25.11.2021

„Wenn ihr aufsperrt, dann kommen wir"

Der kulinarische Saisonstart "Arlberg Weinberg" in Lech-Zürs musste aufgrund der bundesweiten Verordnung verschoben werden. Tourismusdirektor Hermann Fercher im Gespräch über die aktuelle Lage, die Stärke am internationalen Markt und die Bedeutung der Kulinarik für das Gourmetdorf.

© Zürs (c) Sepp Mallaun/Lech Zürs Tourismus, Daniel Zangerl/Lech Zürs Tourismus, Wucher Helikopter, Kirstin Tödtling/Lech Zürs Tourismus, Christoph Schöch/Lech Zürs Tourismus, Alex Kaiser/Lech Zürs Tourismus; Daniel Zangerl/Lech Zürs Tourismus (2)
Impressionen aus Lech Zürs (Bildergalerie)

 

Die Situation ändert sich momentan beinahe täglich. Wie ist die Lage in Lech Zürs kurz vor der geplanten Saisoneröffnung?
Hermann Fercher: Die Tatsache, dass die Impfpflicht in naher Zukunft in ganz Österreich eingeführt wird, schafft grundsätzlich Gewissheit. Wie alle Tourismusregionen sind wir uns der Schwierigkeit der Lage dennoch bewusst. Einerseits sehen wir die hohe Zahl an Neuinfektionen, andererseits ist auch die Zahl jener Gäste aus verschiedenen Ländern, die gerne zu uns kommen möchten und geimpft sind, sehr hoch. Mit einer 2G-Plus-Regelung mit PCR-Tests und der PCR-Teststraße im Ort können wir als Tourismusregion Sicherheit bieten. Ich bin der Meinung, dass diese Art des risikominierten Tourismus ab dem 13. Dezember möglich sein muss. Eine Verlängerung des bundesweiten Lockdowns halte ich für kritisch.

Wie haben die Gäste reagiert auf die Einstufung Österreichs als Hochrisikoland durch Deutschland? 
Das ist ein interessantes Paradoxon: Hoteliers erzählen mir sporadisch von Stornierungen – ich kann diese nicht quantifizieren –, aber das Feedback ist meistens, die Gäste wollen unbedingt kommen! Und wenn das Urlauberkind danach fünf Tage zu Hause bleiben muss, dann ist es halt so. 

Die Winterliebe ist grundsätzlich also ungebrochen, das zieht man durch?
Unsere Spekulation ist, dass über 80 wenn nicht sogar 90 Prozent unseres typischen Gästeklientels der Erwachsenen geimpft ist. Bei der Frage der Kinder, wenn es keine zwischenstaatliche Lösung geben sollte, werden die Gäste wahrscheinlich so reagieren, wie von mir vorhin vermutet. Unter unseren Gästen sind viele Freiberufler und Manager, die haben zum Beispiel Kindermädchen zuhause etc. Das ist einfach anders als in einem „normalen“ Haushalt.

Wie ist die Buchungslage der kommenden Wochen?
Die Buchungslage war bis dato eine gute. Aufgrund der unsicheren Lage können wir aber ein verändertes Buchungsverhalten, nämlich, dass die Gäste sehr kurzfristig buchen, beobachten. Derzeit befinden wir uns erneut in einem Lockdown, dieser geht natürlich mit Stornierungen bzw. Umbuchungen einher. Nichtsdestotrotz rechne ich aber grundsätzlich mit starken Wochen in den Wintermonaten, sobald Urlaub in Österreich gewährleistet werden darf.

Welche Marketingaktivitäten setzt Lech Zürs Tourismus in den Märkten?
Wir agieren vorsichtig beziehungsweise verhalten. Werbung kann teures Geld werden, wenn irgendetwas Unvorhergesehenes passiert. Wir setzen momentan auf die klassische Mundpropaganda, bespielen die sozialen Medien, unsere Website, Webcams etc. Wir können zum Glück stark auf unsere Stammgäste bauen.

Wenn sich die Gäste informieren wollen, schlagen die hauptsächlich bei Ihnen auf oder direkt in den Betrieben?
Sowohl als auch. Wir haben auf unserer Homepage einen Bereich geschaffen mit klaren Informationen zur aktuellen Covid-Situation und den gesetzten Maßnahmen (Anm.: www.lechzuers.com/de/sicherheit). 

Ihre Gästestruktur ist sehr international. Wie entwickeln sich Märkte wie Großbritannien, die USA oder der arabische Raum?
Ich bin demnächst in Dubai, da kann ich mir direkt ein Feedback holen. Arabische Gäste sind jedenfalls flexibel und in Dubai ist quasi jeder geimpft. Grundsätzlich ist es eine Wechselbeziehung, was die Ein- uns Ausreisebestimmung des Landes des Gasts und des Urlaubziels betrifft. Aus Großbritannien und USA verzeichnen wir nach wie vor eine starke Nachfrage. Bei den Gästen aus England spielen Kinder eine große Rolle, bei den Amerikanern weniger, die kommen meistens als Paar oder kleine Gruppe. Das Potenzial des internationalen Markts ist für uns so groß, dass wir Betten füllen werden, selbst wenn manche Familien von gewissen Märkten ausbleiben werden.

Mit welchen Neuigkeiten kann die Region in der Wintersaison locken?
Abgesehen davon, dass die Gastronomie und Hotellerie bei den wichtigen Bewertungen wieder sehr gut abgeschnitten hat, sind wir sehr gut vorbereitet. Neuigkeiten gibt es vor allem im Liftbereich, wo mit Saisonstart zwei umgebaute Bahnen eröffnen. Die Madlochbahn ist jetzt eine 6er-Sesselbahn und die Zugerbergbahn wurde als 10er-Gondelbahn neu errichtet. 

Nochmal zum Thema Gastronomie. Lech Zürs hat die weltweit größte Dichte an Haubenlokalen im Verhältnis zu den Einwohnern. Wie viele Gäste kommen nur wegen dem guten Essen und gar nicht so sehr wegen der Berge? 
Tourismus in Lech Zürs ist ein Gesamtkunstwerk. Unser USP zielt nicht nur auf zum Beispiel das Skifahren ab, es ist vielmehr die gelungene Kombination aus dem dörflichen Charakter, dem hohen Kulinarikstandard, den kleinen und feinen Beherbergungsbetrieben genauso wie den 5-Sterne-Hotels. Aus den Gästebefragungen wissen wir aber, dass im Winter rund 15 Prozent zum Entspannen, Spazierengehen und wegen des guten Essens zu uns kommen. 

Es gibt Bestrebungen, den Guide Michelin nach Österreich zu holen. Für Lech Zürs wäre es ein Hit, wenn man plötzlich mit ein paar Sternelokalen aufwarten kann. Sind Sie ein Mitkämpfer in der Sache?
Ich bin ein großer Fan der Michelin-Sterne und würde mich freuen, wenn es klappt; gerade wenn ich an unsere internationalen Gäste denke, die uns mit Regionen in Frankreich und der Schweiz vergleichen wollen.

Was stimmt Sie trotz der aktuellen Umstände positiv für die kommende Saison?
Eine Mischung aus der Erfahrung der letzten zwei Jahre und ein gewisser Zweckoptimismus (lacht). Was mich optimistisch stimmt, um es nochmals zu sagen, dass so viele und vor allem Stammgäste – und unser Stammgästeanteil liegt bei 86 Prozent –  vehement betonen, „wenn ihr aufsperrt, dann kommen wir. Egal wie oder was.“ Natürlich im Rahmen des Erlaubten. 

Danke für das Gespräch. 


Lech Zürs Tourismus in Zahlen

  • Sommersaison 2021: 53.152 Ankünfte (+ 14,2 %), 14 928 Nächtigungen (+ 9,8 %)
  • Wintersaison 2018/19: 164.002 Ankünfte, 825.341 Nächtigungen
  • Ca. 8.500 Gästebetten 
  • 19 Haubenlokale mit 47 Hauben

www.lechzuers.com/de

Quelle: Gemeinde Lech, Lech Zürs Tourismus

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