16.12.2021

Weine für Philosophen

Dutzende autochtone Sorten, harte Vegetationsbedingungen und naturbelassene Produktionsmethoden – das sind die Trends, die junge Trinker lieben und ein Urland des Weines wieder in den Blickpunkt rücken: Griechenland.

Immer noch wird in Griechenland (120.000 Hektar Rebfläche) der Großteil für die Kelterung des Retsinas herangezogen. Und während die Hälfte dieses Zeugs im Lande Zeus‘ selbst getrunken wird, entfällt die andere Hälfte auf Deutschland und Österreich. Spar und Rewe sind die größten Abnehmer.

Aber es gibt noch eine andere Realität. In den vergangenen dreißig Jahren haben die Griechen einen Qualitätsturbo gezündet, der allmählich zu fruchten beginnt und ihre Weine zu den Stars vieler Hipster-Verkostungen macht. Und da spielt Retsina zwar eine Rolle, aber bestenfalls eine untergeordnete. Denn mit dutzenden autochtonen Sorten verfügt Griechenland über eine enorme Vielfalt, die allmählich entdeckt und immer stärker kultiviert wird. Soweit sich Weinbau in Griechenland überhaupt kultivieren lässt: Die Rebstöcke – nicht selten 120 Jahre alt – sehen oft neun Monate lange keinen Tropfen Wasser, sind (nicht nur auf den Inseln) meist permanentem Wind ausgesetzt und gedeihen auf Lava- und Kalkgestein – und das auf bis zu über 1000 Meter Seehöhe – Schneefall und Frost inklusive. Aber Griechenland ist auch ein Mutterland des Weines, dessen Geschichte 6500 Jahre zurückreicht und dessen Rebsorten in diesem mehrere tausend Jahre andauernden Überlebenskampf gestählt hervorgehen und nun zu neuer Blüte geführt werden.

In ihrer letzten vor dem Jahreswechsel stattfindenden Online-Verkostung unter dem Titel „Home Schooling“ rückten die Sommeliervereine aus Salzburg und Oberösterreich griechischen Wein in den Mittelpunkt. Sehr zum Dank des Wein- und Getränkehauses Wagner aus Laakirchen, dessen Chefin Kathrin Wagner das respektable Angebot so begründet: „Das stammt noch aus der Zeit meines Vaters, der der Meinung war: aus der Geschichte heraus muss sich Griechenland ganz einfach in unserem Sortiment wiederfinden. Ich war oft mit ihm zu Winzern unterwegs und teile diese Philosophie voll und ganz. Außerdem unterstützen wir mit unserem Tun die Qualitätsinitiative. Das ist zwar Arbeit, aber eine sehr schöne Arbeit.“

Sechs Weine Verkostungspanel

Roditis 2020, Tetramythos, Peloponnes, 12,5% Vol € 9,95 (netto, gastro): Griechischer Rebsortenklassiker, der im Nordwesten der Halbinsel gedeiht; Brot und Butterwein wie der Welschriesling in Österreich; besticht durch feine Blume, Kräuter- und Hefenoten im Duft; am Gaumen gelbe Früchte, weiße Blüten und etwas Eisbonbon, geradlinig.

Retsina Amphora 2020, Tetramythos, Peloponnes, 11% Vol € 8,90 (netto, gastro): eher untypischer Retsina aus der Roditistraube, weil das Pinienharz sehr harmonisch eingeflochten ist und keineswegs kantig auseckt; erinnert ein bisschen an Vermouth im Duft; hält am Gaumen rassige Säure bereit und besticht durch feine Bitterkeit, weist gut eingewobene Tannine auf und geht schön salzig in den Abgang über.

Muscat d`Alexandrie 2018, Limnos Organic Wines, 13% Vol € 13,50 (netto, gastro): Ein Parade-Muscat von der ostägäischen Insel Limnos; voluminöse Frucht nach Honigmelone, Grapefruit und reifen Äpfeln im Bukett; sehr komplex am Gaumen, wunderbare Salzigkeit entlang des gesamt Trinkflusses, voluminöser Körper mit spannenderer Nase.

Assyrtiko 2020, Weingut Argyros, Santorini, 14,5% Vol € 23,50 (netto, gastro): Paradeweißweinrebe Griechenlands, die auf der Insel Santorin und härtesten Bedingungen gedeiht; filigranes Käruterbukett in der Nase, mit leichten Fruchtnoten an den Ausläufern; salzig-mineralischer Aufbau am Gaumen, sehr engmaschig, fast drahtig, mit immer neuen Facetten bei jedem Schluck; ein Wein, der Beschäftigung verlangt und jeden Genießer belohnt; hohe Säure hält den ebenfalls satten Alkohol total im Zaum und macht jeden Schluck zu einer präzisen Genussrakete mit nicht enden wollender Länge – großes Kino.

Mavro Kalavrytino 2020, Tetramythos, Peloponnes, 12,5% Vol € 11,50 (netto, gastro): beliebte griechische Rotweinsorte, die aber mehr kann; nicht überladen im Duft, warme, rote Früchte, etwas Amarenakirsche; rustikal und ungeschliffen im Geschmacksaufbau, aber auch ungezwungen vinifiziert und kein bisschen schulterlastig; es fehlt ihm auch die typische Seidigkeit vieler „gemachter“ Rotweine aus Mitteleuropa, was ihn nur noch interessanter macht.

Naoussa Alta 2018, Thymiopoulos, Makedonien, 12,5% Vol € 14,50 (netto, gastro): dieser Xinomavro stammt aus dem nordgriechischen Makedonien; eine wunderbare Rebsorte mit tollem Pouvoir, das oft mit Nebbiolo und Pinot verglichen wird; wie so oft hinkt der Vergleich aber auch hier: sehr animierende Nase nach roten, reifen Früchten; baut am Gaumen einen exzellenten Zug im Trinkfluss auf, besticht durch hohe Komplexität und lässt die Speichelbildung schon vor dem Nachhall anspringen; ein würdevoller Vertreter des Weinlandes der Philosophen.

Sämtliche Weine stammen von Getränke Wagner aus Laakirchen, das sich über viele Jahre eine hohe Griechenland-Kompetenz aufgebaut hat.

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