06.06.2021

Wettbewerbsvorteil bei der Mitarbeitersuche

Entscheidend für den künftigen Erfolg: Eine aktuelle Umfrage identifiziert die sechs größten Herausforderungen für positive Mitarbeitererlebnisse.

Trotz Fachkräftemangel legen Arbeitgebermarken noch keinen ausreichenden Fokus auf die Employee Experience ihrer Mitarbeiter, wie eine Umfrage der Employer Branding Agentur identifire mit der Job-Plattform StepStone zeigt. „Eine einzigartige ‚Experience‘ wird in den nächsten Jahren zum Wettbewerbsvorteil und fixen Bestandteil einer attraktiven Arbeitgebermarke“, fasst Karin Krobath, Partnerin von identifire, den Trend zusammen. „Wer jetzt nicht Anlauf nimmt, wird in drei Jahren dem Mitbewerb hoffnungslos nachhinken.“ Auf diese Hürde steuern 37 Prozent direkt zu – Employer Experience hat in ihren Unternehmen heute noch einen (sehr) niedrigen Stellenwert.

Antworten von über 370 Führungskräften und HR-Verantwortlichen in der D-A-CH-Region flossen in die Untersuchung ein. Die meisten Unternehmen identifizieren das Thema zumindest als wichtigen Hebel für nachhaltige Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit. 95 Prozent der Befragten glauben, dass die Bedeutung von Employee Experience in den nächsten drei bis fünf Jahren (sehr) hoch sein wird.

22 Prozent der Topmanager sind heute überzeugt, dass ihr Betrieb dem Mitarbeitererlebnis sehr hohe Beachtung schenkt. Diese Einschätzung teilen Personalisten nur zu 7 Prozent und Kommunikationsfachleute zu 10 Prozent. Diese Diskrepanz ist leicht zu erklären. Während die Unternehmensspitze mit Adlerblick auf Mitarbeiterthemen schaut, stehen Personalisten und Kommunikationsfachkräfte knietief in den Mühen der Ebene. Sie kämpfen mit geringen Budgets, mangelnder Akzeptanz und zu wenig Ressourcen.

Herausforderung Hürdenlauf

„Die Studienergebnisse zeigen, wie schwierig es nach wie vor ist, mitarbeiterzentrierte Themen intern zu argumentieren“, erklärt Melanie Adam-Fischer, Juniorpartnerin von identifire. „Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass Change auf der Tagesordnung steht und interne Prioritäten oft verschoben werden.“ 150 offene Antworten zeigen die sechs größten Herausforderungen für einen gelungenen Startschuss von Employee Experience im eigenen Unternehmen:

  • Zu wenig Ressourcen und Budget: Employee Experience braucht einen fixen Platz in der Personalstrategie.
  • Corona und Begleiterscheinungen: Wenig persönlicher Kontakt, keine sozialen Events und Corona an sich sind nach wie vor Herausforderungen.
  • Change und Transformationen als Fokusthemen: Massive Umstrukturierungen, Führungswechsel und Change-Prozesse belasten zusätzlich. Die strategische Gestaltung der Employee Experience steht hinten an.
  • HR als Dirigentin aller Abteilungen: Employee Experience kann nicht von einer Fachabteilung gemacht werden, sondern entsteht in der Wahrnehmung der Menschen. Human Resources muss viele Abteilungen orchestrieren, damit das Gesamterlebnis stimmt.
  • Überzeugungsarbeit für Investitionen: Führungsetagen erkennen oft nicht, dass sich Employee Experience tatsächlich auszahlt. Das Etablieren des Themas braucht Zeit und smarte KPIs.
  • Employee Experience ist Chefsache: Führungskräfte sind hauptverantwortlich für positive Erlebnisse über Abteilungsgrenzen hinweg. Hier braucht es ein breites Bewusstsein.

Perspektivenwechsel gefragt: “mit” statt “für“

„Wer gute Leute halten will, tut gut daran, ihnen positive Erfahrungen im Job zu ermöglichen. Dazu muss ich aber auch darauf eingehen und hinterfragen, was sie brauchen. Eine positive Candidate Experience kann hier maßgeblich zu besseren Bewerbungen beitragen“, rät Corina Drucker, Co-Studienleiterin und Pressesprecherin StepStone Österreich.

Bei 57 Prozent können Mitarbeiter beim Weiterbildungsangebot mitbestimmen. Co-Creation-Workshops finden zu 40 Prozent statt. 32 Prozent holen sich die Meinung der Betroffenen bei HR-Prozessen und Self-Service-Angeboten. Ein Viertel der Betriebe gestaltet Mitarbeitererlebnisse ohne Mitarbeiterpartizipation.

Lebensphasen vertragen mehr Aufmerksamkeit

Bei genauem Blick auf die Lebensphasen und -realitäten der Mitarbeiter:innen steckt ungenütztes Potenzial für viele WOW-Momente. Bindung passiert immer dann, wenn sich Menschen unterstützt fühlen.

Ein Thema mit Potenzial für Mitarbeiterbindung ist Ehrenamt. Nur ein Viertel der Betriebe fördern ehrenamtliche Arbeit durch zeitliche Unterstützung oder Teilzeit-Jobs. „Hier sehen wir eine einfache Chance für periodische WOW-Momente und eine Win-Win-Situation für beide Seiten: Einzelpersonen müssen für das Ehrenamt keine Urlaubstage opfern, und das Unternehmensimage profitiert vom gesellschaftlichen Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, so Karin Krobath.

Die gesamte Studie zum Download:
www.identifire.at/studie-employee-experience

(Red)

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