erinnerungen an das Jahr 1985 wach ...

Wie lange es braucht, ein ramponiertes Image, eine kaputte Reputation und verlorenes Vertrauen in eine etablierte Marke zu reparieren und nachhaltig wieder zu verankern, davon können Österreichs Winzer ein ziemlich langes und lautes Lied singen. 

Der Weinskandal

Bis weit über die Landesgrenzen hinaus für seine feinen Tröpferl und die vielbesungene Wein-Seligkeit und Heurigen-Gemütlichkeit bekannt, waren es 1985 – so wie jetzt gerade in Tirol – auch nur „ein paar Kreativlinge“, die damals das Wein-Vorzeigeland Österreich mit einem Federstrich von der internationalen Weinlandkarte fegten, damit einen ganzen Berufsstand in Misskredit brachten und das Image Österreichs als eines der weltweiten Top-Wein-Reiseländer nachhaltig auf lange Zeit beschädigten.

Denn außer der auch heute grundsätzlich noch erlaubten, aber von der neuen, jungen und wilden Winzergeneration kaum mehr praktizierten Tradition des Aufzuckerns – um den Alkoholgehalt des Weines um ein bis zwei Prozent zu steigern, wird dem gärenden Traubensaft Zucker zugesetzt – versetzten einige Weinbauern den Wein noch mit Diethylenglykol und – der illegalen Panscherei nicht genug – ließen sie zu guter Letzt dieses grausliche Gemisch, das vom guten österreichischen Wein so weit entfernt war, wie die Sonne vom Mond, von deutschen Großabfüllern mit anderen „Weinen“ vermischen und vermarkten. Auf diese ziemlich unsaubere Art und Weise wurden billige Massenweine „veredelt“ und der Absatz von Spätlese- und Trockenbeerauslesen sowie Eisweinen – allesamt Weine mit hohem Zuckergehalt – der Nachfrage folgende veritabel gesteigert. 

Mitgehangen, mitgefangen, der Glykol-Skandal - der sich zu einem grenzüberschreitenden medienwirksamen Lebensmittelskandal auswuchs – hatte für das Weinland Österreich fatale Folgen, denn die Wein-Panscherei stellte die gesamte heimische Winzerzunft international an den Pranger und ruinierte über Jahre die Reputation des Weinexport- und Reiselandes Österreich. Nur, weil eine Handvoll Weinbauern aus dem Burgenland und Niederösterreich den Hals nicht voll genug bekommen konnten und nur sie alleine für den Vertrauensverlust in ein ehrbares und hartes Gewerbe und ehrliches Produkt, für den Rückgang in den Wein-Absatzmärkten auf nahezu Null sowie ein über Jahre beschädigtes Image verantwortlich waren.

Als unmittelbare Folge der Wein-Panscherei brach die Vermarktung und der Weinexport aus Österreich fast gänzlich ein, Millionen von Flaschen mussten vom Markt genommen werden - Belgien etwa nahm über längere Zeit alle österreichischen Weine aus den Regalen. Gesamt wurden an die vier Millionen Liter Wein beschlagnahmt, was für viele ehrliche Winzer das Ende bedeutete. 

Der hartnäckige Feind

Jetzt, in Tirol, passiert gerade Ähnliches, nur ist’s halt ein unsichtbarer aber dennoch allgegenwärtiger und ziemlich hartnäckiger Feind. Dem die Mehrheit der Tiroler und Österreicher auch als ernstzunehmende Gefahr mit entsprechender Vorsicht begegnet. Aber wie das halt so ist, mit dem „Aufzuckern“, reichen auch hier ein paar schwarze Schafe, um die ganze Herde in Sippenhaftung zu nehmen.

Wohin das in Kombination mit politischem Balzgehabe der Platzhirsche aus Wien und Tirol führt – das weder Tirol noch ganz Österreich wie den sprichwörtlichen Kropf braucht – haben die Wein-Panscher aus dem Burgenland und Niederösterreich vor 36 Jahren bereits leidvoll vorgemacht.

Tja, ist der Ruf erst mal ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert und ziemlich lange isoliert. Und das braucht im harten Restart-Prozess weder Tirol noch ganz Österreich. 

#wirgemeinsamjetzt – denn Tirol sind wir alle! 

b.charwat(at)manstein.at

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