03.02.2021

Über 90 Prozent Einnahmeverluste in der Wintersaison

Für die gesamte Wintersaison seien noch keine gesicherten Prognosen möglich, der weitgehende Entfall der "ist jedoch nicht mehr zu verhindern", betont man beim Wifo. Selbst weiter als derzeit erwartete Öffnungsschritte ab März würden daran wenig ändern.

Aktuell schätzt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), dass sich die Zahl der Nächtigungen im Winter 2020/21 (November 2020 bis April 2021) auf insgesamt nur rund 10,2 Millionen belaufen und damit um etwa 83 Prozent unter Vorjahreswert liegen wird. Im Vergleich zum Rekordwinter 2018/19 mit 72,9 Millionen Übernachtungen wäre das ein Einbruch von über 86 Prozent. 

Im stärksten Winter-Bundesland Tirol rechnet das Wifo 2020/21 nur mehr mit 3,1 Millionen Nächtigungen, im Vorjahr immerhin noch 22,9 Millionen, in der "Normalsaison" 2018/19 sogar 27,4 Millionen. In Salzburg wird ein Rückgang auf 1,7 Millionen Nächtigungen erwartet, nach 13,7 Millionen bzw. 16 Millionen in den beiden Jahren davor. Für Wien prognostizieren die Wirtschaftsforscher 0,9 Millionen - in der vorangegangen Wintersaison lag die Nächtigungszahl bei 5,7 Millionen und 2018/19 bei 7,8 Millionen.

In den ersten beiden Monaten der Wintersaison sanken die Einnahmen der Betriebe nach ersten Schätzungen nominell um 90,3 Prozent und preisbereinigt (real) um 90 Prozent - ohne Berücksichtigungen von Zahlungen der öffentlichen Hand im Rahmen der Covid-19-Hilfen. Die stark von ausländischen Gästen abhängigen Bundesländer erlitten sogar einen fast völligen Ausfall. 

Was der Sommer bringt 

Gehe man in einem unter derzeitigen Gegebenheiten "wohl sehr optimistischen Szenario" davon aus, dass die Nächtigungen bereits im Mai 2021 bei drei Viertel des Nächtigungsniveaus von Mai 2019 zu liegen kommen und die Nachfragelücke dann weiter sinkt - um 5,5 Prozent gegenüber 2019 im dritten Quartal und um 3 Prozent im vierten Quartal - "so wird das Nächtigungsniveau 2021 nur knapp jenes des Jahres 2020 erreichen". Es würde damit um rund 36 Prozent unter dem Wert des Jahres 2019 liegen.

"Somit ist frühestens 2022 mit einer Nachfrage zu rechnen, die annähernd das Vorkrisenniveau erreicht", erwarten die Wirtschaftsforscher. Gehe man davon aus, dass die Erholung des Städtetourismus durch die Abhängigkeit von Fernmärkten und Flugverbindungen verzögert eintritt, so dürfte erst 2023 mit einer Normalisierung zu rechnen sein.

Eigenkapital stärken

 „Den Betrieben geht die Luft aus, das Finish ist aber noch lange nicht in Sicht“, kommentiert Markus Gratzer, Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), die jüngste Tourismusanalyse des Wifo. Die Alarmglocken läuten. Die EU-Kommission habe mit einer Verlängerung und Aufstockung des Befristeten Beihilferahmens bereits reagiert, „nun müssen die Instrumente in Österreich rasch an die neuen Möglichkeiten angepasst werden, um den Unternehmen Sicherheit zu geben“, so Gratzer.
 
Der Weg zur Krisensicherheit führt mittelfristig über mehr Eigenkapital, ein altes Problemfeld der heimischen Hotellerie. Nur die besten der besten Betriebe schaffen es über die Grenze von 30 %, ab der ein Unternehmen als gesund gilt. Die ÖHV hat zur Stärkung der Eigenkapitalquote einige Vorschläge, von einer Aktivierung der stillen Reserven und des Kapitalstockes bis hin zu Mezzaninkapital, den direkten Investments privater Anleger in den Betrieb. „Nur wenn wir es schaffen die Eigenkapitalquote deutlich zu heben und längerfristig zu stabilisieren sichern wir den Erhalt der Hotels ab. Die Weichen dafür müssen wir jetzt stellen“, betont der Generalsekretär.

(APA/Red)

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