24.07.2019

Wiens Tourismus wächst weiter rasant

Im ersten Halbjahr 2019 verzeichnete die Hauptstadt erneut Rekordwerte. Die Nächtigungen von Jänner bis Juni sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,9 Prozent auf 7,94 Millionen gestiegen, der Hotellerieumsatz zog noch deutlicher an.

Wien boomt als Fremdenverkehrsziel ungebrochen. Was die Nächtigungsbilanz im ersten Halbjahr anbelangt, lieferten 26 der 30 wichtigsten Herkunftsmärkte einen Zuwachs. Unter den Top Ten zeigte die Kurve sogar ausnahmslos nach oben. Für Wiens Tourismusdirektor Norbert Kettner ist das ein "super Trend". Das Ziel des Wien-Tourismus, bis 2020 auf 18 Millionen Nächtigungen im Jahr zu kommen, sei in Griffweite.

Kettner führt die positive Entwicklung nicht zuletzt auf die gestiegenen Flugkapazitäten nach Wien zurück. Im Sommerflugplan habe sich die Flugfrequenz gegenüber 2018 um 11 Prozent erhöht, die Sitzplatzkapazität sogar um 16 Prozent. Dazu drücke der Konkurrenzkampf der Billigfluglinien die Ticketpreise, so der Tourismus-Chef.

Kettner will im kommenden Jahr zudem die Umsatzmarke von 1 Milliarde Euro knacken. Hier stehen die Vorzeichen ebenfalls nicht schlecht. Denn bis inklusive Mai - für Juni gibt es noch keine Zahlen - kletterten die Hotellerieeinnahmen auf knapp 360 Mio. Euro. Das entspricht einem satten Plus von 23,5 Prozent. Damit zeige sich, dass nach den Steigerungen im Vorjahr die Durchsetzung besserer Preise "keine Eintagsfliege" sei.

Abzock- und Ramschtourismus sind ein Problem

In Sachen Gäste- bzw. Nächtigungsaufkommen ist für den städtischen Tourismusverantwortlichen das Ende der Fahnenstange noch nicht in Sicht: "Es ist noch lange keine Obergrenze erreicht. Wenn sich die geopolitische Lage nicht ändert, rechnen wir weiterhin mit einem Wachstum". Ein Overtourism-Problem, über das etwa Städte wie Barcelona oder Venedig klagen, kann Kettner in der Bundeshauptstadt weiterhin nicht erkennen.

"Das Problem sind nicht die Köpfe, sondern der Abzock- und Ramschtourismus, die schnelle Geschäftemacherei. Das sind etwa die neuen E-Oldtimer, Souvenirstände oder die Mozartverkäufer. Bei letzteren sind wir der Stadt sehr dankbar, dass nun Maßnahmen ergriffen werden", betont Kettner. Handlungsbedarf sieht er auch bei den Schiffstouristen, die am Donauufer anlegen. Hier gebe es das Problem, "dass derzeit alle zu den Stoßzeiten am Morgen mit Bussen in die Innenstadt gebracht werden. Da wollen wir mit den Reedereien über bessere zeitliche Staffelungen reden".

Neue Tourismusstrategie wird präsentiert

Im Herbst will der Wien-Tourismus seine neue Strategie bis 2025 vorstellen. Viel will Kettner dazu noch nicht sagen. Neue Zielwerte für Nächtigungszahlen werde es jedenfalls nicht mehr geben, "weil der Erfolg von Tourismus nicht nur damit gemessen werden kann. Was es aber geben wird, sind Wertschöpfungsziele." Ein starker Fokus bei Marketing- und Kooperationsaktivitäten soll demnach weiterhin auf dem lukrativen Premiumsektor liegen. Und die derzeit sehr auf einzelne Orte konzentrierten Besucherströme - Stichwort Kohlmarkt/Graben/Kärntner Straße in der Innenstadt - sollen besser entzerrt werden.

 

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