09.06.2021

Wenn der Welt die Luft ausgeht …

Am 5. Juni war Weltumwelttag, am 8. Juni ist Tag des Meeres, machen wir uns also einmal mehr ein paar Gedanken zum Zustand unserer Welt & Meere. Ein Kommentar von Brigitte Charwat.

Gedanken, denen längst Taten folgen müssten, weil wir nämlich konsequent und beständig dazu beitragen, dass sich der schon sehr angeschlagene Zustand unserer Welt & Meere nicht verbessert. Im Kleinen wie im Großen, was am Beispiel der wiederentdeckten „neuen Wanderlust“ in unseren schönen Bergen mehr als beschämend deutlich wird. Und im Sand am Strand sieht’s auch nicht viel besser aus. 

„Haltet die Berge sauber! Lasst keine Abfälle zurück!“ Diese Bitte des Österreichischen Alpenvereins prangt seit 1970 auf weißen Blechschildern und soll auf unzähligen Wanderrouten- und Wegen den Bergbesucher und Wandersmann dezent daran erinnern, seinen Müll – vom Taschentuch und Tschickstummel bis zur Getränkeblechdose und dem Gackerl im Sackerl vom begleitenden Vierbeiner – nach absolvierter Bergtour wieder mit ins Tal zu nehmen. Vom Jahrgang älteres Semester wurde dieser Hinweis eigentlich immer bewusst übersehen, weil es für uns eine Selbstverständlichkeit und das explizite mit der Nase darauf stoßen einfach nicht notwendig war. Und wenn uns wirklich mal ein Kaugummipapierl oder dem Papa der ausgedämpfte Tschick gedankenlos am Wegesrand aus der Hand „rutschte“, gab’s vom General – von Muttern, die stets das Schlusslicht der familiären Wandertruppe bildete – ein deutliches: „Aufheben, zu Hause schmeißt Ihr Euren Dreck ja auch nicht einfach auf den Teppich“.

Was wir also an Proviant auf den Berg schleppten und nach dem Verzehr von hartgekochten Eiern und köstlichen, im Butterbrotpapier verpackten Jausenbroten, Äpfeln und Bananen sowie Kekserln zum Kaffee aus der Thermoskanne und Sunkist gegen den Durst im Tetrapack-Dreieck und mit Mini-Plastikstrohhalm an Abfall übrigblieb, wurde in einer sehr verbeulten Blechdose ohne Murren wieder ins Tal getragen. Zuckerlpapierl mit ausgelutschten Kaugummis und Papas Tschikstummel inklusive und auch das Gackerl vom Dackel wurde ins mitgebrachte Sackerl gepackt.

Wenn ich heute diese Kindheitserinnerungen Revue passieren lasse, fällt mir auf, dass wir nicht die einzigen waren, die ihren Müll von der sonntäglichen Familienwanderung in ähnlicher Art und Weise wieder talwärts trugen. Denn – und ich weiß, das ist jetzt der erhobene Zeigefinger – damals waren die Berge wirklich sauber. Da wirbelten keine Plastiksackerln „lustig“ im Wind, da markierten keine flügelverleihenden leeren Engergy-Getränkedosen den Weg ins Tal, da zierten keine Tschikstummel den Forstweg, da lag kein großes oder kleines Gackerl, notdürftig von einem Papiertaschentuch von Menschenhand überdeckt am Wegesrand und da wurden auch keine leeren Plastik-Wasserflaschen einfach unterwegs „verloren“.  

Warum das heute anders ist, warum man heute mit einer ebensolchen Selbstverständlichkeit, wie wir vor 40 Jahren das Gegenteil praktizierten, meint, seinen Dreck überall dort liegen lassen zu können, wo er halt grad runterfällt, erschließt sich dem Jahrgang 1961 nicht. Vielmehr scheint das sogenannte Littering – das achtlose, absichtliche oder unabsichtliche, in jedem Fall aber umweltgefährdende Wegwerfen von Müll, fast schon eine olympische Disziplin geworden zu sein. Die gerade jetzt durch die coronabedingte wiederentdeckte Lust auf Wandern in den heimischen Bergen beängstigende Ausmaße erreicht und das Müll-Repertoire nun noch um den ungeliebten Mund-Nasen-Schutz bzw. Leicht- und Einwegverpackungen vom „to go“ Menü gräßliche Ergänzung findet.

Wenn man bedenkt, dass ein Maskerl 450 Jahre, eine Aludose bis zu 600 Jahre oder eine Plastikflasche bis zu FÜNFTAUSEND braucht, bis von diesem Krempel nichts mehr übrig ist, sollte jedem vernünftig denkenden Wandersmann ein Licht aufgehen. Bevor nämlich das Licht ausgeht, weil das hochsensibel Ökosystem – je höher hinauf, je empfindlicher - von alleine nicht mehr in der Lage ist, die ihr zugefügten Wunden zu heilen. 

Dabei ist‘ ganz einfach: Was ich auf den Berg rauftrag oder zum Picknick an den Strand mitnehme, trag ich auch wieder heim, um es so zu entsorgen, wie’s der Natur am wenigsten wehtut. Und weil wir ja so gerne die ganze Welt an unserem Leben und an dem, was wir tun oder nicht tun, von welchem Berg wir runterlachen oder an welchem Strand wir in der Sonne brutzeln oder was wir wo und wie essen, in bunten Bildern teilhaben lassen, überschwemmen wir doch Instagram & Co mit der traurigen Realität am Berg und Strand. Posten wir doch mehr von der wahren Welt und von all dem Dreck, der der Natur, und damit auch uns, immer mehr die Luft zum Atmen nimmt. 

Verrottungszeiten

  • Bananen- oder Orangenschale 1-3 Jahre
  • Papiertaschentuch 1-5 Jahre
  • Zigarettenstummel 2-7 Jahre (+ Chemikalien, Schwermetalle)
  • Kaugummi 5 Jahre
  • Blechdose 50-500 Jahre
  • Plastikflasche 100-5.000 Jahre
  • Plastiksack 120-1.000 Jahre
  • Aluminiumpapier 200-400 Jahre
  • Aludose 400-600 Jahre
  • Babywindel, Damenbinde 500-800 Jahre
  • Glasflasche (ganz) 4.000-50.000 Jahre – nicht messbar
  • Styropor 6.000 Jahre – nicht messbar
  • Batterie 100-1.000 Jahre (+ Chemikalien, Schwermetalle)

Quelle: www.alpenverein.com

b.charwat(at)manstein.at  

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