07.08.2020

Volle Stadt – leere Betten

Wer dieser Tage – zum Höhepunkt der Festspiele – durch die Stadt Salzburg spaziert, bekommt den Eindruck einer vollen Stadt. Doch der Schein trügt.

Schön langsam tut sich wieder was auf den touristischen Allgemeinplätzen der Stadt Salzburg. Der Mirabellgarten ist wieder voll und wird von zahllosen Handykameras festgehalten – allerdings weit und breit keine Asiaten. Auf dem Alten Markt zwischen Getreidegasse und Café Tomaselli herrscht dichtes Treiben: Reiseleiter erklären, Fiaker bahnen sich eine Gasse, Kinder quengeln, Gastgärten füllen sich.

Kein Normalniveau, aber es geht aufwärts

Doch der Schein trügt. Das touristische Tagesgeschehen kommt noch nicht in den Betrieben an. Harald Kratzer, mit dem Sternbräu einer der größten Gastronomen der Stadt, meint im Gespräch mit HGV PRAXIS: „Es wird besser. Wir sind aktuell etwa zu 70 Prozent ausgelastet, denn gegessen und getrunken muss werden. Wir sind nun in der Situation, wieder Geld zu verdienen und nicht draufzulegen wie in den vergangenen drei Monaten. Um wirklich zufrieden zu sein, müsste das Geschäft aber noch deutlich anziehen“, so Kratzer.

Hotellerie leidet bei 50 Prozent

Etwas betrüblicher, wie sich beim Rundgang zeigt, präsentiert sich die Hotellerie. Martin Gissel ist General Manager der Imlauer Hotels, dem mit mehreren hundert Betten größten Zimmeranbieter in der Stadt. Gissel im Gespräch mit HGV PRAXIS: „Wir sind aktuell zur Hälfte ausgelastet. Was Probleme macht, ist der Preis, weil im Zuge der schwachen Nachfrage die Raten um gut 40 Prozent eingebrochen sind. Beide Faktoren zusammengerechnet, kann sich jeder ausmalen, wie sich die Situation für uns darstellt. Aber ich will nicht jammern. Die Festspiele sind toll angelaufen und wir haben noch drei intensive Wochen vor uns, in denen noch einiges möglich sein sollte.“

Nur 80.000 Festspielkarten

Salzburgs Tourismuschef Bert Brugger bestätigt den Status quo im Gespräch mit HGV PRAXIS: „Tatsache ist, dass es aufgrund der strikten Verordnungen heuer eben nur 80.000 Festspielkarten, anstatt von 240.000, gibt, also ein Drittel. Uns fehlt vor allem die internationale Klientel, die natürlich auch sehr stark nächtigungsrelevant ist. Aber wir sind froh, dass es überhaupt Festspiele gibt. Ich halte das für ein ganz wichtiges Signal. Die Bewegung in der Stadt geht Großteils auf Tagestouristen zurück.“

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