15.06.2020

"Widersetzen Sie sich Trends!"

Noch nie war der Gewinn von Marktanteilen und neuen Kunden leichter, meinen Sonja Himmer und Eva Buchheim von der Werbeagentur Himmer, Buchheim & Partner. Dagmar Lang, Herausgeberin des Manstein Verlags, führte mit beiden ein Interview über die Chancen in der Krise und danach.

Die Krisen der Vergangenheit haben bewiesen, dass jene Firmen, die jetzt nicht reflexartig die Marketing- und Werbebudgets auf Null kürzen, schneller und besser aus ihr hervorgekommen sind. Im Interview mit Sonja Himmer und Eva Buchheim von der Werbeagentur Himmer, Buchheim & Partner über Chancen in der Krise, geringes Werbebudget und ein paar kreative Tipps für Betriebe von Marketingprofis.

Stammgast.Online: Wie sollen Unternehmen Ihre Kommunikation und Werbung nach dem Lockdown ausrichten?

Eva Buchheim: Jede Krise ist eine Chance zu entscheiden: Was bleibt und was geht. Und nicht nur Antworten zu suchen, sondern auch den Fragen mehr Beachtung zu schenken. Unternehmen sind erfolgreich, wenn sie kreativ bleiben. Also warnen wir davor vorsichtig zu sein. Die Krise hat gezeigt, wie schnell internationale/externe Ressourcen wegfallen können. Für regionale Unternehmen gibt es jetzt eine einzigartige Chance: Widersetzen sie sich „Trends“ und forschen Sie was Sie dem Geist dieser Zeit geben können. Erwecken Sie Ihr Unternehmen, provozieren Sie und kommunizieren Sie. Erstaunen Sie Ihre und neue Kunden und Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Sonja Himmer: Es ist ein guter Zeitpunkt. Die medialen Konditionen sind so gut wie nie. Mit einem geringeren Budget aber einer großen Idee erreichen Sie jetzt mehr als je zuvor. Auf solchen Wegen begleiten wir unsere Kunden und Kundinnen und machen aus ihren 100.000 Euro einen vermeintlichen 300.000 Euro Etat.

Wie meinen Sie das konkret?

Eva Buchheim: Zum Beispiel im Tourismus. Nie wieder werden Österreicher ihr Land so erleben können wie
in diesem Jahr. Keine Touristenmassen mit allen Begleiterscheinungen. Sondern Qualität der Zeit und Qualität der Eindrücke.

Sonja Himmer: Oder wir orten auch eine qualitative Nachfrage bei der Jugend. Wonach ist sie auf der Suche, wenn
Festivals und Auslandsreisen wegfallen? Momentan wird viel in kleinen Gruppen geplant und überlegt. Schreiben Sie Ihre Stammgäste an und erzählen Sie Ihnen, wie Sie den Lockdown dazu genützt haben, Ihr Haus noch schöner, das Restaurant noch gemütlicher, die Wellnesslandschaft noch ansprechender gemacht haben. Schicken Sie authentische Bilder, die Lust machen, zu kommen. 

Eva Buchheim: Überlegen Sie sich Goodies für Ihre Stammgäste, man freut sich auch über ein besonderes Willkommensgeschenk, zum Beispiel ein Upgrade. Überlegen Sie sich besonders attraktive Kinderbetreuungsprogramme, damit sich die Eltern vom Homeoffice und Homeschooling erholen können. Nutzen Sie den Trend zur hochwertigen, regionalen Küche. Denken Sie aber auch an die Zielgruppen 60+: sie haben Geld und Zeit, sie erleben jetzt die Orte ihrer Kindheit, geben Sie ihnen das Gefühl, dass sie jetzt besonders willkommen sind. Zeigen Sie diese Emotionen authentisch auf Ihrer Homepage, sie darf nicht so aussehen wie vor Corona, der Gast erwartet das Besondere. Und wenn Sie wirklich schon ausgebucht sind, dann wählen Sie andere Formulierungen, die signalisieren, dass jeder Gast willkommen ist, wenn auch zu einem anderen Zeitpunkt.

Sonja Himmer: Denken Sie über mehr Flexibilität beim Check-in und Check-out nach. Loyalty Programme im Kleinen wie im Großen machen den Gast zum Stammgast, auch wenn die Grenzen wieder offen sind. Wir sind Partner für solchen Überlegungen und setzen sie in eine starke Kommunikationsidee um.

Auf Ihrer Homepage schreiben Sie, Sie machen exzellente, originelle, holistische Markenstrategien für Consumer, Employer und Investoren. Welchen Stellenwert hat interne Kommunikation in und nach der Krise, was meinen Sie?

Eva Buchheim: Einen verdammt hohen. Behandeln Sie Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sehr gut. Sie sind Ihr verborgener Schatz. Sie sind die Multiplikatoren und erste Botschafter Ihres Unternehmens. Und das macht sie neben der Kraft Ihrer Marke zu einem gefragten Arbeitgeber. Und natürlich wollen Sie die Besten der Besten. Oder?

Sonja Himmer: Aber es ist jetzt auch ein guter Zeitpunkt noch transparenter zu kommunizieren, Ängste
anzusprechen, zu beruhigen. Wir sehen bei unseren Kunden und Kundinnen, dass Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ihren Arbeitsplatz nicht mehr als selbstverständlich sehen und auch der kausale Zusammenhang - eigene Leistung -  Kundenzufriedenheit - guter Verkauf - gesundes Unternehmen - eigener Erfolg, besser erkannt wird. Das birgt auch eine einmalige Chance im Diskurs.

Was unterscheidet Sie von anderen Agenturen?

Eva Buchheim: Wir beeindrucken Kunden nicht nur mit unserer Arbeit, sondern auch mit Schnelligkeit, Verständnistiefe, Leidenschaft und Chuzpe. Zum Beispiel konnten wir während dem „Lockdown“ gleich vier Neukundenkampagnen gleichzeitig entwickeln.

Wie haben Sie als Agentur die Coronakrise erlebt?

Sonja Himmer: Gut. Dadurch wir bereits seit Jahren eine autonome Struktur haben, hat sich nichts wesentlich geändert. Nur die persönlichen Treffen mit Kunden und Kundinnen und Kollegen wie Kolleginnen haben uns gefehlt.
Gott sei Dank, war unsere Auftragslage akzeptabel. Dennoch waren einige Projekte von Covid-19 direkt betroffen oder wurden verschoben.

(Das Interview führte Dagmar Lang.)

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