07.02.2019

"Vor allem für Geschäftsreisende attraktiv!"

Anett Gregorius ist Gründerin des deutschen Unternehmens Apartmentservice und der Fachmesse So!Apart, die seit 2013 in Deutschland statt findet. Sie erzählt, wie der österreichische Markt für Service Apartments aufgestellt ist, und warum sie noch mehr Potenzial sieht.

Stammgast.Online: Wodurch unterscheidet sich der Kunde, der in einem Serviced Apartment absteigt wohnt, von einem Hotelgast?

Anett Gregorius: Die Gäste schätzen den besonders wohnlichen, individuellen und Privatsphäre fördernden Charakter von Serviced Apartments mit einer häufig größeren Fläche samt einer Kochmöglichkeit, was ihnen gerade bei längeren Aufenthalten ein Zuhause auf Zeit ermöglicht. Vor allem für Geschäftsreisende, die projektbezogen für mehrere Wochen und Monate in einer anderen Stadt arbeiten, ist dieses Angebot attraktiv. Sie stellen aktuell rund 75 % aller Serviced-Apartment-Gäste. In den letzten Jahren sind Serviced Apartments mit Blick auf angespannte Wohnungsmärkte und veränderte Arbeits- und Lebensmodelle aber auch für Berufsanfänger, neue Bewohner in der Stadt, Studierende und Touristen interessant geworden – auch weil Serviced Apartments in der Regel bei längeren Aufenthalten günstiger als Hotelzimmer sind und flexibler als klassische Wohnungen, weil sie möbliert und leichter buchbar sind. Sowohl Apartmenthäuser als auch Aparthotels bieten Serviced Apartments und unterscheiden sich in ihrem Angebot in erster Linie in der Ausprägung des Service-Levels. Je hotelähnlicher, desto höher ist das Service-Angebot.

Sollen die Serviced Apartments das Angebot der Hotels im Tourismus erweitern?

Serviced Apartments erweitern als Teilsegment der Hotellerie konzeptionell das Angebot, indem sie durch ihre wohnlichen Elemente bei schlankeren Service-Offerten vor allem auch einen längeren Aufenthalt als in Hotels ermöglichen. Doch das Raum-, Service- und Ratenkonzept in zentralen Lagen überzeugt zunehmend auch Leisure-Gäste, und viele Betreiber machen entsprechende Shortstay-Angebote. Sind also mit Tourismus vor allem auch Leisure-Angebote gemeint, so ergänzen Serviced Apartments inzwischen sehr präsent die Angebotspalette für Gäste.
Zugleich hat die klassische Hotellerie in Teilen auf diese Nachfrage mit eigenen, wohnlicheren Zimmer- und Lobby-Konzepten reagiert oder Serviced Apartments im Sinne eines aktuellen Mixed-Use-Trends in ihrem Gebäude integriert.
Wo bleiben die Unterschiede, wenn Mikroapartments dem Hotelzimmer doch immer näher kommen?
Hotelzimmer und Mikroapartments, also das Wohnen auf unter 25 Quadratmetern, kommen sich in der Fläche näher. Sie unterscheiden sich aber noch immer durch das Wohnkonzept in Mikroapartments mit einer Kochmöglichkeit in der Regel, und laden dadurch auch zu längeren Aufenthalten als in Hotels ein. Je nachdem, ob sich die Mikroapartments in klassischen Apartmenthäusern oder Aparthotels befinden, umfassen sie in der Regel weniger Services als Hotels und sind somit bzw. in Verbindung mit längeren Aufenthalten auch oftmals günstiger.

Können Sie beziffern, wie hoch der Leisure-Anteil in den vergangenen Jahren angestiegen ist?
Zum Leisure-Gesamtsegment:
2018 – hatten wir 75 % Corporate und 25 % Leisure im Segment
2017 – waren es 77 % / 23 %
2016 – waren es 72 % / 28 %

Der Anteil der Leisure-Gäste ist sehr standort- und konzeptabhängig. Insbesondere Aparthotels in touristisch attraktiven Destinationen haben bis zu 45 % Leisure-Gäste. Serviced Apartmenthäuser mit hohen Aufenthaltsdauern haben in der Regel weniger als 10 % Leisure Gäste. Der Anteil bei uns liegt sogar unter 5 %.

Eine Frage zum Marktreport 2018, gibt es hier irgendwelche Zahlen für Österreich?

Derzeit zählt der Serviced-Apartment-Markt insgesamt rund 33.400 Einheiten in fast 600 Häusern, die mindestens 15 Einheiten in einem Gebäude bieten (Stand März 2018). Erstmals lagen dabei die durchschnittlichen Zimmerraten und der RevPar (Erlös pro verfügbarem Zimmer) über den Werten der klassischen Hotellerie. Laut Betreiberbefragung ist die Stimmung entsprechend gut: Rund 84 Prozent schätzen die Entwicklung „positiv“ oder „sehr positiv“ ein. Das Segment meldete 2017 rund 14,2 Mio. Übernachtungen, ein Plus von 2,7 Mio.

 

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