04.12.2020

Wer braucht die Piefkes?

30 Jahre nach der legendären Piefke-Saga werden geschlossene Hotels, Wirtshäuser und Skilifte wegen fehlender Gäste über Weihnachten traurige Wirklichkeit. Ein Kommentar von Axel Schimmel.

1990 schockierte der Tiroler Autor Felix Mitterer mit einer Frage die ganze Tourismusnation Österreich: Wer braucht die Piefkes? In dieser vor beißendem Sarkasmus strotzenden Realsatire stellte ein Nachrichtenmagazin diese Frage auf dem Titelblatt und brachte die Telefondrähte zwischen Tirol und Wien zum Glühen. „Seits es deppad“, schrien die Hotelierskaiser in den Hörer und die Wiener Beamtenschaft stand „Habt acht!“. In dieser an köstlichen Momenten so reiche Serie will ich nun eine Szene hervorheben. Und zwar jene als Christl Wechselberger (gespielt von der wunderbaren Veronika Faber), die Gattin von Hotelier, Taxiunternehmer und Bürgermeister der fiktiven Gemeinde Lahnenstein Franz Wechselberger (Kurt Weinzierl), mutterseelenallein in der Hotelküche sitzt und völlig verzweifelt nach einem Buderl Schnaps greift. Zu diesem Zeitpunkt war die Bombe bereits geplatzt, die Schockfrage „Wer braucht die Piefkes?“ gelangte ins deutsche Fernsehen und unsere Lieblingsgäste stornierten reihenweise die Weihnachtsurlaube. Getroffen von dieser Hiobsbotschaft genehmigt sich die Wechselberger Christl einen Schnaps. Wer will ihrs verdenken? Wie trostlos so eine leere Hotelküche sein kann, kommt in dieser Szene perfekt rüber: der Chromnickelstahl glänzt matt und versprüht Kälte pur, die laufenden Kühlaggregate surren monoton.

Leere Betten, verwaiste Küchen

Nun bleiben definitiv die Betten bis 6. Jänner leer, die Saunen kalt und die Küchen ungenutzt. Das hat es seit der 1000-Mark-Sperre nicht mehr gegeben. Ein Gastgeberland wie Österreich ohne Gäste. Es wird wahr, was niemand für möglich hielt.

Inwieweit diese verordnete Sperre gerecht ist, steht auf einem anderen Blatt. Denn sie negiert sämtliche Bemühungen der Branche, sichere Gastfreundschaft zu zelebrieren. Ob Zutrittsbeschränkungen, Plexiwände, reduzierte Sitzplatzanzahl, Desinfektionsbemühungen – alles für die Katz. Da mögen Finanzminister und Tourismusministerin noch so sehr mit Engelszungen vom Umsatzersatz singen. Die Betriebe sind zu, scheintot über Weihnachten. Natürlich können die Tourismusunternehmer nun erstmals mit ihren Familien völlig privat feiern, ohne für Gäste da sein zu müssen. Das werden Erlebnisse in einer neuen Dimension. Gnädigerweise lässt der Regierungschef die Lifte ab dem Heiligen Abend wieder fahren. Aber nur für die Einheimischen. Einreisewillige müssten zuerst in Quarantäne. Was die Liftbetreiber davon halten, erklärte Hotelier und Seilbahnbetreiber Franz Dengg aus Ehrwald in der Tagesschau der ARD: „Das ist schon alles sehr merkwürdig und scheint nicht recht durchdacht zu sein. Wo sollen sich Kinder aufwärmen, einen Tee trinken, vielleicht Pommes essen oder aufs Klo gehen?“, fragte der Unternehmer in die Kamera. Die pure Ratlosigkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Aber was lernen die Indianerkinder schon ab drei Jahren: Der gelbe Schnee hinterm Wigwam ist nicht zum Essen. Vielleicht dürfen wir uns auf solche Szenarien wieder einstellen.

Fünfte Folge ist in Arbeit

In der Serie schwängert übrigens „Piefke“-Sohn Gunnar Sattmann die Bergbauerntochter Anna. Das Kind wäre heute dreißig. Ob es wohl im Tourismus arbeiten würde? Felix Mitterer schreibt seit heuer an Folge fünf der Piefke-Saga. Vielleicht teilt er dem Produkt dieser deutsch-österreichischen Freundschaft ja eine Rolle zu.

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