05.10.2021

"Von Krise spüren wir nichts. Wir sind voll!"

Seit wenigen Tagen ist das Hotel Motto in der Wiener Mariahilfer Straße geöffnet und schon hat die "New York Times" darüber berichtet. Vor leeren Zimmern braucht Betreiber Bernd Schlacher keine Angst haben.

Die von dem Architekten Arkan Zeytinoglu aufgesetzte Dachkuppel, unter der ein öffentlich zugängliches Restaurant und eine Bar untergebracht sind, sei "ein architektonisches Meisterstück", lobte Bauherr Michael Tojner, dessen WertInvest den Umbau des ehemaligen Hotels Kummer verantwortet hat, am Dienstag bei einem Pressegespräch.

InterContinental-Wien-Projekt wird überarbeitet

2014 habe er das 1870 gebaute Traditionshotel gekauft, so Tojner. "Schon meine Mutter und mein Vater haben hier geschlafen." Sein Vater habe ihm gesagt, wenn es schon ein Hotel sein müsse, dann nicht das Intercontinental, sondern das Hotel Kummer, erzählte der Investor schmunzelnd und schilderte auf Nachfrage den Stand des umstrittenen Heumarkt-Projekts rund um den Umbau des Intercontinental so: "Wir haben uns darauf eingelassen, das Projekt noch einmal zu überarbeiten, um einen Kompromiss zu erzielen, der für die UNESCO akzeptabel ist." Man sei auf gutem Wege, ein Projekt zu erzielen, das "alle glücklich machen" könne und dennoch "eine architektonische Meisterleistung" sei. Die überarbeiteten Planungen sollen zu Jahresende oder Anfang des kommenden Jahres vorgelegt werden.

Das Hotel Motto sei "am Ende viel teurer, aber auch viel größer und besser geworden", sagte Tojner, der zum Gesamtinvestment keine Angaben machen wollte. Man sei "sehr vorsichtig mit der alten Architektur umgegangen", denn "was viel zu wenig im Immobiliengewerbe zu Geltung kommt, ist die Architektenschaft", die man "viel wichtiger und prominenter behandeln" müsse. Erhalten bleib die klassizistische Fassade des Gründerzeitbaus, der es in John Irvings Roman "The Hotel New Hampshire" geschafft hatte. Das Gebäude selbst wurde jedoch entkernt, sagte Architekt Zeytinoglu, dessen Büro 24.000 Arbeitsstunden für das Projekt aufgewendet hat. Sogar das historische Stiegenhaus habe aufgrund der strengen feuerpolizeilichen Vorschriften abgerissen werden müssen. Auch die ursprünglich geplante gläserne Kuppel sei atmosphärisch wie klimatechnisch nicht realisierbar gewesen, dennoch sei die angestrebte "Mischung aus 20er/30er-Jahren und Moderne" gelungen, zeigte er sich überzeugt.

Wien trifft auf Paris

"Die Idee war 'Paris trifft Wien der 1920er-Jahre', sagte Bernd Schlacher, der das Boutique Hotel Motto und die angeschlossene Bäckerei betreibt und auch manche ersteigerte Stücke des Pariser Riz Carlton in die Ausstattung integriert hat. "Es ist wahnsinnig gemütlich, spielt dennoch alle modernen Stückerln. Wir wollten einen Klassiker bauen, den es die nächsten 30, 40 Jahre geben soll oder noch länger." Die Buchungslage stimme ihn optimistisch. Am ersten Wochenende sei man zu 98 Prozent ausgelastet gewesen, diese Woche sei man zu rund 65 Prozent gebucht. "Ich bin sehr positiv gestimmt. Von Krise spüren wir nichts. Wir sind voll!"

(APA/Red)

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