22.02.2021

Viel Freude im Glas

Das wetterbedingt herausfordernde Jahr 2020 verlangte viel Fingerspitzengefühl und Geduld der Winzer. Dafür wurden sie belohnt: Zu erwarten sind animierend frische Weiße, fein ausgewogene Rote und manche süße Rarität, wie Österreich Wein Marketing (ÖWM) berichtet. 

Trotz unterschiedlicher Jahrgangsverläufe in den einzelnen Weinbaugebieten zeichnen sich frische, aromatische, eher leichte Weißweine mit lebendiger Struktur ab – ein klassisch „österreichischer“ Jahrgang eben, wie die ÖWM festhält. Bei den Rotweinen ergibt sich ein differenziertes Bild, wobei hohe physiologische Traubenreife in einigen Rotweinhochburgen auf sehr gute Qualitäten bei moderatem Alkoholgehalt hoffen lässt. Und das sind die Ergebnisse aus den einzelnen Regionen:

Niederösterreich und Wien: Große Bandbreite

Es sind sehr frische und fruchtbetonte Weine zu erwarten, mit etwas niedrigerem Alkoholgehalt und rassigerer Säure als in den letzten Jahren. Die Sortentypizität kommt dabei sowohl bei der Leitsorte Grüner Veltliner als auch bei den Rieslingen und der Burgunderfamilie gut zum Ausdruck. Etwas schwieriger könnte es für Bukettsorten wie Muskateller und Traminer werden, ihre Vorzüge voll zur Geltung zu bringen.

Sehr ansprechend sollten insbesondere Weine der Klassik- bzw. Gebietsweinkategorie ausfallen, weil sie kecke Frische und klare Frucht mit belebender, nicht aggressiver Säure verbinden. Mit Spannung erwartet wird die Performance der Weißweine der Reservekategorie, die 2020 nach penibler Auslese nur in geringerer Stückzahl möglich waren. Hoffen darf man hier auf Rieden- und Premiumweine mit Balance, Präzision, Struktur und Standfestigkeit für eine längere Lagerung.

In den Rotweinzentren der Thermenregion und von Carnuntum rechnet man mit fruchtbetonten, etwas leichteren und eleganten Rotweinen, wobei alle Rebsorten und Gewichtsklassen verfügbar sein sollten; die besten Exemplare könnten das Format der feinfruchtigen 2016er erreichen. Besonders vielversprechend dürften neben Zweigelt und Blaufränkisch auch Sankt Laurent und Pinot Noir ausfallen.

Burgenland: Bevorzugt?

Nach zahlreichen Aussagen und ersten Verkostungen könnte das Burgenland zu den Gewinnern des aktuellen Jahrgangs gehören. Kennzeichnend für die 2020er-Weißweine aller Rebsorten ist ein ausgereiftes, harmonisches Geschmacksbild, das von einer rassigen Säurestruktur ergänzt wird, sodass von Leithaberg und Co einiges zu erwarten ist.

Hohe Erwartungen gibt es in allen burgenländischen Appellationen auch bezüglich der Rotweinqualität. Wie stets in kühleren Jahren war es 2020 wichtig, den Ertrag entsprechend zu reduzieren. In den besten Fällen sollten Rotweine von kühler Eleganz und mit saftiger Frucht erzielbar sein, die vielleicht mit 2016 vergleichbar sind. Alles in allem sind also ausgewogene Zweigelt und Blaufränkische von erstaunlicher Reife zu erwarten, aber auch die französischen Sorten aus geeigneten Lagen sollten aufzeigen können.

Noch etwas früh kommen Prognosen betreffend Dessertweine. Jedenfalls konnten spät, aber doch sogar edelsüße Raritäten wie Ruster Ausbruch DAC und Neusiedlersee DAC gewonnen werden, wenn auch in geringer Menge. Vereinzelt haben eiskalte Nächte sogar die Kelterung von Eisweinen erlaubt.

Steiermark: Archetypisch

Laut ÖWM archetypisch steirisch werden sich mit Gewissheit die leichteren Weißweine der Gebietswein-Linie präsentieren. Weinfreunde können sich also auf knackig frische Welschrieslinge, Muskateller und Sauvignons freuen, die reintönige, sortentypische Frucht mit Rasse verbinden. Ebenso wie die kräftigeren Orts- und Riedenweine besitzen sie somit jene Merkmale, die sie unverwechselbar machen.

Besonders attraktiv und charakteristisch sollte die steirische Leitsorte Sauvignon Blanc ausgefallen sein, die naturgemäß von guter Wasserversorgung profitiert. Nach dem erwähnten Zuwarten hat auch die Burgunderfamilie sehr gutes Niveau erbracht, was für die Rieslinge im Sausal in gleicher Weise gilt. Ein wenig schwieriger dürfte es fallweise für die Muskateller werden, da das Auftreten der Kirschessigfliege mitunter eine ungewollt frühe Lese erzwang.

Insgesamt könnten die steirischen Weißen somit ein Profil erreichen, wie es vergleichsweise für die gelungenen 2013er und die leider bloß in geringer Menge erhältlichen 2016er kennzeichnend war. Ähnliches gilt auch für die weststeirischen Schilcher, die nach einigen von hoher Reife geprägten Jahren wieder mehr typische Frische und Rasse bei schlankerer Statur in den Vordergrund stellen.

Überraschendes Bergland 

Rundum zufriedene Stimmen ertönten dieses Mal im – aus einer Vielzahl von Weinbauenklaven zusammengesetzten – Bergland. Weinbauern aus Oberösterreich berichten von keinerlei Beeinträchtigungen durch Wetterkapriolen und einem exemplarisch gelungenen Jahrgang. Demgemäß sind ausgereifte wie dichte Weine voll Saft und Kraft zu erwarten.

Ähnlich erfreuliche Nachrichten kommen auch aus Kärnten, wo ebenso ein schöner Herbst nach reichlichen Niederschlägen im Frühjahr und Sommer für zufriedenstellende Reife und ausgeprägte Aromatik gesorgt hat. Menge und Zuckergradation sind bei höherer Säure zwar geringer als im Vorjahr ausgefallen, doch ist von vitalen Weinen mit schönem Trinkfluss auszugehen.

Ganz im Westen, in den Tiroler und Vorarlberger Weinbaufluren, war umsichtiger Pflanzenschutz noch wichtiger als sonst, um dem Befall durch Peronospora und Oidium vorzubeugen. Zur Verhinderung von Botrytis war eine gute Entlaubung der Traubenzone geboten. Die dort im Herbst übliche Föhnwetterlage blieb 2020 zwar nahezu aus, dennoch konnte bei der Mitte bis Ende Oktober erfolgten Lese reifes Traubengut von überdurchschnittlicher Qualität geerntet werden.

Einen Überblick über Österreichs Jahrgänge ab 1992 finden Sie hier.

 

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