22.04.2021

Tiroler sehen sich für "Sommer-Comeback" gerüstet

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) betont einmal mehr die Wichtigkeit eines Grünen Passes für den Tourismus. Die Wirtschaftskammer fordert einen "verbindlichen Zeitplan", ein "auf- und wieder zusperren" müsse verhindert werden.

Nachdem die Bundesregierung für voraussichtlich Mitte Mai vorsichtige Öffnungsschritten in Aussicht gestellt hatte, sieht sich die Tiroler Tourismuswirtschaft gerüstet für ein "Sommer-Comeback". "Es gibt Perspektiven", stellte Landeshauptmann und Tiroler Tourismusreferent Günther Platter im Rahmen einer Pressekonferenz fest. Er gehe von Öffnungsschritten "rund um Mitte Mai" aus. Tourismus sei hierzulande die zentrale Lebensader, Tirol sei jedenfalls gut auf das Wiederhochfahren vorbereitet. "Sicherheit muss das Herzstück eines jeden Tirol-Aufenthalts sein", so Platter, der überzeugt war, dass die Branche den Beweis erbringen wird, dass Tirol eines der sichersten und gesündesten Urlaubsländer ist.

Martina Entner, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Tirol, forderte einen "konkreten und verbindlichen Zeitplan". Ein "verlässliches Datum" sei Voraussetzung für klare Perspektiven. Weil die Buchungsbereitschaft verhalten ist, fehle ohnehin schon etwas an Planbarkeit. Flexible Stornolösungen seien aber "notwendig, um Tirols Ruf als Top-Tourismus-Destination zu gewährleisten", waren sich die Tourismus-Experten einig.

Vertrauensaufbau und „Safe Service“

Als verantwortungsvolle Gastgeber hätten Betriebe umfassende Sicherheits- und Hygienekonzepte ausgearbeitet, in allen Tourismusverbänden gäbe es zudem einen Covid-Beauftragten, berichtete indes Platter. Mit der in Österreich noch einzigartigen Initiative "Safe Service" würde das Land kostenlose Corona-Schulungsprogramme für Servicemitarbeiter anbieten. "Hier sind wir einen Schritt weiter als andere Bundesländer", betonte Mario Gerber, Spartenobmann Tourismus- und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Tirol. 

Zwei neue Websites der Tirol Werbung sollen einen Beitrag leisten, um das große Informationsbedürfnis zu stillen. Sicherheit sei wesentlich für den "Vertrauensaufbau", so Florian Phleps, Geschäftsführer der Tirol Werbung. Zudem böte das Land Gästen und Mitarbeitern gleichermaßen eine Testkapazität, die ihresgleichen sucht, wodurch sich niemand um einen Corona-Test sorgen müsse, hob Platter hervor. 

Einen Grünen Pass, wie er bereits in Israel eingeführt wurde, hielt der Landeshauptmann für "dringend notwendig" und als "Schlüssel für die Reisefreiheit". Wesentlich sei hier eine "einfache Handhabe" und "enge Abstimmung mit den Nachbarländern". Nur Geimpften den Grünen Pass auszuhändigen sei "zu kurz gegriffen", meinte der Landeshauptmann und plädierte auch für Freiheiten für jene, die Antikörper oder einen negativen Test vorweisen können. Er rechne mit einer Entscheidung Ende April. Wann ein Grüner Pass eingeführt werde, könne man aus heutiger Sicht noch nicht sagen. Fest stehe jedenfalls, dass Reisewarnungen fallen müssten und es für eine erfolgreiche Tourismussaison eine Reisefreiheit brauche: "Mit Quarantäne geht das nicht". 

Urlaub in Tirol ist gefragt

Als "weiteren Grund zur Vorfreude" sah der Landeshauptmann die "ungebrochene Nachfrage und große Sehnsucht". Wie eine rezente, repräsentative Erhebung des Instituts IMARK im deutschen Markt zeige, sei die "Marke Tirol" in Deutschland weiterhin von vielen positiven Aspekten geprägt. Man habe also durch negative Berichterstattung - auch rund um die Causa Ischgl - keinen bleibenden Imageschaden erlitten. 

Jeder zweite Deutsche, der einen Aufenthalt in Österreich plant, interessiere sich laut Sommerpotenzialstudie für Tirol, zitierte auch Phleps aktuelle Erhebungen. Die Reiselust sei ungebremst: 47 Prozent der Urlaubsplaner aus Österreich und gleich 60 Prozent aus Deutschland wollen sobald wie möglich eine längere Reise von mehr als fünf Tagen unternehmen. "Diese Zustimmung ist keine Selbstverständlichkeit, sondern auch ein Auftrag. Wir werden unsere Versprechen einhalten", betonte Platter.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus

Hubert Siller, Leiter MCI Tourismus, trug aktuelle Zahlen vor: Zehn Milliarden Euro an touristischem Konsum seien ausgeblieben. Im Sommer 2020 habe man zwar betriebswirtschaftliche Erfolge verzeichnen können, deutliche gesamtwirtschaftliche Einbußen seien dennoch angefallen. Der Tourismus spiele auch für regionale Wirtschaftskreisläufe eine prominente Rolle, speziell im ländlichen Raum, betonte Siller. Während manchmal behauptet werde, es gehe um "immer mehr, immer höher, immer weiter" sei die Realität eine andere: Vielmehr sei es zu einer Konsolidierung bei der Bettenanzahl gekommen. Die touristische Wertschöpfung basiere auf einem "sehr geringen Flächenverbrauch".

"Wir müssen den Tourismus hierzulande nicht neu erfinden, werden aber Adaptierungen dort vornehmen, wo es Fehlentwicklungen gibt", stimmte Platter zu. Derzeit werde noch an der Tourismusstrategie gefeilt, in der zweiten Juniwoche soll sie präsentiert werden, kündigte der Landeshauptmann an und verriet: Wertschöpfung durch Qualität und Nachhaltigkeit anstatt durch Masse laute die Devise des "nachhaltigen Tiroler Wegs".

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