12.05.2021

Von der Agilität in der Krise

Mit der Gründung der DreamTeam Management GmbH sattelte der langjährige Vorstand der Pfeiffer Handelsgruppe, Erich Schönleitner, vor fünf Jahren in ein gänzlich anderes „Geschäftsfeld“ um und ist seither in der Unternehmensberatung, im Coaching für Führungskräften sowie im Bereich Unternehmensbeteiligung erfolgreich tätig. Im Interview mit hotel & touristik essenz spricht der studierte Handels- und Sportwissenschaftler über den Blick von außen und Sparring auf höchster Ebene.

Herr Schönleitner, man kennt Sie noch gut als CEO der Pfeiffer Handelsgruppe. Was war für Sie damals die Triebfeder, der Lebensmittelbranche den Rücken zu kehren und eine Unternehmensberatung aufzubauen?Erich Schönleitner: Pfeiffer und die Unimarkt Gruppe sind sehr gut aufgestellt und entwickeln sich dynamisch. Als damaliger CEO war ich naturgemäß sehr stark strategisch tätig, das habe ich in der DreamTeam seit 2016 zur Kernaufgabe gemacht.

Würden Sie heute nochmals in die Lebensmittelbranche zurückwollen? 
Die jahrzehntelange führende Tätigkeit in der Lebensmittelbranche, ergänzend auch die jüngsten Jahre als Aufsichtsrat in der AGES, sowie Kundenmandate innerhalb der Branche zeigen nach wie vor meine Verbundenheit, aber auch das Kundeninteresse an DreamTeam.

Aus Ihrer Beratungserfahrung: Wann und warum benötigen Unternehmen den Blick von außen – den wohl nicht nur in Krisenzeiten, aber vor allem dann?
Aus unserer Erfahrung legen Unternehmen gerade in expansiven Zeiten oder kritischen Situationen Wert auf ein Sparring auf höchster Ebene, den unverstellten externen Blick, unser breites methodisches Know-how in der Strategieentwicklung sowie die fachliche Expertise aller DreamTeam-Partner.

Krisenzeiten sind eine Hochzeit für Unternehmensberatung: Mit welchen Werkzeugen schrauben Sie an den Rädern, damit die Betriebe dann wieder vorwärtskommen?
Mit dem agilen Steuerungspaket „4Crisis“ haben wir knapp vor dem ersten Lockdown vier wendige Steuerungsmodelle für Unternehmen in der Krise und deren Spätphase entwickelt. Diese bauen stark auf bestehende Teams von innen heraus auf, vermeiden externe Restrukturierer, die meistens an der Kulturbeständigkeit scheitern und kommen vielfach aus der angloamerikanischen oder japanischen Management-Lehre wie die Krisenhoshin- oder Kanban-Matrizen.

DreamTeam stellt den „agilen Menschen“ als Führungskraft in den Mittelpunkt des Handelns. Ist der Mensch oder die Strategie für den Erfolg wichtiger – oder das Gleichgewicht davon?
Für DreamTeam steht der agile Mensch als Führungskraft im Mittelpunkt des Handelns. Gerade in volatilen Zeiten, in der Planbarkeit immer mehr ineffektiv wird, begleiten wir agile Teams in der Nutzung von offenen Gestaltungsräumen. In der Krise ist für solche Menschen immer noch die Überholspur frei, wenn diese den nötigen Weitblick und die dazu wesentlichen Strategiewerkzeuge entwickeln.
 

„In der Krise ist für solche Menschen immer noch die Überholspur frei, wenn diese den nötigen Weitblick und die dazu wesentlichen Strategiewerkzeuge entwickeln.“


Stichwort Mitarbeiter: Wie sehen Sie künftig die Rolle und das Zusammenspiel zwischen Chef und Mitarbeiter nach der Pandemie verbunden mit dem „freieren und individuelleren“ Arbeiten im Homeoffice? Wird sich darob der traditionelle Führungsstil ändern müssen und  wieviel Hierarchie wird es künftig noch brauchen?
Zu diesem Thema haben wir mit unseren „Aufwind-Zoom-Serien“ für Führungskräfte sowie der erstmals im Juni 2020 aus der Taufe gehobenen Abendrot-Veranstaltung einen kräftigen Schwerpunkt gesetzt. Eines haben wir mit Kunden jedenfalls entwickelt: Innovationsprozesse – auch wenn man sich bemüht – haben über Homeoffice oder hybrid keine Chance. Homeoffice und dadurch bedingt vermehrte Video Calls sind für periodische Steuerungstermine knapper, wenn die Tagesordnung sitzt, für den Sozialkontakt benötigen diese kreative, neue Elemente so wie unser After-Hour-Zoom-Bier nach den Aufwind-Terminen.
Abschließend: Der Chef wird stärker zum Moderator effektiver Teamprozesse. Was bleibt, ist seine ständige Vorbildwirkung, auch im Online-Auftritt. Dazu haben wir uns international mit einer Stylistin inhaltlich verstärkt: Blickkontakt, Tonlage und dem Thema angepasster Dresscode sind immanent wichtig.

Hier spielt sich auch viel auf emotionaler Ebene ab, was durch die voranschreitende Digitalisierung zusätzlich befeuert wird. Werden Mitarbeiter „einsamer“, wird sich das emotionale Verhalten von Führungskräften verändern und wie viel Emotion ist Führungskräfte überhaupt erlaubt?
In der DreamTeam beraten wir bekannterweise Management-Teams, das heißt, Führungskräfte sind stets in Teams eingebunden und benötigen bzw. gestalten Sozialkontakte. Durch die Pandemie und die dadurch dynamisierte Digitalisierung, gerade im Handel, darf die Gestaltung effektiven sozialen Umfeldes niemals zu kurz kommen. Seit einem Jahr ist uns in allen Kundenberatungen ein großes Anliegen, einen hybriden Mix an Telefon-Calls, Zoom-Konferenzen und Präsenz-Meetings kunden- und branchengerecht zu entwickeln. Letztlich zur Emotion: Unsere Videokonferenzen lehrten uns, dass Emotion auch in Video-Calls sehr schnell und sehr gut zu entwickeln sind.

Sie sind auch ausgebildeter Bioenergetiker und bieten bei DreamTeam ein sogenanntes MyVitality-Management-Entwicklungsprogramm an. Wird die körperliche und geistige Fitness von Führungskräften selbst oft unterschätzt? 
Nach wie vor sind leider viel zu wenig Führungskräfte aktiv und präventiv tätig und räumen der körperlichen Fitness während der Arbeitswoche nicht die nötige Bedeutung ein. Schon vor Jahren haben wir neben dem zwölfmonatigen Curriculum MyVitality einfache bioenergetische Übungen für den Arbeitsplatz entwickelt, die wir auch fürs Homeoffice adaptiert haben. Wir vergleichen oft die Dehnbarkeit des Managerkörpers mit jener in der Managementaufgabe, beide Male gilt: vertretbar über jenen Punkt zu gehen, wo die Komfortzone aufhört und es spürbar wird.
 

„Wir haben gelernt, dass Entscheidungsbildung und konsequentes Durchziehen einer Sache im Management um vieles leichter ist als in der Politik.“


Über die DreamTeam-Tochter Factory beteiligen Sie sich auch an Unternehmen. An welchen und wie engagieren Sie sich dort?
Factory – mit 100 Prozent – ist unsere erste Unternehmensbeteiligung, eine zweite in einem Online-Getränkebusiness haben wir derzeit etwas zurückgestellt. Grundsätzlich prüfen wir Unternehmen, ob das Herzblut im Management spürbar ist, das Business-Modell Innovationspotenzial hat, das Unternehmen einen konsequenten Fokus aufs Kerngeschäft besitzt, und mit uns als strategischen Partner einen Mehrwert am Markt realisieren kann. Eigentlich banale, aber klare Faktoren.

Sehen Sie die politische Verantwortung in der aktuellen Krise gut wahrgenommen?
Wir haben vor einiger Zeit auch ein Ministerium im Projektmanagement beraten, welches große Meilensteine bewältigte. Die jungen Führungskräfte waren überaus engagiert, Kabinett und Generalsekretariat wirkten gut zusammen. Wir bekamen somit einen guten Einblick, wie in Österreich große Sachaufgaben gelöst werden. Aber auch, dass der politische Konsens dazu stimmen muss. Ich glaube, dass dies auch aktuell grob der Fall ist. Wir haben auch gelernt, dass Entscheidungsbildung und konsequentes Durchziehen einer Sache im Management um vieles leichter ist als in der Politik.

Was ist eine Nachkrisenstrategie, wie baut diese auf die aktuelle Krisenstrategie auf und ist sie eine Blaupause für alle Branchen?
Im „Post-Crisis-Model“ legen wir frühzeitig noch in der Krise die Saat für den Erfolg danach und bilden mit den Führungskräften den Lebensweg des eigenen Unternehmens nach, mit allen Kurven in der Vergangenheit. So leiten wir schnell Muster ab, wie das Unternehmen früher in der Krise reagiert hat. Dann machen wir einen aktuellen strategischen Proof und berücksichtigen die aktuelle Unternehmensstruktur und -kultur sowie die Marktdynamik, adaptieren im Business-Modelling mit Bezug auf die Krise und den Learnings aus den Fuck-ups, leiten engmaschig Ziele bis auf Quartalsebene ab, und führen Steuerungscockpits ein. Ich denke, das ist jedenfalls eine gute Blaupause, da wir zuletzt Elemente in der Sondermaschinenbranche vorstellten.

Kommen Unternehmen proaktiv auf Sie zu, gerade auch im Wissen um Ihre berufliche Vergangenheit?
Klar, wir leben von Empfehlungen zufriedener Kunden. Wir bezeichnen uns ja auch als die agilsten Strategieberater hierzulande, die über Top Management Know-how verfügen und nicht wie oft nur Youngsters Desktop-Analysen und Powerpoints wie Excel-Charts rauf und runter präsentieren lassen.
 

„Schon auf der WU und im dortigen Tourismusinstitut lernte ich, dass Dienstleistung nicht speicherbar ist, keiner kann Köpfe auf Lager schneiden, ergo unmittelbar sein muss.“


Gastronomie, Hotellerie, Tourismus haben einen hohen Bedarf an Beratung. Welche Betriebe passen in Ihr Portfolio? 
Ich denke, dass wir mit den DreamTeam-Partnern ein sehr gutes strategisches Beratungs-Know-how in der Tourismuswirtschaft haben, zudem habe ich in dieser Branche auch dissertiert und bin mit einem Aufsichtsrats-, aber auch Beiratsmandat beim führenden Sport-Retailer in den Alpen tätig. Generell passen uns immer eigentümergeführte Familienunternehmen, wo Führung angreifbar ist, ins Portfolio, aber auch Tourismusverbände, die Herzblut und Engagement ausstrahlen.

Die Zukunft der Dienstleistung – wie kann/soll/muss diese aussehen, wenn man weiß, dass sich die Gästeerwartungen und Ansprüche – gerade jetzt nach der Pandemie – verändern?
Schon auf der WU und im dortigen Tourismusinstitut lernte ich, dass Dienstleistung nicht speicherbar ist, keiner kann Köpfe auf Lager schneiden, ergo unmittelbar sein muss. Dienstleistung muss Erlebnisqualität vermitteln, die deutlich über dem Zimmerpreis liegt und weg von der Vergleichbarkeit geht. Im Sport- und Fashion-Retail nennen wir dies die Magic Moments, die die Menschen, die mit den Kunden arbeiten, erzeugen. Bewusst als Menschen und nicht als Personal bezeichnet, Menschen, die Ausstrahlung haben, die auf den Gast übergeht.

Mit der Veranstaltungsserie „Abendrot“ wollen Sie einen „Denkraum für Strategen“ schaffen, so Ihre Formulierung. Wie wichtige sind Information und Austausch gerade jetzt?
Gute Information ist das Intro für gepflegten, kreativen Austausch auf höchster Ebene. Abendrot soll die Teilnehmer fordern, persönlichen Tiefgang in der Diskussion zu erzeugen, bis dorthin, wo man sich öffnet, aus den eigenen besten Fehlern zu lernen. Wenn Sie so wollen, ist da auch ein bisschen ein Kulturbeitrag enthalten, jener für positive Fehlerkultur.

Im Mai steht so eine Runde unter dem Titel „Start-me-up für Tourismus-Strategen – Über Mut und Taten zum Erfolg“ am Programm. Was ist das Ziel der Veranstaltung?
Die Veranstaltung soll natürlich anreizen und aufwecken, nicht umsonst haben wir den Titel einem Songklassiker der Rolling Stones entlehnt: Den Reiz des Durchstartens wollen wir entfachen. Ich persönlich erwarte mir aus dem Mix einer äußerst intakten heimischen Natur und Kultur, hochstehender Gastronomie und Hotellerie, modernster Liftanlagen und kurzer Wege, aber auch aufgrund des Rückstaus an Tourismuserlebnissen einen sehr kräftigen Start unmittelbar nach dem Abflauen der Pandemie. Unsere Veranstaltung soll stimulieren, frühzeitig diesen prognostizierten Aufschwung zu nutzen und die Segel auf Starkwind zu setzen.

Persönlich gefragt: Wenn die Rollbalken in der Gastronomie, Hotellerie und Touristik endlich wieder hochgehen, was werden Sie als erstes tun? Und so es ein Reisewunschziel gibt, wie lautet es und warum gerade dorthin?
Ich trinke als erstes ein gepflegtes Bier vom Fass bei meinem Lieblingswirten und plane dann meine Wunschreise fertig, mit dem Mountainbike und einem Schwung von Gleichgesinnten die Transalproute von Deutschland bis an den Gardasee zu fahren, wohl ein Natur- wie Gastroerlebnis pur. Und dabei kommen mir hoffentlich weiter viele gute Ideen für die Branche.
 

Am 1. Juni 2021, ab 17:30 Uhr, findet unter dem Titel „Start-me-up für Tourismus-Strategen – Über Mut und Taten zum Erfolg“ der zweite ABENDROT-Event, in Kooperation mit dem Manstein Verlag und dem neuen Premiummagazin hotel & touristik essenz, und unter Einhaltung der behördlichen Auflagen und eines COVID Hygiene- und Sicherheitskonzepts im Hotel Andaz Vienna statt. Die Teilnahme ist nur mit persönlicher Einladung möglich. Hinter DreamTeam stehen u.a. Dr. Erich Schönleitner (ehemaliger Geschäftsführer von u. a. Wiesner Hager und Pfeiffer Handelsgruppe) und Mag. Martin Prantl, ehemaliger Geschäftsführer von nielsen Österreich, die die Veranstaltung moderieren werden, sowie Tina Macho, Dr. Monika Forstinger und Mag. Fritz Ebner.

Rückfragen & Kontakt:
DreamTeam Management GmbH, Prok. Tina Macho
Mail: tina.macho(at)dreamteam.at
Mobil: 0664 88420177
Web: www.dreamteam.at/veranstaltungen/abendrot.html

(Autoren:  Thomas Schweighofer & Brigitte Charwat)

Branchen-News, die Sie wirklich brauchen!

Partner

Mediadaten