03.09.2021

Vom Meeting zum Meaning

Österreichs Tagungsindustrie stellt sich für die Zukunft auf und die Österreich Werbung plant eine große Kampagnenoffensive im Herbst.

Covid hat die heimische Tagungs- und Kongressbranche mit voller Wucht getroffen, wie die Zahlen des Meeting Industry Report Austria beweisen. Im Vergleich zum Rekordjahr 2019 gab es bei Veranstaltungen, Kongressen, Firmentagungen oder Seminaren einen Rückgang von 66 %. Bei der Teilnehmerzahl wurde ein Minus von 74,5 % verzeichnet und bei den Nächtigungen gab es einen Rückgang von 78,8 %. „Auch wenn die Zahlen wirklich nicht schön aussehen, sind wir als Branche mit dem Jahr 2020 nicht nur unzufrieden. Unter anderem weil wir zeigen konnten, dass wir uns rasch an wirklich schwierige Bedingungen anpassen können“, so Gerhard Stübe, Präsident des Austrian Convention Bureaus und Geschäftsführer Kongresskultur Bregenz, in einer Pressekonferenz am Freitag im Palais Hansen Kempinski in Wien.

Wie wichtig für den Tourismus insgesamt die Tagungs- und Kongressbranche ist, unterstrich Tourismusministerin Elisabeth Köstinger. 2019 fanden über 25.000 Seminare, Firmentagungen und Kongresse mit rund 1,8 Mio. Teilnehmern in Österreich statt, worduch 3,4 Mio. Nächtigungen generiert wurden. Die Tagungsindustrie repräsentiert rund 10 Prozent der touristischen Wertschöpfung. „Solche Veranstaltungen generieren Nächtigungen, sorgen für Arbeitsplätze und bringen Wertschöpfung in die Regionen. Umso wichtiger ist es, dass die Branche wieder durchstarten kann“, so Köstinger. 

Der Veranstalterschutzschirm in Höhe von 300 Mio. Euro soll „Anreiz und Sicherheit für die künftige Planung von Veranstaltungen geben und wird gut angenommen“, so Köstinger. Mit Ende August wurden bereits über 850 Anträge gestellt, rund 121 Mio. Euro wurden bislang genehmigt, allerdings kam erst ein Bruchteil zur Auszahlung. Kurzarbeit, die verschiedenen Zuschüsse sowie der Veranstalterschutzschirm haben der Branche geholfen: 70 % der Betriebe mussten keine Mitarbeiter abbauen, 82 % hatten Mitarbeiter in Kurzarbeit. Diese Zahlen basieren auf einer Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben des ACB.

Große Kommunikationsoffensive

Das Ziel muss sein, dass Österreich seine Position als weltweit gefragte Kongress-Destination wieder einnehmen kann. Das soll mit zielgerichteten Maßnahmen gelingen, die auch den Städtetourismus fördern. So investiert die Österreich Werbung (ÖW) heuer 1,2 Mio. Euro alleine in die Bewerbung des Tagungslandes Österreich (in „normalen“ Jahren sind es 300.000 Euro). „Wichtig war es, schnell zu reagieren und gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern neuartige Plattformen zu entwickeln. Mit dem Ziel, den Austausch innerhalb der Branche sowie die Pflege der internationalen Geschäftsbeziehungen aufrecht zu erhalten“, erklärt ÖW-Geschäftsführerin Lisa Weddig. 

Die zeitnahe Konzeptionierung von virtuellen und hybriden Events sowie die Teilnahme an internationalen digitalen Veranstaltungen im In- und Ausland waren nur ein Teil der Arbeit. Mit dem Einsatz innovativer Tools wie den Austria rooms oder den Virtual Site Inspections hat die ÖW auch kleine und mittlere Veranstaltungsbetriebe unterstützt. „Die Erfolgsfaktoren für einen erfolgreichen Restart sind für mich die Innovationskraft und Kooperationsbereitschaft der österreichischen Branchenvertreterinnen und Branchenvertreter, Österreichs Kompetenz als Allround-Veranstalter bei virtuellen, hybriden und physischen Events sowie die natürlichen Gegebenheiten des Tagungslandes Österreich“, erklärt Weddig.

Meeting Industrie blickt optimistisch in die Zukunft

In den Herbst blickt die Branche mit vorsichtiger Zuversicht. Die Buchungslage ist zwar noch weit von den Vorkrisenniveaus entfernt, die befragten Unternehmen spüren aber seitens ihrer Kunden ein starkes Interesse, wieder Tagungen, Kongresse oder Firmenveranstaltungen in Österreich auszutragen. Die Buchungslage ist für 55 % der Betriebe in den nächsten Monaten wie erwartet, 32 % sehen sogar eine bessere Buchungslage und mehrheitlich rechnet die Branche mit einer Erholung im Jahr 2023, 34 % sehen dies schon 2022. 

Neben den wirtschaftlichen Ausblick ist auch der inhaltliche positiv. Die Krise habe einen Prozess in Gang gesetzt, „bei dem wir uns nicht nur mit unserem Purpose, sondern vor allem mit den Chancen der Zukunft auseinandergesetzt haben“, so Gerhard Stübe. „Wir müssen uns von einer Meeting-Industrie hin zu einer Meaning-Industrie bewegen. Wir müssen weg von Standardlösungen. Co-Creation und Bricolage sind Schlagworte, die als Basis für eine viel engere Bindung zwischen der Meaning-Industrie und den Veranstaltern ermöglichen sollen“, fasst der Präsident des Dachverbands der österreichischen Kongress- und Tagungsindustrie die Ergebnisse einer Studie zusammen. Diese wurde in einem universitär begleiteten Prozess und im Rahmen der Branchentagung „ACB Convention4u“ erarbeitet.

www.acb.at

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