15.07.2020

Vier von zehn KMU droht das Ende

Umsatz- und Investitionsrückgänge steigen stark an, es gibt noch viel Potenzial bei den Hilfsmaßnahmen - so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der freien Arbeitgeberverbände zu Corona-Schäden und Hilfspaketen.

800 Unternehmen aus ganz Österreich haben an der zweiten großen Standort-Umfrage von Österreichischer Hoteliervereinigung, Handelsverband, Gewerbeverein, Senat der Wirtschaft und Forum EPU zu den Auswirkungen von Corona teilgenommen, darunter 37 % Ein-Personen-Unternehmen.

Die anderen Teilnehmer beschäftigten Ende Juni 2019 im Durchschnitt 65 Mitarbeiter, ein Jahr später nur mehr 59. Damit haben typische KMU durch Corona 10 % des Mitarbeiterstands verloren. Von den verbleibenden Mitarbeitern waren zum Zeitpunkt der Befragung 32,4 % in Kurzarbeit.

Trotz Lockerungen starke Umsatzrückgänge

Bei der ersten Corona-Standortumfrage im Mai lag der Corona-bedingte Umsatzrückgang bei 498.000 Euro. Trotz Lockerung der Maßnahmen wuchsen die Fehlbeträge seither um 27,5 % auf durchschnittlich 635.000 Euro. Für das Gesamtjahr gehen die Befragten von Einnahmenausfällen im Ausmaß von 38,8 % aus.

Wie stark sich die zweite Anti-Covid-Maßnahmen-Welle auf die Umsätze und den Ausblick für das Gesamtjahr auswirkt, ist noch nicht absehbar: „Klar ist eines: Wir müssen alle neuen Erkenntnisse zu Covid-19 und den wirtschaftlichen Effekten nutzen, um den Schaden möglichst gering zu halten“, appellieren die Branchensprecher an Bund und Länder.

Kürzungen bei Investitionsvorhaben

Besondere Sorge bereitet ihnen das Ausmaß der Investitionsrückgänge: Wurden diese bei der ersten Umfrage noch mit 354.000 Euro je Betrieb angegeben, in der Hotellerie sogar 784.000 Euro, liegen sie jetzt bei 460.000 Euro bzw. 913.000: ein Plus von 29,9 % bzw. 16,5 %.

Ähnlich die Entwicklung für 2021: Wurden bei der ersten Befragung die Investitionsrückgänge für nächstes Jahr mit 467.000 Euro (950.000 Euro in der Hotellerie) angegeben, stieg der Wert jetzt auf 620.000 Euro (1.113.000 Euro in der Hotellerie). Mehr als die Hälfte der geplanten Investitionen wird Corona-bedingt zurückgestellt.

Investitionsprämie anpassen

Besser als noch vor einem Monat bewerten die Unternehmen die Bemühungen der Bundesregierung, den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie entgegenzutreten. Kritisierten bei der ersten Befragungswelle 67 % der Betriebe die Maßnahmen als praxisfremd, wird die neue degressive AfA von 40,2 % der Unternehmen begrüßt und die Investitionsprämie von 35,4 %. Doch 4,1 % könnten die Investitionsprämie früher in Anspruch nehmen, immerhin 11,5 % später.

„Vier von zehn Unternehmer befürchten, dass es ihr Unternehmen zu Weihnachten nicht mehr gibt – auf gut Wienerisch ‚eine schöne Bescherung‘. Es muss jede Möglichkeit ausgeschöpft werden, um Betriebe zu retten. Bei der Investitionsprämie nachjustieren ist eine“, so die Sprecher der Freien Wirtschaftsverbände.

Bessere Berater einbinden bei Fixkostenzuschuss und Kurzarbeit

Der Kampf gegen die wirtschaftlichen Covid-Folgen muss effektiver werden, sind sich die freien Wirtschaftsverbände einig. „Dienstleistung funktioniert anders als Produktion, KMU anders als Konzerne: Wir brauchen maßgeschneiderte Konzepte.“ Branchenlösungen braucht es etwa für die Kurzarbeit oder für den Fixkostenzuschuss. Die Einbindung von Praktikern sei ein Muss: „Da ging viel an der gelebten Praxis vorbei. Da muss die Regierung rasch reagieren im Interesse von Standort, Arbeitsmarkt und Wirtschaft und bessere Berater an Bord holen. Denn wir können keine Langzeitarbeitslosen, keine weiteren Investitionseinbrüchen und keine Verfestigung der Rezession brauchen.“

Die Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier zum Download.

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