17.08.2020

Untergangsstimmung im Süden

In den 5-Sterne-Hotels Italiens wurde seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie ein 80-prozentiger Besucherrückgang gemeldet. Auf Mallorca werden nach der deutschen Reisewarnung und damit ausbleibenden Gästen viele Hotels endgültig schließen müssen.

Italiens Luxustourismus stöhnt wegen des Ausfallens ausländischer Touristen, vor allem aus den USA, aus Japan, Russland, Australien und China. Neun Millionen Übernachtungen gingen der Luxushotellerie in den vergangenen Monaten verloren, so der Handelsverbands Confcommercio. Bei der Zahl der Gäste aus dem Ausland kam es im Juli zu einem Rückgang von 76,4 Prozent, bei jener der italienischen Besucher lag das Minus bei 24,5 Prozent.

Betroffen ist nicht nur die Hotellerie, sondern auch die Gastronomie. Laut Angaben des Handelsverbands beklagten 80 Prozent der Restaurantinhaber schwere Einnahmenverluste in diesem Sommer. Allein in den vergangenen drei Monaten meldete die Branche einen Umsatzrückgang von 3 Mrd. Euro.

Die italienische Regierung hat wegen schwerer Einnahmenrückgänge im Tourismusbereich beschlossen, 29 vom Tourismus stark abhängige Städte finanziell zu unterstützen. 500 Mio. Euro schüttet das Kabinett zur Förderung der Stadtzentren touristischer Ortschaften aus, die unter dem Rückgang im Fremdenverkehr besonders stark leiden. Der Mindestbetrag, der von den Gemeinden an Einzelpersonen ausgeschüttet werden kann, liegt bei 1.000 Euro und kann bei Betrieben auf 150.000 Euro steigen. Die Maßnahme soll einstige Schwergewichte des Massentourismus wie Rom, Florenz und Venedig, aber auch kleinere Städte wie Bozen, Rimini, Padua und Como unterstützen. 

Krisenstimmung auf Mallorca

Hotelunternehmer auf Mallorca machen sich nach der deutschen Reisewarnung auf das Schlimmste gefasst. "Ich bin zum Schließen verurteilt. Mein einziger Kunde ist Tui. Wenn das Hotel in einer Woche geleert wird, muss ich in zehn Tagen dicht machen", zitiert die Zeitung "Diario de Mallorca" am Sonntag einen Hotelier an der Playa de Palma. Diese Gegend mit ihren vielen Hotels werde ohne die deutschen Urlauber ihren Sinn und ihre Bedeutung verlieren. "In einer Woche oder in zehn Tagen ist hier alle leer", so ein anderer Unternehmer. Mit dem deutschen Veto gegen Reisen nach Mallorca hätten sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet. Für den Tourismus sei das ein "Todesstoß".

Der Einbruch im Tourismusgeschäft ist schon jetzt historisch: Im Rekordjahr 2019 kamen mehr als 16 Millionen in- und ausländische Urlauber auf die Balearen-Inseln. Die Einnahmen lagen bei mehr als 16 Milliarden Euro. Dieses Jahr lagen die Einnahmen bis Ende Mai wegen des Lockdowns nahe Null. Ab Juni durften wieder Urlauber aus der EU und Schengenstaaten einreisen, die Einnahmen betrugen aber nur knapp 43,5 Millionen Euro, ein Minus im Vergleich zum Vorjahresmonat von gut 98 Prozent – und das bei laufenden Kosten für die Betriebe. In normalen Zeiten trägt die Branche 35 Prozent zur Wirtschaftsleistung der Inseln bei.

(APA/Red)

 

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