03.12.2020

„Überleben der Branche sicherstellen“

Die Branchenvertreter von Hotellerie und Gastronomie sehen die Verlängerung des Locksdowns bis 6. Jänner pragmatisch, fordern aber zielgenaue Maßnahmen der Unterstützung und Anpassungen. 

Die bittere Gewissheit ist da, dass das Weihnachts- und Silvestergeschäft ausfallen werden. Schmerzlich, aber wohl unvermeidlich sei die Verlängerung des Lockdowns, erklärt Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), in einem ersten Statement. Wenn die Zahlen nach Silvester dann „passen“, gebe es eine gute Chance auf eine schrittweise Rückkehr zur Normalität und damit „der Rettung vieler Arbeitsplätze und Existenzen.“ 

„Zumindest können wir aber jetzt wieder planen, anstatt nur zuzuwarten“, kommentieren Susanne Kraus-Winkler und Mario Pulker, die Obleute der Fachverbände Hotellerie und Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) die aktuelle Situation. „Wir haben immer betont, dass ein Öffnen unter zu rigorosen Einschränkungen für die Branche wirtschaftlich nicht tragbar ist. Es ist zu hoffen, dass die nun verlängerte Schließung die virologische Situation soweit verbessert, dass eine Wiederöffnung der Betriebe unter halbwegs normalen Rahmenbedingungen möglich sein wird, sprich, dass dann auch der Wellnessbereich geöffnet werden kann oder es eine spätere Sperrstunde gibt.“

Hoffen auf erfolgreichen Re-Start des Geschäfts

Bis 7. Jänner haben Gastgeberbetriebe dann in Summe fast fünf Lockdown-Monate hinter sich. Der Ausfall des wichtigen Dezembers und des Feiertagsgeschäfts verschlimmert natürlich die wirtschaftliche Situation. Die Beherbergung werde 2020 voraussichtlich Einnahmenausfälle von 6 Mrd. Euro bzw. 45 % verzeichnen, rechnet die ÖHV vor. 

Entscheidend wird in den kommenden Wochen zudem die Entwicklung in den wichtigsten Herkunftsmärkten, etwa Deutschland oder die Niederlande, sein. Vor allem die Stadthotellerie wird noch wesentlich länger unter den fehlenden Touristen aus dem Euroraum und den Überseemärkten leiden. Susanne Kraus-Winkler: „Wir werden die nächsten Wochen nützen, den Re-Start der Hotellerie so vorzubereiten, dass wir mögliche Chancen bestmöglich und jederzeit nutzen können. Denn wir sind Unternehmer und wollen in erster Linie Gäste begrüßen.“

Wirtschaftshilfen müssen greifen

Viele aus der Branche geforderten Maßnahmen hat die Regierung bereits umgesetzt, ob Umsatzsteuer-Senkung, Erleichterungen bei der Kurzarbeit, die Verlängerung der Stundungen und der Überbrückungskredite und aktuell die Erleichterungen beim Neustartbonus und die Verlängerung des Umsatzersatzes. „Für viele Betriebe wird das Überleben von der konkreten Ausgestaltung der heute präsentierten weiteren Zuschussmodelle abhängen“, betont Mario Pulker.

Der Umsatzersatz neu für Dezember im Ausmaß von 50 % und das Weiterführen der Kurzarbeit würden die allermeisten Betriebe über diese kritische Phase retten, argumentiert auch Michaela Reitterer. Aber gerade für Leitbetriebe wird die 800.000 Euro-Grenze zum existenziellen Problem: „Betriebe mit einer dreistelligen Zahl von Beschäftigten, wo mehrere Standorte in einem Unternehmen zusammengefasst sind, stoßen EU-rechtlich rasch an Grenzen. Da brauchen wir schnell eine Lösung, nicht nur für die Hotellerie, nicht nur für Österreich, sondern für viele Tausend Arbeitsplätze in ganz Europa.“
 

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