03.02.2021

Wie Kleininvestoren Hotels retten

Ein österreichischer Crowdinvesting-Profi startet mit „CONDA hilft: Tourismus“ ein Programm zur Stärkung des Eigenkapitals für Hotels. Geschäftsführer Daniel Horak im Interview über die Hilfe zur Selbsthilfe und den Weg vom Zweifel zur Begeisterung.

Viele Skeptiker an Crowdinvestments wurden in den letzten Jahren zu Gläubigen. Denn das Finanzierungsmodell funktioniert schnell, unbürokratisch und gleichzeitig wird die Kundenbindung gestärkt. Im Tourismusbereich bleibt es trotzdem noch eine Ausnahme.

Mit Conda hilft: Tourismus bekommen Tourismusbetriebe nun ein Instrument in die Hand, um mit Unterstützung von Kleininvestoren durch die aktuelle Krise zu steuern. Diese sogenannte „Crowd“ sind Privatpersonen, zum Beispiel Stammgäste, Fans oder Partner, die einen bestimmten Betrieb unterstützen wollen. Die Kampagne steht aber auch allen anderen Interessierten offen.

Sie alle können einen bestimmten, von ihnen gewählten Betrag in das Unternehmen investieren und erhalten diesen nach einer definierten Laufzeit zurück. Zusätzlich werden Zinsen für das bereitgestellte Kapital auf Naturalbasis in Form von Gutscheinen ausgegeben, die nur im Betrieb eingelöst werden können. Im Gegensatz zu Gutscheinen, die sofort verbucht und umsatzsteuerpflichtig werden und damit einer Leistungserbringung gegenüberstehen, handelt es sich bei diesem Finanzierungsmodell von Conda um ein Nachrangdarlehen mit eigenkapitalersetzender Wirkung. Das heißt, die Bonität wird gestärkt, Liquidität wird geschaffen und falls notwendig kann Fremdkapital gehebelt oder besichert werden. 

Die Finanzierung hat zudem einen Mehrfach-Effekt, da sie über mehrere Jahre läuft und daher eine nachhaltige Kundenbindung ermöglicht. Es fallen nur sehr geringe Kosten für die teilnehmenden Betriebe an. Unterstützt wird die Initiative vom Österreichischen Hotelierverband (ÖHV) sowie von der Erste Bank und Sparkasse

stammgast.online: Herr Horak, nicht nur die Betriebe selbst, auch eine Crowdinvesting-Plattform will Geschäfte machen. Warum unterstützen Sie Unternehmen mit dieser Aktion?
Daniel Horak: Wir haben bereits in Lockdown 1 die Idee für „Conda hilft“ geboren. Damals konnten wir mit dem gleichen Konzept zwölf Unternehmen unterstützen: Nämlich mit minimalen Kosten für die Betriebe, auf sehr unbürokratischem Weg und mit der Idee, dass die Investoren Zinsen bekommen. Die Betriebe konnten so zusammen eine Dreiviertelmillion Euro frisches Kapital einnehmen. Wir bei Conda haben das Glück, dass wir bisher gut durch die Krise gekommen sind und deshalb anderen Unternehmern helfen können.

Warum jetzt speziell für den Tourismus?
Die Unternehmen haben ja nicht nur Liquiditätsherausforderungen, sondern auch einen Investitionsrückstau. Bisher gab es vorwiegend Überbrückungsfinanzierung. Jetzt aus der Krise kommend zu investieren wäre eigentlich eine Chance, aber oftmals reicht das Eigenkapital nicht. Durch die Verlängerung des Lockdowns sind irgendwann die letzten Reserven der Tourismusbetriebe aufgebraucht. Gleichzeitig ist die Vorfreude auf Urlaube bei vielen Menschen sehr groß. Das Geld, das man dafür jetzt nicht ausgeben kann, investieren manche vielleicht lieber in ihr Stammhotel. Wenn ich eh schon jedes Jahr ins gleiche Hotel komme und dort meinen Lieblingsplatz habe, ist das Investment doppelt und dreifach interessant. 

Wie verbreitet sind Crowdinvestments in der Branche?
Ich sitze aktuell viel am Telefon bzw. vor dem Bildschirm und erkläre das Finanzierungsmodell. Man merkt deutlich, dass viele Hoteliers bisher einen einzigen Finanzierungsweg kennen, nämlich die Bank. Für viele ist das ein ganz neues Feld. Wir erklären das Crowdinvesting-Modell, klären über die Verträge auf, oftmals in einer zweiten Runde auch mit einem Steuerberater gemeinsam.

Auf welche Erfahrungswerte kann Conda zurückgreifen?
Wir konnten schon in der Vergangenheit einige Hotelprojekte finanzieren, zum Beispiel das Hotel Christoph in Ellmau oder das Cooee alpin von Rainer Schönfeld in Bad Kleinkirchheim. Wir bemerken, dass Crowdinvestment immer populärer wird, gleichzeitig gibt es bei etablierten Häusern gewisse Vorbehalte; weil man es nicht gut kennt und weil es einfacher ist, in die Hausbank zu gehen. Aber die Eigenkapitalanforderungen werden immer höher und es braucht Alternativen. Es bleibt oftmals keine andere Möglichkeit mehr, als neue Wege zu beschreiten. Wenn wir es dann umsetzen, sind alle ganz begeistert, welchen Mehrwert sie neben dem Geld erhalten. Etwa die öffentliche Aufmerksamkeit und die Wahrnehmung außerhalb ihrer etablierten Zielgruppen und vor allem eine unfassbare starke Bindung ihrer Gäste an den Betrieb. 

Wie viele Betriebe haben sich für die jüngste Initiative schon angemeldet?
Wir sind gerade in der Vorbereitungsphase. In den ersten fünf Tagen haben sich 23 Betriebe bei uns gemeldet. Die Anfragen sind sehr breit, es ist die klassische Ferienhotellerie aus Westösterreich ebenso dabei wie die Stadthotellerie bis hin zu Freizeitbetrieben und Erlebnisgastronomie. Etablierte Hotels genauso wie Neuprojekte, die eigentlich schon 2020 durchstarten wollten. 

Gibt es eine Regel für die Nutzung des frischen Kapitals?
Was ein Hotelier mit dem Kapital tut, obliegt seiner unternehmerischen Verantwortung. Wir analysieren vor der Teilnahme eines Betriebs, ob das im Rahmen der Wirtschaftlichkeit überhaupt Sinn macht. Ob das Unternehmen schon vor Corona mit dem Rücken zur Wand stand oder Corona es in Turbulenzen brachte. Die Voraussetzungen müssen so sein, dass überhaupt jemals Zinsen ausbezahlt bzw. Geld zurückgezahlt werden kann. Diese Prüfung der inhaltlichen Kriterien liegt in unserer Verantwortung. 

Gibt es einen fixen Zinssatz für die Investoren?
Die Zinshöhe ergibt sich aus der Finanzkraft. Wir machen im Hintergrund ein Rating, daraus errechnen wir einen Zinssatz. Neben der Basisverzinsung gibt es eine Bonusverzinsung, die sich aus dem Unternehmenserfolg errechnet. Ein Beispiel aus „Conda hilft“ im ersten Lockdown: Starbike, das ist ein Fahrradgeschäft aus dem 2. Wiener Bezirk, ist direkt vor der Eröffnung vom Lockdown getroffen worden. Sie haben sich bei uns Geld geholt und dann freiwillig, nachdem das Geschäft sehr gut angezogen hat, am Ende des Jahres höhere Bonuszinsen an die Investoren ausgezahlt. Ich als passionierter Fahrradfahrer habe einen 60-Euro-Gutschein bekommen und mich sehr darüber gefreut (Anm.: schmunzelt). 

Wie lange dauert so ein Investment?
Das kommt ebenfalls auf das Unternehmen an. Wir stimmen das im Normalfall mit dem Businessplan und restlichen Finanzierungsquellen ab. Ein Hotel, das investieren möchte, hat meist gleichzeitig eine Bankfinanzierung laufen. Die Crowd muss mindestens so lange dabei sein, wie die Bank finanziert. Das ist die Voraussetzung der Bank, damit das eingesammelte Geld als Eigenkapital-ersetzend angesehen wird. 

Wie viele Investoren müssen sich pro Kampagne finden, damit sie zustande kommt?
Bei jeder Kampagne gibt es ein Minimumlevel, das normalerweise bei 50.000 Euro liegt. Für „Conda hilft: Tourismus“ haben wir die Grenze auf 30.000 herabgesetzt. Wir wollen schließlich auch kleineren Betrieben unter die Arme greifen. Wenn der Mindestbetrag nicht erreicht wird, geht das Geld wieder zurück an die Investoren. Das Hotel kann in dem Fall die Finanzierung nicht erhalten.

Mit welchen Investitionsvolumen rechnen Sie insgesamt?
Das ist schwierig zu sagen, weil wir erst in der Vorauswahl sind. Ich sage ganz offen, wenn wir drei Betrieben helfen können, bin ich schon zufrieden. Dann gibt es drei Betriebe mehr, die auch in Zukunft Arbeitsplätze schaffen und einen Beitrag zur Wirtschaft leisten. Bei 20 Betrieben wäre ich natürlich noch glücklicher.

Gibt es eine Obergrenze für Investments auf diesem Wege?
Einen rechtlichen Rahmen. In Österreich liegt die Schwelle bei zwei Millionen Euro, darüber hinaus ist eine „Prospektpflicht light" mit höheren Anforderungen, mehr Vorbereitungszeit etc. notwendig. Gerade etablierte Unternehmen verstehen die Motivation ihrer Kunden zu investieren genau und setzen das sehr erfolgreich um. Bei einem Hotelprojekt sind es in Summe 1,4 Millionen Euro geworden. Ende des letzten Jahres hat Conda eine Brauerei in München finanziert, die in Summe schon 6 Millionen Euro über die Crowd lukrieren konnte. Kampagnen für Rapid und Austria Wien haben 1,5 bzw. 3 Millionen eingebracht. Auf unserer Plattform läuft gerade eine Kampagne für das Unternehmen EAP für ein modernes Zahnimplantat. Obwohl EAP vorher kaum einer kannte, sind von der Crowd schon 700.000 Euro geflossen. Man sieht, dass innovative Ideen und Konzepte Geld einsammeln.

Mit wie viel Zuversicht gehen Sie in dieses Projekt für den Tourismus?
Ich glaube, das Thema Urlaub ist etwas Hochemotionales und ich sehe riesiges Potenzial darin. Ich hatte viele Gespräche mit Touristikern, Hoteliers, innovativen Unternehmern und ein zentrales Anliegen war, die Kunden und Gäste wieder stärker an die Betriebe zu binden. Wir müssen versuchen, von den anonymen Buchungsplattformen wegzukommen und die Gäste näher heranzuführen. Da ist die Crowd ein sensationell gutes Instrument. Ich werde Miniteilhaber: Denn was verspricht größere Nähe, als an etwas beteiligt zu sein.

Danke für das Gespräch.


Über Conda
Österreichs größte Crowdinvesting-Plattform für Start-ups und KMU wurde 2013 gegründet. Seitdem konnten erfolgreich mehr als 130 Projekte mit über 46,5 Millionen Euro finanziert werden. Mittlerweile zählt Conda über 30.000 internationale Investoren zu seiner Community und gibt diesen die Möglichkeit, länderübergreifend in Unternehmen in Österreich, und Deutschland zu investieren. 
www.conda.at

 

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