17.06.2019

Von Familien profitieren nicht nur die Großen

Das Burgenland ist ein bevorzugtes Reiseziel für Paare, hat aber auch Familienreisenden sehr viel zu bieten und hat sich in einigen Segmenten darauf spezialisiert. Der Geschäftsführer des Burgenland Tourismus, Hannes Anton, im Gespräch über Chancen und Herausforderungen.

Wie wichtig ist der Familientourismus für das Burgenland?
Hannes Anton:Die Marktforschung zeigt, dass das Burgenland am liebsten und vorwiegend von Paaren besucht wird. Rund 50 Prozent der Gäste verbringen mit ihrem Partner den Urlaub im Burgenland. Dennoch konnte sich das Burgenland in einigen Segmenten hervorragend auf den Familienurlaub spezialisieren und auch österreichweit positionieren. Mit der Gruppe „Best for Family Burgenland“, ein Zusammenschluss von derzeit insgesamt 17 burgenländischen Anbietern, werden Urlaubs- und Freizeitangebote für Familien gemeinsam vermarktet. Burgenland Tourismus koordiniert die Aktivitäten der Gruppe, erarbeitet verschiedenste Marketing-Maßnahmen und setzt diese gemeinsam mit der Gruppe um. Das Angebot umfasst Familypark-, Schloss- und Sonnenthermenerlebnisse ebenso wie Kindertheaterveranstaltungen und Museumsführungen. Auch das Beherbergungsangebot ist vielfältig und wird verschiedensten finanziellen Ansprüchen gerecht. Es reicht vom Urlaub am Bauernhof über Camping und Abenteuer in der Jurte bis zum Thermenhotel.

Welchen Anteil haben Familienurlauber?
Rund 30 Prozent der Übernachtungen im Burgenland entfallen laut T-Mona 2018 auf Familien, Tendenz leicht sinkend. Die größte Gruppe sind dabei Familien mit Kleinkindern unter 6 Jahren, gefolgt von Familien mit Kindern bis zu 13 Jahren. Die kleinste Gruppe stellt „Familien mit Jugendlichen“ dar. Die Zielgruppe ist für das Burgenland sehr wichtig, da sich nicht nur einige große Anbieter auf dieses Segment spezialisiert haben, sondern auch viele Privatvermieter davon profitieren. Denn Familien buchen besonders gerne Ferienwohnungen für ihren Sommerurlaub. Und darüber hinaus hofft man auf einen Wiederkehr-Effekt der erwachsenen Kinder in der Zukunft.

Warum reisen Familien ins Burgenland?
Zu den beliebtesten Motiven für Familien zählen im Burgenland der „Familien-Thermenurlaub“ und der Erholungsurlaub im Sommer rund um den Neusiedler See mit Radfahren, Schwimmen und in der Natur sein. Regionale Schwerpunkte sind dabei Podersdorf (Campingplatz), das Sonnenland Mittelburgenland mit der Sonnentherme Lutzmannsburg und die Reiters Betriebe in Bad Tatzmannsdorf und Stegersbach.

Die Definition, wer und was alles unter Familie fällt, hat sich veränder. Was bedeutet das für die Ansprache im Marketing?
Im Marketing konzentriert man sich eher auf die Altersgruppen der Kinder als auf die Familienzusammensetzung, da Kinder unterschiedlichen Alters unterschiedliche Bedürfnisse haben. So bietet etwa die Sonnentherme Lutzmannsburg ganzjährig Angebote für Babys wie zum Beispiel Babyschwimmen oder Babywellness an. Und für die größeren Kids wird Abwechslung mit diversen Wasserrutschen inkl. Speed Contests usw. geboten. Die Werbebotschaft im Bild und Text ist bei den meisten Familienangeboten dabei direkt an die Kinder gerichtet. Eine weitere Spezialisierung betrifft die Gruppe der Schwangeren oder Mama-Babyprogramme, wo Mutter und Kind im Mittelpunkt stehen.

Welche Rolle spielen der Inlandsmarkt und der Auslandsmarkt?
Die definierten Märkte des Burgenlands für den Familienurlaub sind hauptsächlich Österreich mit Schwerpunkt Wien, Niederösterreich, Steiermark, Oberösterreich und Kärnten, weiters auch die Nachbarländer Slowakei, Tschechien und Ungarn. Die Anreise ins Burgenland beträgt somit maximal fünf Stunden Autofahrt. Fernmärkte sind aufgrund der längeren Anreise eher problematisch und stehen daher nicht im Fokus.

Familienurlaub bedeutet in erster Linie Urlaub mit Kind: Welche Erlebnisangebote sind gefordert?
Die Anforderungen der Familienanbieter werden immer komplexer. Kinder wachsen nicht nur sehr viel früher mit Handy und Internet auf, sie verbringen auch wesentlich mehr Zeit im Internet und bei Internetspielen. Dies ist eine große künftige Herausforderung der Tourismusbranche: entweder „analoge Urlaubswelten“ wieder spannend zu gestalten oder auf die „virtuellen Bedürfnisse“ einzugehen. Im Burgenland versucht man in beiden Richtungen zu gestalten und entsprechende Angebote zu entwickeln.

Welche zum Beispiel?
Vor einigen Wochen wurde die mit 202 Meter weltweit längste Virtual Reality-Wasserrutsche in der Sonnentherme Lutzmannsburg eröffnet. Das VR-Erlebnis entführt während der rund einminütigen Rutschfahrt den Badegast als Astronaut in die Welt tausender Galaxien, leuchtender Planeten, riesiger Asteroiden und Raumschiffe. Man fühlt sich dabei wie in einem Videospiel. Auf der anderen Seite gewinnt auch das Naturerlebnis in der analogen Welt wieder an Bedeutung. So werden spezielle Kinderführungen im Nationalpark und in den Naturparken immer beliebter und auch der Campingurlaub boomt. Ebenso freut sich Österreichs größter Freizeitpark, der Familypark in St. Margarethen, ungebrochener Beliebtheit und punktet mit Spaß und Action bei Groß und Klein.

Wie gelingt die generationenübergreifende Ansprache?
Es muss für alle etwas geboten werden: Kinderabenteuer, Relaxen und Genießen für die Eltern und Großeltern und vor allem ein gemeinsames Erlebnis. Die Intensität des Erlebnisses und viele positive Erinnerungen im Familienurlaub sind sicherlich die wichtigsten Motive um quasi eine Rückfahrt in die eigene, romantisch verklärte Kindheit für seine eigenen Sprösslinge zu buchen.

 

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