25.03.2022

Tourismus kommt nur schwer aus der Krise

Zunächst die Pandemie, nun der Ukraine-Krieg - das macht aufkeimende Hoffnungen auf eine baldige Rückkehr zur Normalität zunichte, auch im heimischen Tourismus. Trotzdem könnte der ein Konjunkturmotor sein, betont die Hoteliervereinigung.

Schon alleine aufgrund von Corona lagen die Buchungen in der bisherigen Wintersaison 2021/22 (November bis Februar) mit nur 33,2 Millionen Nächtigungen um fast 40 Prozent nach wie vor deutlich unter dem Vorkrisenniveau im Winter 2019/20, wie aus vorläufigen Daten der Statistik Austria hervorgeht.

Gegenüber dem vorangegangenen Winter 2020/21 bedeutet die heurige Nächtigungsbilanz mit einem Plus von 29,7 Millionen Buchungen freilich fast eine Verdoppelung, allerdings von einem historisch niedrigen Niveau aus. Denn infolge der fast durchgängigen behördlichen Betretungsverbote für Urlauber in den Beherbergungsbetrieben war der vergangene Winter für den Tourismus quasi ein Totalausfall - nur Geschäftsreisen und Kuraufenthalte waren erlaubt. Gegenüber dem Vorjahr hat sich auch die Zahl der Gästeankünfte im heurigen Winter bisher um 7,3 Millionen auf 8 Millionen erhöht.

"Österreichs Tourismus erholt sich nur langsam von der Coronakrise", hielt Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas fest. Vor allem der Februar zeigte zunächst ein starkes Comeback-Zeichen. Auf den traditionell stärksten Monat der Wintersaison entfielen 13,6 Millionen Nächtigungen, das war fast die Hälfte der bisherigen Winterbuchungen und "nur" noch um knapp ein Viertel weniger als im Februar 2019, vor der Pandemie. Am 24. Februar 2022 erfolgte dann der Einmarsch der Russen in die Ukraine, seither herrscht unweit von Österreich Krieg.

Im bisherigen Kalenderjahr 2022 (Jänner und Februar) hatten sich bis dahin deutliche Erholungstendenzen gezeigt, mit einen Rückstand bei den Nächtigungen von 27,9 Prozent zum gleichen Zweimonatszeitraum 2020 knapp vor Corona. Heuer wurden bisher 23,8 Millionen Übernachtungen von 5,53 Millionen Gästen verbucht.

Politik ist wieder am Zug

Es gelte jetzt, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die wirtschaftliches Arbeiten verhindern, so Gratzer. Eine rasche Rückkehr zur Normalität ist entscheidend. Laut aktueller WIFO-Konjunkturprognose ist für das Gesamtjahr von 13,5 Mrd. Euro Bruttowertschöpfung im heimischen Tourismus auszugehen. Das wären knapp zwei Drittel mehr als 2021, dem schlimmsten Jahr der heimischen Tourismusgeschichte. „Die Februar-Zahlen geben Hoffnung, auch für den März sehen die Buchungen gut aus. Sinken die Infektionszahlen rechtzeitig vor Ostern, wird noch einiges dazukommen und wir machen einiges an Boden wett“, so der ÖHV-Generalsekretär. 

Wie das WIFO ortet auch Gratzer Unsicherheitsfaktoren, allen voran steigende Energie- und sonstige Ausgaben sowie Gästeausfälle aus Fernmärkten infolge der Ukraine-Krise: „Die Nachfrage steigt, doch den Betrieben galoppieren die Kosten davon und so viele offene Stellen sind schwer zu besetzen. Wirtschaftlich arbeiten ist aktuell ein Spagat.“ Bund und Länder bräuchten jetzt eine umfassende Analyse von Chancen und Risken für den Tourismus-Aufschwung, um die richtigen Hebel rasch ansetzen zu können: „Österreichs Wirtschaft braucht eine Konjunkturlokomotive unter Volldampf. Der Tourismus kann und wird diese Rolle übernehmen, wenn die Politik die Weichen richtig stellt“, so Gratzer.

Entscheidende Handlungsfelder seien eine kurz- und mittelfristig wirksame Anti-Corona-Strategie, effektive Maßnahmen zur Kostendämmung und zur Besetzung offener Stellen: „Die werden mit der Nachfrage weiter zunehmen. Es wäre jetzt an der Zeit, Programme zur Umschulung in den Tourismus in die Auslage zu stellen.“ Parallel dazu brauche es sofort gezielte Maßnahmen zur Wiederbelebung des Städtetourismus.

Das Sorgenkind Städtetourismus

Trotz erster Erleichterung über das spürbare Anspringen der Buchungen bleibt zu bedenken, dass dies fast ausschließlich die Ferienhotellerie betrifft, worauf auch die Wirtschaftskammer Wien hinwies. "Man darf hier nicht alle Bundesländer in einen Topf werfen - wir in Wien haben im Februar 2022 lediglich 43 Prozent der Nächtigungszahlen von Februar 2019 erzielt", strich der Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, Markus Grießler, hervor. Gegenüber dem Vorkrisenniveau im Februar 2019 war das Nächtigungsminus in der Bundeshauptstadt mit 57 Prozent mehr als doppelt so groß wie im bundesweiten Durchschnitt (24 Prozent) Im bisherigen Winter liegt Wien bei den Nächtigungen noch um rund 70 Prozent unter den Werten vor der Coronakrise im Winter 2019/20, im Vergleich zu einem Minus von 37,7 Prozent im Österreich-Schnitt.

(APA/Red)

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