13.05.2020

Und wann öffnen Sie Ihren Betrieb?

Der nächste große Schritt zurück in die "neue Normalität" während der Coronakrise erfolgt am Freitag mit der Öffnung der Gastronomie, zwei Wochen später folgt die Hotellerie. Noch immer bleiben viele Fragen offen, die Unsicherheit ist groß.

Die Wiedereröffnung erfolgt unter rigorosen und auch für die Gäste gewöhnungsbedürftigen Vorgaben. Vor dem Comeback der Gastro-Szene gibt es viel Vorfreude, aber nicht nur. Dies bestätigte auch Mario Pulker, der Obmann des Fachverbandes Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ): „Viele Mitgliedsbetriebe sagen, sie sind schon ausreserviert fürs Wochenende, wissen aber nicht, was wird unter der Woche los sein. Was ist, wenn nach den ersten 14 Tagen der erste Ansturm vorbei ist?“, schildert Pulker die Stimmung in der Branche. Zudem gebe es viele Betriebe mit großer Abhängigkeit vom Tourismus.

Zudem greift das Modell Kurzarbeit erst nach einem Monat, doch viele Betriebe können die Mitarbeiter nicht gleich zu 100 Prozent übernehmen. „Wir haben schon noch einige Parameter, die wir umschiffen müssen, damit wir die Betriebe ordentlich in die Höhe fahren können“, so Pulker. Ein Koch komme aber nicht für 20 Stunden arbeiten, wenn er mitunter in der Arbeitslosen mehr Geld erhält.

Darum hofft der Branchenvertreter auf ein Kombilohn-Modell anstelle der Kurzarbeit. In diesem würde es neben dem Lohn einen staatlichen Zuschuss in einem bestimmten Prozentsatz des Arbeitslosengeldanspruches geben.

Einige Gastrobetriebe warten noch ab, andere können nicht

Für die Gastronomie rechnet Pulker vorerst mit rund 10 Prozent der Betriebe, die am 15. Mai noch nicht aufsperren werden. „Wenn du zu 90 Prozent von chinesischen Gästegruppen abhängig bist, brauchst du nicht aufsperren!“ Eine andere Problematik biete sich vielen Betrieben, die in einer Miete oder Pacht sind und aufsperren müssen, obwohl sie wissen, dass ihr Geschäftsmodell nicht funktionieren wird. 

Ein großes Fragezeichen ist auch das Verhalten der Gäste und inwiefern sich österreichische Gemütlichkeit unter diesen Umständen leben lässt. Ganz klar ist für Pulker aber, dass es ein großes Sicherheitsbedürfnis gibt: „Wir haben ja auch Umfragen gemacht und da kommt ganz klar heraus, dass die Gäste ein überfülltes Lokal nicht aufsuchen werden. Den Gästen ist lieber, es ist weniger los in dem Lokal, dann gehen sie eher rein. Vor allem, wenn man drinnen sitzen muss.“

Genau angeschaut hat man sich auch die Schanigarten-Regelung und den in vielen Städten auch angebotenen Ausbau der nutzbaren Flächen. Für bis zu 75 Verabreichungsplätze brauche man keine gesonderte Betriebsanlagenverhandlung. „Da genügt es, wenn die jeweilige Stadt sagt: Okay, erstens Schanigartengebühr erlassen und zweitens kannst du den Garten ausdehnen, wenn die Möglichkeit besteht.“

Die fehlende Klarheit für die Hotellerie

Während man in der Gastronomie schon weiß, wie die Bedingungen für den Restart sein müssen, ist die Situation für die Hotels des Landes noch unklar. Noch immer fehlen Informationen, geschweige denn gibt es eine Verordnung. „Wir brauchen auch sehr schnell die Verordnung für die Öffnung der Hotellerie, weil allein einen Swimmingpool zu füllen, dauert oft eine Woche. Ich brauche ihn aber nicht füllen, wenn er geschlossen bleiben muss“, erklärt Pulker, der selbst ein Hotel und Restaurant in der Wachau führt. Die Touristenanfragen seien da, aber ob man beispielsweise den hoteleigenen Pool benutzen darf oder nicht, spiele für eine Buchung eine wichtige Rolle.

Das Betriebe rasch Klarheit über Rahmenbedingungen der Wiedereröffnung brauchen, fordert die Hoteliervereinigung seit Wochen. „Viele Kolleginnen und Kollegen stehen bereits in den Startlöchern und freuen sich über die angekündigte Grenzöffnung zu Deutschland“, berichtet ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer. Laut einer aktuellen ÖHV-Umfrage peilen 45,8 % der heimischen Top-Hotellerie den 29. Mai als Wiedereröffnungsdatum an. „Das ist in etwas mehr als zwei Wochen. Die Betriebe brauchen eine Vorlaufszeit, damit sie etwaige Adaptierungen noch durchführen und vorgeschriebene Hygiene-Sets bestellen können und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Planungssicherheit haben.“

Wellness, Seminare, kleine Events – und viele Fragezeichen

Ein weiteres Drittel der Hotels will bis Anfang Juli neu durchstarten, mehr noch sobald die Grenzen wieder offen sind: „Vor allem aus der Stadthotellerie erreichen uns immer mehr Anfragen, wann kleinere Tagungen wieder abgehalten werden dürfen. Das lässt sich derzeit nicht beantworten, dabei geht es um viele Arbeitsplätze“, erklärt die ÖHV-Präsidentin.

Auch bei Thermenhotels ist noch offen, was bei der Wiedereröffnung einzuhalten ist. „Herr Gesundheitsminister, die Betriebe sind bereit und setzen gerne die benötigten Schritte! Geben Sie ihnen bitte rasch das Werkzeug dafür in die Hände!“, richtet Reitterer einen Apell an Gesundheitsminister Anschober.

www.sichere-gastfreundschaft.at/
www.oehv.at/themen-recht/corona/smart-restart/

 

(APA/Red)

 

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