16.01.2021

Wenig Hoffnung in der Branche

Umsatz, Auslastung, Investitionen: Eine aktuelle Umfrage unter Unternehmern aus der Tourismusbranche zeigt eine dramatische Einschätzung der Lage.

Es ist Mitte Jänner und im Tourismus ist die Wintersaison wegen Corona de facto noch nicht angelaufen. „Wir haben den Lockdown, wir haben die Weihnachtsfeiertage gehabt - es hat sich nichts abgespielt“, betonte der Branchensprecher in der Wirtschaftskammer Österreich, Robert Seeber beim traditionelle Neujahrsempfang, der diesmal virtuell abgehalten wurde.

Er drängt auf eine zügige Öffnung der Betriebe und ist da auch optimistisch: „Es sieht jetzt so aus, dass wir am 25. Jänner durchstarten können“. Die Branche sieht sich vorbereitet, schließlich gebe es bewährte Präventions- und Hygienekonzepte und flächendeckende Tests.

Die Verschärfung der Maßnahmen in wichtigen Märkten wie Deutschland und der Schweiz ist aber eine weitere Hiobsbotschaft für die ohnedies schon geknüppelte Branche. „Ohne den ausländischen Touristen geht es nicht - die großen Skigebiete in Westösterreich sind natürlich geprägt vom ausländischen Gast“, räumte Seeber ein. Dort gebe es in diesem Winter Ausfälle von 90 Prozent, teilweise sogar über 90 Prozent. Österreichweit belaufe sich das Minus auf etwa 80 Prozent.

Viele rechnen mit keinem Umsatz mehr

Die bisherige Bilanz der Branche ist insgesamt ernüchternd, wie auch aus einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts market hervorgeht, die zwischen Ende Dezember und Anfang Jänner durchgeführt wurde. Die jüngsten Tiefschläge sind darin also noch gar nicht abgebildet. 

Rund zwei Drittel der befragten Tourismusbetriebe rechnen für die heurige Wintersaison mit Umsatzeinbußen von mindestens 50 Prozent gegenüber dem schon schwierigen Vorjahr. 44 Prozent rechnen sogar damit, 76 Prozent oder weniger bis gar keinen Umsatz zu erzielen. Am anderen Ende der Skala rechnen 3 Prozent sogar mit mehr Umsatz als geplant.

Sowohl in der Haupt- als auch in der Zwischensaison hoffen die Betriebe auf eine Auslastung von etwa 30 Prozent. 42 Prozent der Befragten befürchten sogar, dass es in der Hauptsaison lediglich bis zu 10 Prozent werden. „Die Auslastungs- und Umsatzerwartungen sind katastrophal“, verdeutlichte market-Vorstand David Pfarrhofer bei der Präsentation der Umfrage. Hingegen gaben 8 Prozent der befragten Betriebe an, dass die Auslastung 91 bis 100 Prozent betragen werden. 

Die schwierige Situation wirkt sich naturgemäß auch auf die Ausgaben aus. Nur jeder fünfte Betrieb der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft konnte Investitionen wie geplant durchführen. Die Mehrheit der bei den Investitionen sparenden Tourismusbetriebe hat das eigene Investitionsvolumen um zumindest 50 Prozent reduziert. Und nur rund ein Viertel der Tourismusbetriebe hatte 2020 (zumindest) gleich hohe Ausgaben für den Produkteinkauf wie im Jahr davor.

Umsatzersatz besonders wichtig

Ohne Unterstützungsmaßnahmen würde es viele Betriebe jetzt nicht mehr geben, so Pfarrhofer. Am meisten geholfen hätten der Umfrage zufolge der Umsatzersatz, gefolgt von Fixkostenzuschuss, Steuerstundungen, Härtefallfonds und Kurzarbeit. „Wenn weiter nicht aufgesperrt werden kann, ist es aus der Sicht der Betriebe eine Selbstverständlichkeit, dass die Hilfen weitergehen“, so ein weiteres Ergebnis der Umfrage.

„Wenn tatsächlich nochmal ein Lockdown kommen sollte, würde ich mir von der Politik erwarten, dass es entsprechende zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen gibt“, so Branchensprecher Robert Seeber. Sollten die Hotelschließungen über den 24. Jänner hinausgehen, „ist unsere Forderung ganz klar: Umsatzersatz für den Jänner - da werden wir mit dem Fixkostenzuschuss nicht mehr das Auslangen finden“.

Die Stimmungslage unter den Betrieben wurde unter 500 Betrieben erhoben (die genauen Ergebnisse können Sie am Ende des Artikels downloaden).

Lockdown „geht auf die Psyche“

Befragt wurden auch 1.000 Österreicher zu ihrer Urlaubsstimmungslage im eigenen Land. Nur ein Viertel hat vor, heuer einen Winterurlaub zu machen. Vergangenes Jahr buchte den Angaben zufolge jeder Zweite. Die Kurzfristigkeit der Buchungen nimmt angesichts der Coronapandemie weiter zu, kostenloses Storno infolge einer geänderten Infektionslage wird erwartet und angereist wird individuell, mit dem Auto. 70 Prozent können sich auch das „Reintesten“ vorstellen.

„Ich hoffe, wir bekommen möglichst schnell die Rückmeldung, dass wir jetzt öffnen, damit wir aus dem psychologischen Tief herauskommen“, bekräftigte Seeber. „Dieses ewige Zusperren macht einen fertig, das geht auf die Psyche“. Das Reintesten sei der richtige Ansatz - auch für Veranstaltungen, größere Gruppen und Formate mit größerer Teilnehmerzahl. Kritisch sieht Seeber allerdings die Pläne für die Gastronomie: „So wie es angedacht ist - Antigentests durchzuführen - ist es meines Erachtens nicht praktikabel“, meinte er. „Ein Antigentest für einen Prosecco oder schnellen Kaffee“, setzte er erklärend nach. Hier müsse man die Kirche im Dorf lassen.

(APA/red)

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