13.06.2022

Tourismusförderung wird neu aufgestellt

Die Pandemie hatte als Folge die Neuausrichtung der gewerblichen Tourismusförderung um mehr als zwei Jahre hinausgezögert, jetzt steht das Konzept. Die neuen Richtlinien sollen ab 2023 gelten.

Nachhaltigkeit und die finanzielle Widerstandskraft der zumeist familiengeführten Betriebe im heimischen Tourismus werden künftig verstärkt gefördert, betont Tourismusstaatssekretärin Susanne Kraus-Winkler am Montag vor Journalisten. Zusätzlich zu den bewährten Instrumenten - Zuschüsse, geförderte Kredite und Übernahme von Haftungen - „wird es ein neues Instrument geben, das wir 'Nachhaltigkeitsbonus' nennen“, so Kraus-Winkler. Ziel aller Bemühungen ist die Stärkung von familien- und inhabergeführten Betrieben, die ja einen Großteil der österreichischen Tourismuswirtschaft ausmachen. „Eine ökologische, ökonomische und sozial nachhaltige Tourismuswirtschaft.“ 

Eckpunkte der neuen Richtlinien

Zentraler Bestandteil in der Neugestaltung des Zuschussinstruments ist der sogenannte Nachhaltigkeitsbonus. „Künftig wird ein Bonus mit geförderten Krediten kombinierbar sein und somit werden auch höhere Förderungen möglich sein“, stellte die Staatssekretärin in Aussicht. Der Bund fördere dabei 7 Prozent und es gibt die „Einladung“ an die Länder, „diesen Zuschuss des Bundes noch mal zu verstärken", regte sie eine Aufstockung der Bundesförderung auf Länderebene an. Für die Vergabe werde es ein Punkteschema geben. Bei der Neuausrichtung der Förderungen sei auch wichtig gewesen, "dass sie zielgerichteter werden".

Die neugestaltete Förderrichtlinie fokussiert sich auf drei Bereiche. Zunächst auf Anreize für Investitionen im Bereich Umwelt und Ressourcenschoung. Dazu gehören zum Beispiel die thermische Sanierung, der Umstieg des Heizsystems auf erneuerbare Energieträger, der Einbau energieeffizienter Geräte oder Entsiegelungsmaßnahmen. Nicht gefördert werden Vorhbane, die zur weiterer Bodenversiegelung führen und auch nicht Investitionen in fossile Energieträger.

Der zweite Bereich betrifft Mitarbeiter und Regionen. Förderwürdig sind die Errichtung von attraktiven Unterkünften und auch Einrichtungen zur Kinderbetreuung. Dabei sind auch überbetriebliche Kooperationen möglich. Zudem sollen die Tourismusförderungen auch die Entwicklung in den Regionen selbst unterstützen, etwa ein Schwimmbad, dass auch von der lokalen Bevölkerung genutzt werden kann. Gefördert wird auch die Leerstandsaktivierung. Nicht mehr förderungswürdig sind Neubauten in tourismusintensiven Gebieten. Per Definition sind das Gemeinden mit mehr als 500.000 Nächtigungen, was 44 Gemeinden in Österreich betrifft. Auch immobiliengetriebene Projekte, die keinem reinen touristischen Nutzen dienen, fallen raus.

Desweiteren sollen Betriebsübergaben erleichtert werden, etwa mit einem Zuschuss für begleitende Investitionen im Zuge von Betriebsübernahmen (auch durch langjährige Mitarbeiter) oder die Restrukturierung zur Vorbereitung einer Betriebsübergabe. Die Digitalisierungsmaßnahmen der Branche ist natürlich ebenfalls förderungswürdig.

Zur Stärkung der traditionell geringen Eigenkapitalquote soll es zudem Anreize zur Eigenkapitalbildung geben, sogenannte „Equity-Growth-Maßnahmen“ in der Haftungsrichtlinie. Das bedeutet: Bei einem Verkauf von nicht-betriebsnotwendigem Vermögen oder auf sonstige Weise wird Eigenkapital für den Betrieb aufgebracht – bestehende Kredite werden durch eine Bundeshaftung besichert und damit neu gestioniert. 

Beispiel des Ministeriums zu den neuen Fördermodellen

  • Ein 4-Stern-Hotel plant die qualitative Aufwertung bestehender Zimmer mit Investitionskosten in Höhe von 500.000 Euro. Davon entfallen 100.000 Euro auf wassersparende Armaturen, effiziente Beleuchtungen sowie moderne Fenster. Für die gesamte Investition erhält das Hotel einen Investitionskredit in Höhe von 350.000 Euro, der durch einen zehn Jahre laufenden Zinsenzuschuss von maximal 2 Prozent gefördert wird; dieser beläuft sich auf insgesamt rund 40.000 Euro. Für die nachhaltikeitsrelevante Teil-Investition in Höhe von 100.000 Euro kann zusätzlich ein Nachhaltigkeitsbonus von rund 7.000 Euro gewährt werden.
     
  • Zwei benachbarte Beherbergungsbetrieb mit gemeinsam über 1ßß Beschäftigten mieten bisher in ihrer Gemeinde mehrere Wohnungen zur Unterbringung der BEschäftigten. In der selben Gemeinde steht seit mehreren Hahren ein Hotel leer- Die beiden Unternehmer schließen sich zu einer Koopertation zusammen und kaufen das leerstehde Gebäude. Um das Gebäude in ein modernes Mitarbeiterhaus umzuwandeln, werden zusätzliche Mittel in Höhe von 1,2 Millionen Euro benötigt, für die ein geförderter Investitionskredit in Höhe von 840.000 Euro aufgenommen werden kann. Dieser wird zehn Jahre mit einem Zinsenzuschuss in Höhe von maximal 2 Prozent gefördert; die Kooperation erspart sich Zinskosten in Höhe von rund 96.000 Euro. Da die Maßnahmen dem Arbeitskräftemangel entgegenwirtk und Leerstand aktiviert, kann für das gesamte Projekt ein Nachhaltigkeitsbonus in Höhe von rund 84.000 Euro gewährt werden.

Österreichs Wirtschaft stärken

„Österreich soll zu den nachhaltigsten Destinationen in Europa gehören“, machte Kraus-Winkler als übergeordnetes Ziel der Förderungen fest. Bisher lag der Fokus auf Qualitätsverbesserung, Betriebsgrößenoptimierung und Betriebsübergaben. Die neue Förderstrategie „soll innovative, zukunftsweisende Impulse setzen“. Die vergangene Förderperiode 2014-2020 wurde wegen der Pandemie auf den 30. September 2022 verlängert. „Wir sind da schon unter Zeitdruck“, so Kraus-Winkler. Die Richtlinie steht, jetzt braucht es noch das Einvernehmen mit dem Finanzministerium.

Der Fördertopf wurde im vergangenen Jahr um 10 Mio. Euro erhöht, womit heuer 31 Mio. Euro zur Verfügung stehen - 24,5 Millionen davon gehen laut Martina Titlbach-Supper, Leiterin der Abteilung Tourismusförderung im Ministerium, direkt in die Förderung, 5 Millionen für Haftungsausfälle und 1,5 Millionen für Abwicklungsaufwendungen. Es wurde auch bereits fleißig abgerufen, man gehen davon aus, dass das Budget ausgeschöpft wird. Basis ist das KMU-Förderungsgesetz, also Betriebe mit höchstens 250 Mitarbeitenden und 50 Mio. Euro Umsatz bzw. Bilanzsumme. Für die Abwicklung war bisher die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) als Ansprechpartner für die Förderwerber zuständig.

„Ihr werdet von uns nicht viel Ankündigungspolitik hören, sondern Sachpolitik und Ergebnispolitik“, stellte die neue Staatssekretärin in Aussicht, die bis vor kurzem Obfrau des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) war und selbst Unternehmerin ist. Die Förderpolitik ist ein wirksames Werkzeug, strukturelle Veränderungen herbeizuführen, ist sie überzeugt.

(APA, Schweighofer)

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