20.06.2022

Wieviel Gebäck, bittää?

Diesmal gehts‘ in Willys Gastro-Wochenrückblick um den ungeliebten Brauch des einzelnen Gebäckbezahlens.

Als ich so Mitte, Ende der Achtziger mit meiner Comedytruppe „Nonsens Company“ durch die Lande tingelte, spielten wir unter anderem auch ein Programm mit dem gleichnamigen Titel wie diese Kolumne. Es war vorwiegend eine Ansammlung von selbst geschriebenen Sketches, denen allesamt live Erlebtes in Wirtshäusern, Beisln, Bars und Restaurants zugrunde lagen. Unter anderem mokierten wir uns damals über den in Österreich sehr verbreiteten Brauch, nicht nur beim Eingang bereits nach den Speisewünschen zu fragen ohne die dazugehörige Karte gesehen, geschweige denn durchstudiert zu haben, sondern auch beim Kommando „Zahlen!“ automatisch mit „Wieviel Gebäck, bittää?“ seitens des Kellners zurück zu bellen.

Die Crux lag übrigens – damals wie heute – nicht in der forschen Art und Weise den Gästen eine hoffentlich treffende Zahl zu entlocken, sondern generell die Tatsache, dass man überhaupt für dieses steinerne Stück Beilage, Semmerl oder Salzstangerl genannt, etwas bezahlen muss. Ein Ausflug in die mediterranen Länder wie Griechenland, Italien oder Spanien zeigt, es geht auch anders. Da steht frisches (!) Brot nicht nur gratis zur freien Entnahme am Tisch, sondern wird auch oft und gerne nachgereicht, sobald dasselbe zu Neige gehen droht. Was, so ganz nebenbei bemerkt, mit dem Wasser ebenso ist. Aber das ist wiederum eine völlig andere Geschichte.

Zwar hat sich die Sache mit dem Gebäck seither in etlichen Fällen verändert, jedoch nicht wirklich verbessert aus der Sicht einiger Gäste. Denn die schlauen Wirtsleut verlangen ein schönes Stück Körberlgeld unter dem Decknamen „Gedeck“ oder – in besseren Häusern – „Couvert“. Denn damit ist nicht nur das hoffentlich richtige Auflegen von Besteck, die Anordnung der Gläser und die perfekte Ausrichtung der oft sehr abenteuerlich gefaltenen Serviette gemeint, sondern auch die Gratisentnahme des vielfach selbstgebastelten Gebäcks. Wobei, das klingt jetzt so despektierlich, aber seit die Gastronomen ihre Brote in schier grenzenloser Vielfalt selbst und vor allem superfrisch sowie gesund produzieren und ihren Gästen gemeinsam mit ebenfalls selbst kreierten Aufstrichen kredenzen, hat das Niveau vieler Lokale und somit die Freude zum kulinarischen Besuch signifikant zugelegt.

Denn damit scheinen die Zeiten, in denen der Bäcker dem Wirtshaus um fünf Uhr früh bei jedem Wetter einen Sack Semmeln vor die Tür knallte, die spätestes zu Mittag hart, trocken und nur mit gesunden Nagezähnen genießbar sind, endgültig vorbei zu sein. Nicht nur zur Freude der Gäste, sondern auch der Umsätze. Was in Zeiten wie diesen auch kein unwichtiges Argument ist.

redaktion(at)hotelundtouristik.at

Branchen-News, die Sie wirklich brauchen!

Mediadaten