22.01.2020

Wien: hier kommt die Milliarde

Im Vorjahr sind in Wien rund 17,6 Mio. Gästenächtigungen verzeichnet worden. Das sind 6,8 Prozent mehr als 2018 - und damit ein neuer Rekord. Doch auch die Umsätze in der Hotellerie sind entsprechend gestiegen. Erstmals könnte dabei die Marke von 1 Mrd. Euro übertroffen werden.

Der Boom reißt nicht ab. 2019 sind in Wien rund 17,6 Mio. Gästenächtigungen verzeichnet worden. Das sind 6,8 Prozent mehr als 2018 - und damit ein neuer Rekord. Die jedoch in letzter Zeit besonders hoch gehaltenen Umsätze in der Hotellerie sind auch entsprechend gestiegen. Erstmals könnte dabei die Marke von 1 Mrd. Euro übertroffen werden, die genauen Zahlen vom rekordverdächtigen Dezember 2019 (mit einem Nächtigungsplus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr) sind bei den offiziell gemeldeten 904 Mio. Euro Nächtigungsumsatz noch nicht dabei.

Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke ist als Finanzstadtrat hoch erfreut, von Zahlen wie vom WienTourismus zu bereichten, sprach er dabei von "ansehnlichen Rekorden" und verwies zugleich darauf, dass die "Tourismusgesinnung" der Wienerinnen und Wiener nach wie vor sehr hoch sei. 

„Wien wird internationaler, relevanter und ertragreicher“

83 Prozent der Nächtigungen im Vorjahr betrafen internationale Besucher. Aus den zehn touristisch für Wien wichtigsten Ländern stachen vor allem Italien, Frankreich und Spanien hervor - wobei letzteres sogar mit 20 Prozent Zuwachs aufwarten konnte. Starke Steigerungsraten wurden auch bei Besuchern aus Israel oder Japan vermeldet. Aus den Hauptmärkten gab es mit Großbritannien nur ein einziges Land, das ein Minus zu verbuchen hatte.

2019 wurden auch erstmals mehr als eine Million Nächtigungen von US-Amerikanern registriert. Wobei hier eine weitere Steigerung wahrscheinlich erscheint: AUA-Vorstandsmitglied Andreas Otto verwies heute etwa auf die neue Destination Boston, die heuer ins Programm genommen wird. Kettner betonte jedoch, dass auch der Anteil der Besucher, die mit dem Zug nach Wien kommen, erhöht werden soll. Otto und Kettner sind sich hingegen einig, dass die Zahl der Passagiere, die in Wien bleiben (aktuell 40 Prozent der AUA-Passagiere, die in Wien landen) im Gegensatz zu denen, die weiterreisen, erhöht werden soll. 

Die Zahl der Hotelbetriebe hat sich - trotz Boom - verringert. Waren es 439 noch 2016, sank die Zahl zuletzt auf 422. Allerdings sei das Bettenangebot insgesamt gewachsen, da die Häuser immer größer werden. Die Bettenauslastung kletterte im Vorjahr auf 61,9 Prozent (2018: 60,2 Prozent), die Zimmerauslastung lag bei rund 80 Prozent (2018: 78 Prozent).

Kurzes Verschnaufen auf hohem Niveau

Kettner wagte bereits einen Ausblick auf 2020. Er sprach von einer "Verschnaufpause" auf hohem Niveau. Denn frühere Zuwächse, etwa Ende 2018, seien unter anderem auf den damals einsetzenden Wettbewerb von Low-Cost-Carriern zurückzuführen. Dieser Effekt habe sich inzwischen neutralisiert. Auch eine mögliche Konjunkturschwäche in wichtigen Quellmärkten wurde ins Treffen geführt.

Beim Marketing wird auch der Wien-Tourismus heuer auf den "Jahresregenten" Ludwig van Beethoven setzen, der vor 250 Jahren das Licht der Welt erblickte. Generell wirbt man vor allem um wohlhabendere Reisende - und um Familien. Wobei das klassische Bild hier heuer ausgeweitet wird. In Italien wird die entsprechende Kampagne um die lesbische bzw. schwule Zielgruppe ergänzt.

Luxus-Shopping und 5-Sterne-Häuser

Der Fokus von Wien ist nach wie vor das Luxussegment, dabei vor allem das Einkaufserlebnis. Neben zahlreichen internationalen Firmen sind es aber auch kleine Manufakturen, die die Gäste dazu bewegen, viel Geld in Wien zu lassen. China führt hier beispielsweise die LIste jener EU-Länder an, die in Summe die höchsten Shoppingausgaben haben. Durchschnittlich geben diese Urlauber 942 Euro pro Einkauf in Wien aus, österreichweit immerhin noch 575 Euro/Einkauf. 27 Prozent der US-Gäste, die mit einer Million Nächtigungen die USA zu einem der wichtigsten und wertigsten Fernmärkten machen, nächtigen in 5-Sterne-Häusern in Wien. Japanische Urlauber zu 18 Prozent und Chinesische Gäste immerhin zu 14 Prozent. 

Ausblick 2020: mehr Betten, auch im obersten Segment

Für das laufende Jahr ist mit 13,5 Mio.Euro das Marketingbudget des WienTourismus eine Spur geringer als im vergangenen Jahr (15 Mio.) was jedoch keine Einsparungen in dem Sinne bedeute, wie Kettner betont. „Schwankungen wie diese hat es in den letzten zehn Jahren immer gegeben.“ Starkes Wachstum gibt es hingegen bei den zukünftigen Hoteleröffnungen in Wien, zusätzliche 5.000 Betten in allen Kategorien werden bis Ende 2020 in Wien zusätzlich buchbar sein. Mit dabei die beiden 4-Sterne-Hotels Mooons (Eröffnung im Februar) mit 340 Betten, Jaz in the City (Deutsche Hospitality) im ehemaligen AK-Gebäude mit 326 Betten oder das 5-Sterne Almanac Hotel mit 222 Betten. 

Gemeinsamkeiten mit dem vom Sparkurs der Lufthansa geprägten Home-Carrier Austrian Airlines gibt es dennoch: Eine durchschnittliche Auslastung der AUA-Flieger von 80 Prozent bzw. ein Passagierzuwachs von 5,1 Prozent deckt sich beinahe punktgenau mit den Entwicklungen des WienTourismus. Otto sieht jedoch dem ungebremsten Wachstum der Passagierzahlen am Flughafen Wien skeptisch entgegen: „Dieser enorme Aufschwung durch Low-Cost-Carrier ist nicht gesund.“  

(apa/red)

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