16.03.2020

Wichtige Infos zum Kurzarbeitsmodell

Der Nationalrat hat am Sonntag in seiner Sondersitzung die gesetzliche Grundlage für ein neues COVID-19-Kurzarbeitsmodell beschlossen. Das sind die wichtigen Schritte.

1. Schritt: Umgehende Verständigung des AMS über bestehende Beschäftigungsschwierigkeiten.
2. Schritt: Gespräche mit Betriebsrat, wenn vorhanden.
3. Schritt: Sozialpartnervereinbarung (Wirtschaftskammer und Gewerkschaft)
4. Schritt: Einbringung des Antrages beim zuständigen AMS. Der Erstkontakt mit dem AMS kann per E-Mail oder telefonisch erfolgen.
5. Die vom AMS benötigten Informationen:

  • Genauer Beschäftigtenstand
  • Geplante Dauer der Kurzarbeit 
  • Anzahl der von Kurzarbeit betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • Durchschnittliches Einkommen in den jeweiligen Einkommensgruppen
  • Geplante maximale Arbeitszeitreduktion

Dokumente des AMS zur Kurzarbeit

https://www.ams.at/unternehmen/personalsicherung-und-fruehwarnsystem/ams-unterstuetzung/kurzarbeit/downloads-kurzarbeit

Kann die Arbeitszeit auch auf 0 Stunden reduziert werden?

Im gesamten Durchrechnungszeitraum kann die Arbeitszeit und somit das Entgelt um maximal 90 Prozent reduziert werden. Dabei können aber auch längere Zeiträume mit einer Wochenarbeitszeit von 0 Stunden vereinbart werden. Beispiel: Kurzarbeitsdauer 6 Wochen; 5 Wochen 0% Arbeitszeit, 1 Woche 60%. Der Durchrechnungszeitraum darf nicht länger sein als der bewilligte Kurzarbeitszeitraum.

Muss der Arbeitnehmer seinen gesamten Urlaub und sein gesamtes Zeitguthaben verbrauchen?

Bei der Corona-Kurzarbeit müssen Arbeitnehmer in Abstimmung mit dem Arbeitgeber ihren gesamten Urlaubsanspruch vergangener Urlaubsjahre und ihr gesamtes Zeitguthaben verbrauchen. Bei einer Verlängerung der Kurzarbeit über drei Monate hinaus sind weitere drei Wochen Urlaubsanspruch zu konsumieren.

Das Urlaubsentgelt bemisst sich am Entgelt vor Kurzarbeit und ist vom Arbeitgeber zu tragen.

Wie viel Geld bekommt der Arbeitnehmer? Wie hoch sind die Nettoersatzraten?

Die Kurzarbeitsbeihilfe des AMS bemisst sich am Nettoentgelt des Arbeitnehmers vor Kurzarbeit und garantiert ein Mindesteinkommen: 

  • Bis zu € 1.700,- Bruttoentgelt beträgt das Entgelt 90% des bisherigen Nettoentgelts.
  • Bis zu € 2.685,- Bruttoentgelt beträgt das Entgelt 85% des bisherigen Nettoentgelts.
  • Bis zu € 5.370,- Bruttoentgelt beträgt das Entgelt 80% des bisherigen Nettoentgelts.

Die Mehrkosten trägt das AMS (bis zur Höchstbeitragsgrundlage), nicht das Unternehmen.

Die Kosten für den Arbeitgeber

Der Österreichische Gewerkschaftsbund hat den Nettolohn für die Arbeitnehmer und den Nettoaufwand für die Arbeitgeber berechnet.

  • Beispiel 1: Bei einem Einkommen von 1.700 Euro brutto, einem sich daraus bei Kurzarbeit ergebenden Nettoentgelt für den Arbeitnehmer von 90 % seines bisherigen Nettoentgelts und einer Reduktion der Arbeitszeit auf 50 % ergibt sich für den Arbeitnehmer ein Einkommen von 1.298,60 Euro netto, für den Arbeitgeber ein Personalaufwand (für 50 % der Arbeitszeit) von 447,70 Euro netto.
     
  • Beispiel 2: Bei einem Einkommen von 2.000 Euro brutto, einem sich daraus bei Kurzarbeit ergebenden Nettoentgelt für den Arbeitnehmer von 85 % seines bisherigen Nettoentgelts und einer Reduktion der Arbeitszeit auf 50 % ergibt sich für den Arbeitnehmer ein Einkommen von 1.408,90 Euro netto, für den Arbeitgeber ein Personalaufwand (für 50 % der Arbeitszeit) von 539,50 Euro netto.

Eine Beispielrechnung gibt es auch von der WK Niederösterreich (Näherungswerte, ohne Lohnnebenkosten):

  • Ein Arbeitnehmer erhält ein Bruttoentgelt vor Kurzarbeit von 2.000 Euro (netto 1.500 Euro). Die Arbeitszeit wird um 50% verringert. Der Arbeitnehmer erhält vom Arbeitgeber während der Kurzarbeit netto 1.275 Euro (das sind 85% Nettoentgeltgarantie), brutto ca. 1.585 Euro. Diese 1.585 Euro sind um 585 Euro mehr als es der 50%-Arbeitszeit entspricht (50% von brutto 2.000 sind 1.000 Euro). Das AMS ersetzt dem Arbeitgeber diese 585 Euro an Mehrkosten.

Muss der Arbeitgeber weiterhin die Sozialversicherungsbeiträge bezahlen?

In den Pauschalsätzen des AMS sind auch die anteiligen Sozialversicherungsbeiträge enthalten. Die Sozialversicherungsbeiträge des Dienstgebers bemessen sich aber am Entgelt vor Kurzarbeit. Im neuen Kurzarbeitsmodell werden auch diese erhöhten Beiträge ab dem vierten Monat vom AMS übernommen.

Wie schnell kann das Kurzarbeitsmodell vereinbart werden? 

Die Sozialpartner haben zugesagt, ab Abschluss der Gespräche auf betrieblicher Ebene (Vorliegen einer unterschriftsreifen Betriebsvereinbarung/Einzelvereinbarung) eine Sozialpartnervereinbarung innerhalb von 48 Stunden zu ermöglichen.

Wie lange ist die Förderdauer?

Zunächst drei Monate, bei Bedarf kann das Modell um weitere drei Monate verlängert werden.

Kann der Arbeitgeber Mitarbeiter während Kurzarbeit kündigen? Wie lange muss der Arbeitgeber Mitarbeiter nach der Kurzarbeit behalten?

Der Arbeitgeber ist laut Sozialpartnereinigung verpflichtet, während Kurzarbeit und bis zu einem Monat nach Ende der Kurzarbeit den Beschäftigtenstand aufrechtzuerhalten. Bei besonderen Verhältnissen ist über den Entfall der
Behaltefrist zu verhandeln.

Informationen und Kontaktaufnahme

Das AMS ersucht Unternehmen, sich möglichst vor Kontaktaufnahme mit dem AMS oder der WKO anhand eines gemeinsam mit dem Arbeitsministerium erarbeiteten Dokuments (siehe Anhang am Ende des Artikels bzw. die wichtigsten Punkte haben wir oben aufgelistet) bzw. auf der AMS-Webseite, die laufend aktualisiert wird sowie auf der Webseite der WKO (https://www.wko.at/corona) zu informieren, damit Anfragen rascher bearbeitet werden können. 

Außerdem, sich zur Vorbereitung der Sozialpartnervereinigung per E-Mail an die jeweilige Landeswirtschaftskammer zu wenden (telefonisch, E-Mail, eAMS Konto).

Weitere Infos zur Kurzarbeit

https://www.wko.at/service/faq-coronavirus-infos.html#heading_corona_kurzarbeit

https://www.oehv.at/themen-recht/rechtsinformation/coronavirus-2/corona-kurzarbeit/

https://news.wko.at/news/niederoesterreich/corona-kurzarbeit.html

 

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