18.03.2020

Von „totaler Verzweiflung“ bis „wir schaffen das“

So in etwa lässt sich die Stimmung in den Betrieben quer durch die Branche beschreiben.

Der Salzburger Hotelier Georg Imlauer drückt es in vier Worten aus: „Wir stehen am Abgrund.“ Der Tourismus und die Hospitality-Branche, die in den letzten fünf Jahren von Rekord zu Rekord eilte, legte innerhalb weniger Tage eine Vollbremsung hin. Und zwar nicht von 100 auf null, sondern von 130 auf null.

Nach dem erzwungenen Stillstand beginnen die Köpfe der Unternehmer zu rauchen: Kann ich mir das überhaupt leisten und falls ja, wie lange kann ich mir das leisten? Bis vor Wochen dominierte noch der Kampf um Fachkräfte den Betriebsalltag, jetzt eher die Frage, wie werde ich die Mitarbeiter am schnellsten und am billigsten los.

Im Wellental der Gefühle

Das Stimmungsbild ist entsprechend mies. Caroline Gerstlohner, Eigentümerin eines Lieferservice in Adnet im Tennengau, beschreibt ihr Wellental der Gefühle: Ich schwanke zwischen totaler Verzweiflung und der Überzeugung, dass wir das schaffen. Ich beliefere täglich mehr als zehn Kindergärten, die natürlich alle geschlossen sind und als Abnehmer wegfallen. Nachfragen auf dem privaten Sektor in der Hauszustellung können das nicht kompensieren. Auch deshalb nicht, weil viele Firmen zu sind oder auf Minimalbetrieb umgestellt haben und so die Situation nochmals verschärfen. Produktionstechnisch läuft es überraschend glatt. Die Versorgung mit Produkten ist überhaupt kein Problem, lediglich die Vorschriften hindern einen Vollbetrieb, weil aus Sicherheitsgründen nur eine gewisse Zahl an Mitarbeitern in der Küche sein darf. Aber das ist ja auch verständlich.“

Urlaub abbauen und druchtauchen

Erich Freudenthaler, Eigentümer des Gasthofs zur Post in St. Oswald bei Freistadt (OÖ.), sieht die Situation etwas gelassener, macht sich aber auch seine Gedanken: „Ich bezweifle, dass die von der Regierung angekündigten Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft für die Gastronomie eine tragfähige Lösung sind. Wie soll man sich bei einem per Dekret verordneten Nullumsatz auch nur ein Drittel der Lohnkosten leisten können, die bei dem Kurzarbeitsmodell vorgeschlagen sind, erlaube ich mir zu fragen?“ Freudenthaler hat seine Mitarbeiter jedenfalls erst mal auf Urlaub geschickt und über weiterreichende Maßnahmen noch nicht nachgedacht. Die Küche des Wirtshauses bleibt unterdessen alles andere als kalt. Freudenthaler zu HGV PRAXIS: „Es kamen diverse Anfragen zu einer Art nachbarschaftlichen Belieferung. Also hab ich ein Gulasch angesetzt, das sich die Leute aus dem Ort dann abholen können.“

Umstellung auf Nahversorgung

Georg Essig, Zwei-Haubenkoch im gleichnamigen Restaurant in Linz, macht aus der Not eine Tugend. „Das Restaurant ist klarerweise zu, aber wir nehmen unsere Aufgabe nun als Nahversorger wahr.“ Der Meisterkoch bereitet nicht nur länger haltbare Produkte zum Direktverkauf zu, sondern auch Mahlzeiten. „Ich bin überrascht wie schnell sich das herumgesprochen hat und die Nachfrage zeigt uns, dass wir mit diesem Angebot richtig liegen“, so Essig im Gespräch mit HGV PRAXIS.

Ideenfindung in der Klausur

Die zwangsverordnete Ruhe nutzen Claudia und Raimund Katterbauer, Eigentümer des Restaurants „Magazin“ in Salzburg, wiederum, um an neuen Ideen zu feilen: „Der Betrieb ist geschlossen und wir begeben uns in Klausur, um über alles zu reflektieren und vielleicht neue Ideen zu kreieren, die dann beim Wiederaufsperren bei unseren Gästen vielleicht wieder für Furore sorgen. Wir halten das für einen Punkt, der in unserem Unternehmerleben sowieso viel zu kurz kommt. Wenn auch die Grundlage für diese Möglichkeit keine erfreuliche ist, so versuchen wir doch das Beste daraus zu machen.“

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